Neue Handy-App meldet Schlaglöcher

Bisher wurden Straßenschäden mit Notizblock und Kamera erfasst. Dank der Entwicklung einer Chemnitzer Firma geht das jetzt einfacher. Nur am Empfänger fehlt es noch.

Im vergangenen Frühjahr war es wieder besonders schlimm. Viele Chemnitzer Straßen waren mit Schlaglöchern übersät. Anwohner und Autofahrer meldeten solche Schäden telefonisch, per E-Mail und in Briefen, oft auch mit Fotos, an die "Freie Presse" oder direkt an die Stadtverwaltung, damit schnell Flick-Kolonnen anrücken. Die Weitergabe solcher Informationen müsste einfacher möglich sein, wünschten sich viele, darunter auch der Grünaer Ortsvorsteher Lutz Neubert. Schon seit mehreren Jahren dokumentiert er mit seiner Kamera Chemnitzer Schlaglöcher, um die Bilder unter anderem auf einer Facebook-Seite zu veröffentlichen. Doch beseitigt sind die Schäden damit noch lange nicht.

Medienberichte machten die Firma Saskia Informations-Systeme aus dem Grünaer Nachbarort Mittelbach auf Neuberts Bildergalerie aufmerksam. Das Tochterunternehmen der Dresdner Softwarefirma Robotron hat sich auf IT-Anwendungen für öffentliche Verwaltungen spezialisiert und zählt nach eigenen Angaben mehr als 400 Kommunen in allen ostdeutschen Bundesländern sowie die Hauptstadt Berlin zu seinen Kunden.


Zur Erfassung von Straßenschäden hatte Saskia schon vor einiger Zeit eine mobile App für kommunale Bauhöfe entwickelt. Mitarbeiter, die mit einem Smartphone samt dieser App ausgerüstet sind, benötigen keinen Notizblock mehr: Zu jedem Foto, das sie von Straßenschäden machen und verschlüsselt ins Rathaus senden, ergänzt die App automatisch die GPS-Koordinaten für die Satelliten-Navigation. Damit können die Verantwortlichen für die Beseitigung der Schäden jedes Schlagloch auf Online-Karten exakt lokalisieren und Flick-Kolonnen zielgenau in Marsch setzen. Auch zusätzliche Angaben wie etwa zu den Abmessungen des Schlaglochs und dem Fahrbahnbelag können angefügt werden. "Wir haben diese App so abgewandelt, dass sie auch von jedem Bürger mit jedem Android- und IOS-Smartphone verwendet werden könnte", erklärt Harti Lange, Vertriebsleiter des Mittelbacher Unternehmens mit rund 70 Mitarbeitern.

Ortsvorsteher Neubert ist seit kurzem der erste Nutzer der neuen Schlagloch-App und begeistert von der einfachen Handhabung: "Mit ganz wenigen Klicks ist alles erledigt", sagt er und fände es "cool, wenn wenigstens alle Ortsvorsteher die App hätten". Denn damit könnten sie dem städtischen Tiefbauamt ohne großen Aufwand einen Überblick über Straßenschäden in den Ortsteilen verschaffen. Flick-Kolonnen könnten dann effektiv zuerst dort eingesetzt werden, wo sich Schlaglöcher häufen. Über einen Datenspeicher ließen sich auch die Erledigung der Flick-Aufträge vermerken und die Absender der Schadensmeldungen darüber informieren, erklärt Lange.

Ein noch vollständigeres Bild von der Situation in der gesamten Stadt erhielte das Amt, wenn jeder Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger die App auf sein Handy laden und Fotos ins Rathaus senden könnte, findet Neubert. Die Kosten wären überschaubar, sagt Lange. Kommunen müssten maximal 30 Euro und Bürger fünf bis zehn Euro monatlich je Gerät zahlen, auf dem die App installiert ist. "Es gibt keine Lizenzgebühren oder Pflegekosten", so der Vertriebschef.

Doch im Chemnitzer Rathaus war bis zur Anfrage von "Freie Presse" noch nichts von der neuen Schlagloch-App bekannt, hieß es auf Anfrage. Derzeit laufe das Melden von Schlaglöchern "sehr erfolgreich" über die Behördenrufnummer 115, über die E-Mail-Adresse tiefbauamt@stadt-chemnitz.de und über das Sekretariat des Tiefbauamtes, Telefon 0371 4886601. Mit der Firma Saskia sei die Stadtverwaltung aber ohnehin im Gespräch über eine App für das Handy-Parken. Für die Anwendung der Schlagloch-App müssten die technischen Voraussetzungen geprüft werden erklärt die Pressestelle des Rathauses.

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3Kommentare
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  • 2
    3
    Einspruch
    12.07.2019

    Genial. Dann wird eine Baustelle eingerichtet und monatelang am Schlagloch geforscht, wie man es schließen kann. Die Baustelle wird von weiteren Baustellen im Umkreis begleitet, damit man möglichst sinnlos durch die Gegend fährt oder steht.

  • 7
    1
    Zeitungss
    12.07.2019

    Ein Meilenstein für die Zukunft ! ! !

  • 7
    1
    DTRFC2005
    12.07.2019

    Ganz ehrlich, man könnte mittlerweile neue Jobs vergeben. Schlaglochanalyst oder Schlaglochdatenerfasser.



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