Neuer Blitzer wird zur Goldgrube

Die Anlage an der Leipziger Straße fotografiert seit drei Wochen Autofahrer, die zu schnell sind. Andere Messgeräte produzieren weniger Bilder.

Der neue mobile Blitzer an der Leipziger Straße scheint seine Arbeit besonders effektiv zu verrichten. Am 26. Juni wurde das Messgerät, das sich auf einem Anhänger befindet, zum ersten Mal scharf gestellt. Bis Montagvormittag dieser Woche, also nach knapp drei Wochen, hat es bereits mehr als 7000 Geschwindigkeitsverstöße verzeichnet, teilt ein Stadtsprecher mit. Und das, obwohl die Anlage regelmäßig aus dem Verkehr gezogen wird: Zweimal befand sich der Blitzer bereits zum Aufladen des Akkus für einige Tage in einer Garage. Zuletzt, so der Sprecher, wurde das Messgerät in der vergangenen Woche aufgeladen. Danach wurde die Anlage erneut an der Leipziger Straße aufgebaut.

Zum Vergleich: Der Blitzer am Südring, der nach der Einmündung Zschopauer Straße in Richtung Bernsdorfer Straße installiert ist, löste von Januar bis Juni 1407 Mal aus. Im Juni blitzte diese Anlage laut Stadtverwaltung 252 Mal. Das Kontrollgerät, das am Südring Richtung Abfahrt Zschopauer Straße installiert ist, löste von Januar bis März 450 Mal aus.


Kritik hatte das neue Messgerät an der Leipziger Straße hervorgerufen, weil Verkehrsteilnehmer das fehlende Kennzeichen des Anhängers, der über versenkbare Räder verfügt, bemängelten. Die Stadtverwaltung erklärte, dass der Anhänger für den öffentlichen Verkehr zugelassen sei und über ein entsprechendes Nummernzeichen verfüge. Es müsse im Standbetrieb aber nicht zwingend angebracht sein, hatte ein Stadtsprecher erläutert. Die Pressestelle präzisiert nun, dass eine entsprechende Ausnahmegenehmigung in der Zulassung vermerkt sei.

Ein Fachanwalt für Verkehrsrecht hatte hingegen erklärt, dass alle Fahrzeuge, auch Anhänger, jederzeit ein sichtbares Kennzeichen benötigten. Laut Zulassungsverordnung gebe es keine Ausnahme, so Jurist Adrian Peters. Wer ein Knöllchen erhalte, dürfe sich aber trotzdem keine Hoffnung machen, dass der Bescheid ungültig sei, so der Anwalt. Es gebe bereits erste Gerichtsentscheide, wonach Tempokontrollen durch Messgeräte, die auf Anhängern installiert sind, trotz fehlender bzw. nicht sichtbarer Kennzeichen gültig sind.

Die Verwaltung testet die Messanlage derzeit. Ende August soll entschieden werden, ob sie das 131.000 Euro teure Gerät, das Autos über mehrere Spuren hinweg gleichzeitig erfassen kann, kauft. Die Anlage kann an Orten zum Einsatz kommen, an denen es wegen hoher Geschwindigkeiten für Mitarbeiter des Ordnungsamtes zu gefährlich ist.

Bewertung des Artikels: Ø 4.2 Sterne bei 10 Bewertungen
19Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    2
    Zeitungss
    23.07.2019

    Ich bringe einmal wieder das neueste Modell der Stadt Plauen im OT Chrieschwitz in Erinnerung. Dort gibt es im Monat 3-4 Fußgänger und eine 4spurige Straße mit einer Ampel. Wer demnach stadtauswärts die Grünphase noch mitnehmen möchte, ist schon einmal dabei, was bei der Untersuchung der Wirtschaftlichkeit der ausschlaggebende Punkt gewesen sein dürfte. Wie gesagt, die Fußgänger tendieren gegen Null, welche bekanntlich durch diese Maßnahme "geschützt" werden sollen. Ein Segen für die Stadtkasse JA, für die nicht vorhandenen Fußgänger eher ein Scherz. Die zu erwartenden Einnahmen sind im Haushalt fest eingeplant und auch schon ausgegeben, wie heute üblich. Zu den Rasern gehöre ich nicht und ich hätte absolut kein Problem mit einer Blackbox im Fahrzeug und diese würde dem umstrittenen Modell von Jenoptik (Urteil Saarland) ggf. auf die Sprünge helfen. Plauen muss sich auch nicht an ein in D. gefälltes Urteil halten, es fehlt dör säxsche Stempel und die Einnahmen würden geschmälert, was keinesfalls sein darf. Urteile müssen heute nicht alle befolgen, habe ich dazugelernt und persönlich als positiv bewerte.

