Neuer Besitzer will im Mercure Studentenwohnungen einrichten

Gute Nachrichten für das Hochhaus in der Chemnitzer Innenstadt: Es soll wohl nun doch nicht abgerissen werden. Offen bleibt hingegen die Frage, wie viel Hotel in dem Gebäude künftig noch möglich ist.

Seit Jahren ist die Zukunft des Mercure-Hochhauses in der Chemnitzer Innenstadt ungeklärt. Zuletzt war das 1974 als Kongresshotel eröffnete Gebäude mit seinen 29 Etagen mehrfach verkauft worden - stets im Paket mit weiteren früheren DDR-Interhotels. Für die jeweiligen Käufer war auch immer eine Option, das Hochhaus komplett abzureißen und an der Stelle einen Neubau zu errichten. Das wäre durchaus möglich gewesen, denn der bestehende Denkmalschutz gilt zwar für die Stadthalle und den Eingangsbereich des Hotels, nicht aber für das Hochhaus.

Die Abrisspläne scheinen nun aber vom Tisch. Nach "Freie Presse"-Informationen will der derzeitige Eigentümer das Gebäude in seinem Bestand halten, umfassend sanieren und dann vermieten. Geplant ist demnach, den unteren Teil weiterhin als Hotel zu nutzen und den oberen zu Studentenwohnungen umzubauen. Wegen der besonderen Statik des Hauses ist es unmöglich, Zwischenwände zu entfernen, um größere Wohnungszuschnitte zu ermöglichen. Dadurch entfällt eine Nutzung als Wohn-Hochhaus zum Beispiel für Familien.


Die US-amerikanische Investmentgesellschaft Blackstone, seit 2006 Eigentümerin des Gebäudes, hatte das Hochhaus im Paket mit anderen ehemaligen DDR-Interhotels vor annähernd zwei Jahren an ein amerikanisch-kanadisches Konsortium veräußert. Der Kaufpreis soll bei 500 bis 600 Millionen Euro gelegen haben. Im vergangenen Jahr kam es zum Weiterverkauf - mit einer Ausnahme: Das Chemnitzer Mercure ist in einer separaten Transaktion an Event-Hotels veräußert worden, berichtete der Online-Dienst "Finanzen.net".

Wenige Monate später wechselte das Gebäude an der Theaterstraße offenbar erneut den Besitzer. Neue Eigentümerin und zugleich Betreiberin des Mercure ist nun die extra gegründete "Hotelite Chemnitz Betriebsgesellschaft", wie eine Sprecherin dieses Unternehmens der "Freien Presse" bestätigte. Die Gesellschaft bewirtschaftet ausschließlich die Chemnitzer Immobilie. Dahinter steht die Intown-Gruppe, die ihren Sitz in Berlin hat. Auch die Chemnitzer Gesellschaft hat ihre Geschäftsadresse in der Hauptstadt am Potsdamer Platz.

Intown gehört nach Medienberichten zum Firmenreich des milliardenschweren Fonds-Experten Amir Dayan. Der Israeli ist demnach als Projektentwickler in Osteuropa, Schweden, den Benelux-Staaten und vor allem in Deutschland aktiv. In Branchenkreisen heißt es, Intown habe sich auf sogenannte Problem-Immobilien spezialisiert - also Häuser in guten Lagen, die aber nur schwer oder mit sehr viel Geld zu sanieren sind.

Zur Intown-Gruppe gehört auch der Hochhauskomplex in Dortmund, den die Stadt vor wenigen Tagen wegen schwerer Brandschutzmängel räumen ließ; 800 Mieter mussten daraufhin ihre Wohnung verlassen. Auch das im Juni aus ähnlichen Gründen geräumte Hochhaus in Wuppertal befindet sich im Eigentum von Intown.

Nach eigenen Angaben ist Intown in Deutschland seit mehr als zehn Jahren als Immobilien-Investor aktiv und beschäftigt 170Mitarbeiter. Das Unternehmen verwaltet rund 1,8 Millionen Quadratmeter Mietfläche.

Offen ließ die Intown-Sprecherin, welche Strategie die Eigentümer für das Mercure verfolgen. Diese Frage könne derzeit noch nicht abschließend beantwortet werden, heißt es auf Anfrage der "Freien Presse". Als sicher gilt, dass das knapp 100 Meter hohe Gebäude umfassend saniert werden muss, unter anderem um die aktuellen Brandschutzanforderungen zu erfüllen.

Zuletzt war zudem eine weitere deutliche Reduzierung der Zimmeranzahl im Gespräch. Um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen, hatte die Hotelleitung bereits vor längerer Zeit die Anzahl der bewirtschafteten Zimmer von annähernd 400 auf etwa 300 heruntergefahren. Auch bei der Debatte um ein seit mehreren Jahren gefordertes Kongresszentrum für die Stadt wurde das Hotel als Teil davon diskutiert.

Die Frage, inwiefern das Hotel weiterhin unter dem Namen Mercure firmieren wird, blieb ebenfalls unbeantwortet. Diese Entscheidung hänge von der weiteren Nutzung ab, so die Intown-Sprecherin.


Vom ersten Haus am Platz zur Problem-Immobilie

Das fast 100 Meter hohe Gebäude an der Wilhelm-Pieck-Straße (heute Theaterstraße) war von 1969 bis 1974 vom Architekten Rudolf Weißer im damaligen Karl-Marx-Stadt geplant und gebaut worden. Eröffnet wurde es als Interhotel Kongress. Das Hochhaus hat 29 Etagen, ganz oben befindet sich ein Restaurant, das seit Jahren geschlossen ist. Nach der Wende übernahm die französische Accor-Gruppe das Haus und betrieb dort bis Ende 2012 das Drei-Sterne-Hotel.

