Neuer Film über die Stadt: "Chemnitz ist ein Mittelding"

Eine Imagekampagne des Freistaates hat Kreative aus 13 Städten beauftragt zu zeigen, was für sie Heimat ist. Warum der Clip über Chemnitz ohne Marx-Kopf auskommt.

Eine junge Frau erwacht in Chemnitz. Sie schnürt die Turnschuhe und joggt um den Schloßteich. Dort läuft sie an einer Frau vorbei, die mit ihren Enkelkindern auf der Bank sitzt. So beginnt der 2:47 Minuten lange Film "About Chemnitz", der seit dem Wochenende im Internet verfügbar ist. Der Zuschauer folgt den beiden Frauen durch ihren Tag. Die ältere besucht den Tierpark und am Abend ein Konzert auf dem Theaterplatz. Die jüngere fährt mit ihrem Rennrad durch den Küchwald, tanzt mit Jungen im Rosenhof, geht am Stausee Rabenstein baden und trifft abends Freunde im Club.

Im Fokus stehen die zwei Frauen. Die Hintergründe und Orte bleiben oft in der Unschärfe oder sind nur von Kennern zu identifizieren. Sehenswürdigkeiten wie der Marx-Kopf kommen nicht vor, dafür Orte mit landschaftlichem Reiz.

Der Clip gehört zu einer Reihe von Kurzfilmen unter dem Titel "Heimat bewegt - #DrausseninSachsen". Dahinter stecken die Werbeleute der Imagekampagne "So geht sächsisch" des Freistaates. Sie statteten Filmteams aus 13 Städten mit jeweils 5000 Euro aus und beauftragten sie, ihre persönliche Sicht auf das Thema Heimat in einem Kurzfilm festzuhalten. Darum sagt die junge Frau im Clip, dass bei der Frage darüber, was Chemnitz ist oder nicht, immer das Wort Grau falle. Für sie sei das eine Frage der Perspektive. Die Bilder zeigen Sonne und viel Grün und implizieren, dass die Stadt nicht grau ist. "Chemnitz ist ein Mittelding" sagt die Frau, "eine Großstadt, die wie ein Dorf ist". Es sei eine Stadt, "die oft ihre Ruhe braucht, aber noch öfter einfach ein bisschen mehr Leben auf der Straße". Sie lebe in der Stadt mit der höchsten Apothekendichte, den wenigsten Spät-Shops und dem buntesten Schornstein der Welt. Die Ältere findet, sie lebe in einer Stadt, an der sie manchmal verzweifle, "aber Zweifel gehören dazu". Chemnitz biete alles, was sie brauche. "Chemnitz ist das, was wir draus machen", sagen die Frauen unisono.

"Authentizität hatte Priorität", sagt René Kästner über den Film, den er mit seiner Firma "Red Tower Films" produziert hat. "Wahrscheinlich würden viele Chemnitzer ähnliche Dinge sagen, wenn man sie fragt, warum sie in der Stadt gerne leben", so Kästner. Der Streifen sei kein klassischer Imagefilm. "Wir wollten nicht einfach die schönen Ecken zeigen oder eine der Frauen am Marx-Kopf vorbeilaufen lassen, nur weil den jeder kennt", sagt Regieassistentin Franziska Kurz. Das wäre ihnen zu platt gewesen. Es gehe darum, dass der Zuschauer die schönen Ecken erahnt und Chemnitz als liebenswerte Stadt sieht. Gedreht wurde im Sommer 2018. Die Ereignisse von Ende August hätten sich "gar nicht" auf den Film ausgewirkt, so Kästner. "Wir haben das bewusst nicht berücksichtigt."

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