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    5
    MuellerF
    23.07.2019

    @Frau Marcus: Wo bitte habe ich behauptet, Bremsschwellen würden tausende Rad- & Motarradfahrer töten? Wenn Sie schon von "dahergeredetem Populismus" schwafeln, sollten Sie sich selbst mit falschen & übertriebenen Unterstellungen zurückhalten, finden Sie nicht?

    Von mir aus können an Stelle des Blitzers dort auch Speedbumps verbaut werden- das bedeutet aber zunächst mal Sperrung für die Bauarbeiten & danach eine weitere Absenkung des dort möglichen Fahrtempos- die Reaktionen darauf kann ich mir schon jetzt lebhaft ausmalen!

  • 5
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    Franziskamarcus
    23.07.2019

    Für was das Blitzergeld letzentlich verwendet wird, ist sekundär, für Verkehrschulung oder Sicherheitsmaßnahmen sicher nicht, doch eher um Haushaltslöcher zu Stopfen, weils unsere Hochbezahlten mit Geld und Rechnen nicht so haben. Soweit mir bekannt ist, ist die Polizei eigentlich dafür da, zu kontrollieren und auf Einhaltung von Regeln zu achten. Es ist ein Witz, das jeder dahergelaufene Amtsmitarbeiter nach ein paar Stunden Lehrgang hier einen auf Sheriff machen darf . Der Rest ist ihr dahergeredeter Populismus, wieder mal Faktenfrei, in Spanien werden nicht tausende Motorrad-und Fahrradfahrer von Bremsschwellen getötet. Sie konstruieren sich, Politikerlike, einen Zustand um ihre eigene Sichtweise zu legitimieren.

  • 3
    6
    MuellerF
    23.07.2019

    @franziskamarcus: Ihre Behauptung, Mitarbeiter der Verwaltung würden aus Blitzer-Einahmen bezahlt, ist lächerlich & absurd! Auch die Metapher "Wegelagerei" ist falsch, weil man nicht für die Nutzung der Straße zahlt, sondern ein Strafgeld für Übertretung der Regeln! Bremsschwellen sind übrigens ineffektiv & für 2-rädrige Verkehrsteilnehmer sogar gefährlich. Vor der Annenschule gibt es sowas vor dem Eingangsbereich des Grundstücks- nach dem Passieren der Stelle wird aber oft auf der Geraden weitergeheizt-in Richtung zweier Kindergärten.

  • 9
    3
    Franziskamarcus
    23.07.2019

    Meinen roten haben sie sich aber redlich verdient, Herr Müller! Wenn es um Sicherheit geht, warum werden Gefahrenpunkte nicht entschärft, Bodenwellen z.B eingebaut, wie in Südeuropa üblich und andere Massnahmen ergriffen? Erzählen sie mir nicht, das geht nicht, dafür ham wir keen Geld, keine Fördermittel, dürfen wir nicht,und und und. Bla Bla. Oder an den mobilen Blitzer ein Schild "Achtung Geschwindikeitskontrolle"angebracht, wenn man das liesst, fährt der "Raser" ja auch langsam-Ergo für Sicherheit wird gesorgt! Oder etwa nicht? Aber da gibts keine Kohle, um das Säckl aufzufüllen, die überbordende Mitarbeiterschaft in Rathaus und Behörden will ja auch Standesgemäss allimentiert werden, stimmts?
    Mobile Blitzer sind nichts anderes an neuzeitlich, moderne Wegelagerei!

  • 5
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    MuellerF
    23.07.2019

    @fschindl: Die Überschrift stammt von der Freien Presse, nicht von der Stadtverwaltung. Wenn dieser Blitzer viele Einnahmen generiert, kann das ja auch so berichtet werden. Und über Unfälle, die zum Glück nicht stattgefunden haben, wird auch nicht berichtet. Übrigens: überhöhte Geschwindigkeit ist nach wie vor Unfallursache Nummer 1 & hat mit gegenseitiger Rücksichtnahme & vorausschauendem Fahren NULL zu tun! Und jetzt her mit den roten Daumen...