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Interessierte
    04.10.2017

    Das wundert mich ja`, dass ich da 10 Minuspunkte haben , ich hatte mit 50 Pluspunkten gerechnet von den 300 Schreibern von hier , wo das doch alles Chemnitzer sind ...
    Irgendwo hatte ich kürzlich mal 20 Pluspunkte , danke ;-)

  • 1
    0
    Kreisimaus
    04.10.2017

    Gute Idee. Mercure (Interhotel) unbedingt stehen lassen. Vielleicht noch was markantes aufs Dach montieren! Chemnitz kann noch Eyecatcher vertragen.
    Hotel verkleinern aber wieder attraktiv machen und die restlichen Zimmer für Citywohnen.
    Aber eben nicht unbedingt zum Minipreis.
    Man sollte in der Innenstadt schon darauf achten das nicht nur Sozialmieter einziehen. Wir sind eine Arbeiterstadt aber Chemnitz hat mehr Potenzial. Die großen Gewerbebetriebe verändern sich ja auch! Die Arbeiterschafft ist mittlerweile mehr differenziert!

  • 3
    0
    Hankman
    28.09.2017

    @Interessierte: Nur mal eine Anmerkung: Sie sprechen von Leipzig und einem "Bettenturm" für Studenten. Ich vermute, Sie beziehen sich auf den "Weisheitszahn". Das war allerings nie ein "Bettenturm". Darin befanden sich Büros der Universität. Nach 1990 hieß es dann, dass sich das Haus baulich eigentlich nicht für die Uni eigne. Nun, ich habe an der Uni studiert und weiß: Das war schon okay. Aber: Das ist ein Filetstück in allerbester Citylage. Das konnte man natürlich nicht mehr für eine schnöde Uni verschwenden. Und deshalb befinden sich heute darin ... Büros. Aber keine Uni-Büros, sondern bestimmt welche, die ordentlich Kohle abwerfen. Schöne neue Welt.

    Wie auch immer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Chemnitz jemand ernsthaft erwägen könnte, das Mercure-Hochhaus abzureißen. Der müsste doch völlig durchgeknallt und mit diversen Klammerbeuteln gepudert sein. Das ist eines der markantesten Gebäude der Stadt und prägt ihre Skyline. Das kann man nicht abreißen. Punkt.

  • 2
    10
    Interessierte
    28.09.2017

    Da kann man sich wieder so richtig sehr drüber freuen , das wird wieder wunderschööön ...

    Da wird die Stadt der Chemnitzer Handwerker zur Studentenstadt ?
    Und zudem können dann die Flüchtlingshelfer-Studenten nach dem Ballspiel und den Lese- Gymnastik-Unterhaltungsabenden vom Stadthallenpark aus gleich ins Hoch-Bett fallen ...
    Und zuvor können sie noch einen Blick über das helle Chemnitz werfen ...
    Uns war das nicht vergönnt , wir konnten früher von da oben nur über die Dunkelstadt gucken ...
    In Leipzig ist es gerade anders herum , da wurde der Betten-Turm für die Studenten gebaut und heute wurde er für die Leipziger+Gäste umgebaut !

  • 2
    8
    Interessierte
    28.09.2017

    Die Abrisspläne scheinen nun aber vom Tisch ...
    der bestehende Denkmalschutz gilt zwar für die Stadthalle und den ´Eingangsbereich` des Hotels, nicht aber für das Hochhaus ...

    Das finde ich gut , dass das Hotel-Hochhaus zum Studenten-Hochhaus wird , da kommt wenigstens Leben in das Haus mit der schönen Aussicht ganz oben über Chemnitz , hatte man doch leider 2 Hochhäuser abgerissen , welche man als Studenten-Hochhäuser hätte nutzen können ...

    Und wir haben ja auch schon das Hotel Chemnitzer Hof an Studenten vermietet , damit das voll und somit wieder belebt wird , welcher für die ´Chemnitzer` ab 17 Uhr geöffnet hat , dann wäre das hier parallel dazu eine gute Ergänzung ...

    Und dann haben wir ja auch noch das Hotel Moskau , was auch ab 17 Uhr für die ´Chemnitzer` geöffnet ist , aber dort sind dann wohl sicherlich alle Zimmer belegt , ansonsten könnte man dann gleich von der ´Zentralbibliothek` aus in der gesamte Innenstadt schlafen gehen , da hätte man dann nicht die Missstände mit den weiten Wegen ...

    Dafür haben wir jetzt auch das Hotel Biento im Rawema-Büro-Gebäude
    und auf der Elisenstraße das Hotel
    Und auf der Blankenauer Straße
    und auf der Salzstraße
    und auf der Bernsdorfer Straße
    und auf der Wildparkstraße
    und auf der Winkelhofer Straße
    und dazu eine Jugendherberge mitten in der Stadt

    Und dann bauen wir ja noch auf den Wald neben dem Tietz ein Sterne-Hotel
    Und war nicht auch im Handwerkerhof ein Hotel geplant , ansonsten könnte man das vielleicht auch noch in Erwägung ziehen - neben der Jugendherberge
    Die Alten schlafen hier und die Jungen schlafen dann dort !



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