  • 8
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    fschindl
    23.07.2019

    @MuellerF natürlich geht es primär ums Geld...wo kommt sonst die Überschrift: "Neuer Blitzer wird zur Goldgrube" her...ich kenne keine Schlagzeile in der Art: "Blitzer erhöht die Verkehrssicherheit"...und dass eben nicht die Geschwindigkeit entscheidend ist sondern gegenseitig Rücksichtnahme und vorrausschauendes Fahren sollte klar sein.

  • 3
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    MuellerF
    22.07.2019

    @CPärchen: Wie kommen Sie darauf, dass es bei Blitzern primär ums Geld ginge?
    Der Blitzer ist gerade an dieser Stelle sinnvoll, da es dort hohes Verkehrsaufkommen & viele Abfahrten gibt - um also Spurwechsel gefahrlos zu ermöglichen, muss dort die Geschwindigkeit reguliert & natürlich auch kontrolliert werden.
    Jeder, der bei Blitzern von "Abzocke" u.ä. spricht, übersieht, dass er selbst es in der Hand (bzw. dem Gasfuß) hat, angepasst zu fahren & dann eben nicht zahlen zu müssen!

  • 10
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    CPärchen
    21.07.2019

    @cn3: Wenn alle vernünftig fahren würden, wären viele Probleme gelöst. Die TU Dreesden zeigte ein Programm, welcher einen Verkehrsfluss abbildete. Dabei konnte man verschiedene Parameter einstellen, wie Geschwindigkeit, Verkehrsaufkommen, aber auch vorausfahrendes Fahren. Der letzte Punkt allein brachte eine sehr starke Verbesserung. Das war sehr interessant.

    Ja, die 15€ scheren mich nicht, aber mich ärgern dennoch zwei Dinge.
    1.) dass es bei Blitzerstandorten immer zuerst um das Geld geht und nicht um die Sicherheit. Eine gegensätzliche Prioritätensetzung würde einige Blitzer woanders stehen lassen.
    2.) Runkel bei Blitzeranlagen ganz vorne dabei ist, während er an anderer Stelle zu sehr zögert. Ich bin so froh, wenn der [zensiert] verschwunden ist.

  • 11
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    2PLUTO6
    21.07.2019

    Raubrittertum 21. Jahrhundert!!!

  • 7
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    Haga
    20.07.2019

    Einerseits schnell die Anschaffungskosten wieder hereinbringen und langfristig hohe Einnahmen erzielen – manchmal ist auch der Hersteller an den Einnahmen beteiligt (?) – andererseits das (angebliche) Ziel einer dauerhaften Geschwindigkeitsreduzierung. Passt irgendwie nicht zusammen.

  • 14
    1
    737474
    20.07.2019

    Grünflächenamt bittet Bürger um Spenden für Baumpflanzungen, pflege etc., ... Stadt erwägt 130.000 Euro für einen neuen Blitzer auszugeben. Rechte Tasche, linke Tasche? Schade das dafür Geld da ist und für sinnvolle Dinge die Bürger zur Kasse gebeten werden!

  • 20
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    cn3boj00
    18.07.2019

    @CPärchen sicher das war nur knapp an der Toleranzgrenze. Werden dann wohl auch nur 15 Euro sein. Aber die Schlange gibt es schon viel länger, und es war auch vorher nicht einfacher in die rechte hinüberzuwechseln, als dort 70 das Normaltempo war. Und dass die, die rechts brav 50 fahren, etwas sauer auf die sind die mit 70 überholen und dann reinwollen ist klar. Ich denke aber das gibt sich, wenn dort alle vernünftig werden, an der Überfliegerauffahrt hat es auch funktioniert.
    Ob es sinnvoll wäre, die Spurführung so zu ändern, dass die rechte nur noch für Abbieger in den Ungerpark und nach Dresden frei ist und die linke nach Röhrsdorf und für Abbieger nach Erfurt könnte man überlegen.

    Und @osgar, ich finde vor Schulen und Kindergärten wird schon viel geblitzt. Es geht aber eben auch darum, Gesetze durchzusetzen, und die StVO wird doch von vielen - wegen fehlender Kontrolle - nur noch als Empfehlung aufgefasst. Und wenn es genug Geld in die Kasse spült, so dass man einen weiteren Blitzer vor eine Schule betreiben könnte, ist das doch in Ordnung?

  • 13
    14
    MuellerF
    18.07.2019

    @osgar: Was bitte hat die Breite der Straße mit der zulässigen Geschwindigkeit zu tun? Wenn sich Autofahrer von solchen baulichen Gegebenheiten "verleiten lassen", statt nach StVO zu fahren, sind diese offensichtlich ungeeignet zum Führen eines KfZ & handeln sich das Knöllchen völlig zu Recht ein!
    Diese krampfhafte Suche nach Ausreden wie in Ihrem Kommentar spricht dabei noch für Uneinsichtigkeit & Lernresistenz, wofür meiner Ansicht nach mindestens eine Nachschulung & bei weiterem Fehlverhalten der permanente Entzug der Fahrerlaubnis fällig sein sollten (& theoretisch sogar gesetzlich möglich sind)!

  • 8
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    DTRFC2005
    18.07.2019

    @CPärchen: Naja, ich glaube da ist nur 50 km/h erlaubt. Die 60 wurde schon längst abgeschafft. Da waren Sie dann schon recht flott unterwegs. Die Toleranz ist, wenn ich mich recht erinnere 3 km/h plus Richtgeschwindigkeit innerhalb und außerhalb ( bis 100 km/h ) von Ortschaften.

  • 33
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    osgar
    18.07.2019

    @cn3 Sie haben recht damit, dass dort den Dränglern das Handwerk gelegt werden sollte.
    Aber "Seit Jahren glauben 90% alle Autofahrer, dass die Stadt an der Ampel Ungerpark zu Ende sein." Genau das ist das Problem. Nach der Ampel fährt man gefühlt auf einem amerikanischen Highway. Die Breite der Straße verleitet dann zum Schnellerfahren und genau das weiß Herr Runkel und platziert den Blitzer eben dort und nicht vor einer Schule oder einem Kindergarten.
    Ich bin davon überzeugt, dass dort überproportional Auswärtige geblitzt werden. Deshalb rentiert sich dieses Ding viel eher als die mittlerweile stadtbekannten an anderen Stellen.
    Für mich ist das wie immer von Herrn Runkel organisierte Abzocke.

  • 17
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    CPärchen
    18.07.2019

    Nein DTRFC, nicht unbedingt.

    Mich hat das Ding auch erwischt, bei Tacho (der zeigt ja immer etwas mehr an) 61km/h. Am Ende werden es also ca. 7 km/h zu viel sein. Da braucht man nicht gleich einen Kurs in der StVO.
    Ich vermute, dass das Gerät so schnell auslöst, um brutto (ohne Abzug der Kosten) viel Umsatz einzunehmen, um den Kauf stärker zu befürworten.

    Wenn der Bescheid kommt, zahle ich das schon, das ist mir egal.

    Ich stelle nur fest, dass seit der Inbetriebnahme man schwer von der linken Spur auf die rechte Spur wechseln kann, um aufzufahren. Die rechte Spur besteht nun aus einer langen Autoschlange, welche sich ab der JET bildet.
    Sicherer fühle ich mich dadurch nocht, weil ich auch vorher gut durchkam.

  • 32
    6
    cn3boj00
    18.07.2019

    Das Teil sieht nicht wie ein Anhänger aus. Und egal ob mit oder ohne Kennzeichen: es tut endlich not, dort etwas zu unternehmen. Seit Jahren glauben 90% alle Autofahrer, dass die Stadt an der Ampel Ungerpark zu Ende sein. Da wird ordentlich Gas gegeben, noch schnell überholt um sih zwei Autos weiter vorne wieder reinzudrängeln, da man die Abfahrt erwischen muss, und man es ja eilig hat und zwei Autos weiter vorne lebenswichtig sind. Wird Zeit, dass dem Ende bereitet wird.

  • 25
    16
    DTRFC2005
    18.07.2019

    Was sagt das aus? 7000 Fahrer wären für eine Wiederholungen Theoretischer Grundlagen der StVO sehr gut geeignet.



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