Neuer Streit zwischen Stadt und CFC um künftige Stadionnutzung

Der Ton wird rauer zwischen Verein und Kommune: Der Insolvenzverwalter des Chemnitzer FC stellt der Oberbürgermeisterin ein Ultimatum und droht juristische Schritte an.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig hat Anfang der Woche Post von CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon erhalten. Das Schreiben enthält nach "Freie Presse"-Informationen aber weder Weihnachtsgrüße noch Wünsche für den Jahreswechsel, sondern ein Ultimatum an die Stadt. Sollte die Kommune ihre Forderungen zur Stadionpacht bis Januar nicht reduzieren, will Siemon gerichtlich gegen die Stadt vorgehen.

Hintergrund des Schreibens ist ein Gesprächstermin, zu dem sich in der vergangenen Woche Vertreter des CFC, der Stadt und der städtischen Wohnungsgesellschaft GGG getroffen hatten, wie ein GGG-Sprecher bestätigt. Dabei ging es nach Informationen der "Freien Presse" auch um die Höhe der Stadionpacht in der kommenden Saison. Bislang zahlt der insolvente Verein für die spieltagsbezogene Nutzung des Stadions sowie für Geschäftsstelle und Fanshop rund 190.000 Euro jährlich an die Stadt; der Vertrag endet aber zum Saisonende. Da sich der sportliche Aufstieg der ersten Mannschaft des CFC zunehmend andeutet, sollte daher auch die Pachthöhe für die Dritte Liga festgelegt werden. Der Betrag ist letztlich entscheidend für die Lizenzierungsunterlagen, die der Verein für die Saison 2019/2020 beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einreichen muss.

Für den Aufstiegsfall ruft die Kommune nun eine jährliche Pacht in Höhe von 800.000 Euro auf. Die Summe ist nicht willkürlich gewählt, sondern beruht nach Informationen der "Freien Presse" auf einem Schreiben der EU-Kommission vom Oktober 2013 zum Wettbewerbsrecht. Dieses Regelwerk wurde seinerzeit in Brüssel erlassen, um Unternehmen aus allen EU-Ländern gleiche Marktbedingungen einzuräumen und so zu verhindern, dass staatliche oder kommunale Einrichtungen den Wettbewerb verzerren oder beeinflussen. Da es sich bei der dritthöchsten Spielklasse um eine Profi-Liga handelt, sind Kommunen auch bei Fußballvereinen an die europäischen Vorgaben zum Wettbewerbsrecht gebunden.

CFC-Insolvenzverwalter Klaus Siemon lehnt die Argumentation der Kommune dennoch ab. In seinem Schreiben an die Oberbürgermeisterin verweist er darauf, dass die durchschnittliche Stadionpacht der Drittligisten deutlich unter jener Summe liegt, die die Stadt Chemnitz nun aufruft. Laut DFB-Ligareport liegt in der Dritten Liga die Pachthöhe für die Stadionnutzung aller Vereine bei durchschnittlich 431.000 Euro jährlich - Tendenz seit Jahren fallend. Die Summe von 800.000 Euro nennt Siemon daher in seinem Schreiben an die OB für den CFC existenzbedrohend; die Forderungen seien insgesamt rechtswidrig. Stattdessen hält er auch vor dem Hintergrund des Defizits im laufenden Etat des Vereins eher eine weitere Reduzierung der Pachtzahlungen für angemessen. Nach Informationen der "Freien Presse" beendet der Insolvenzverwalter das Schreiben an die Oberbürgermeisterin mit der Forderung, sie solle bis Januar 2019 alle notwendigen Erklärungen abgeben, damit der CFC auch künftig im Stadion an der Gellertstraße spielen kann. Sollte das nicht geschehen, droht Siemon mit dem Gang vor Gericht.

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig bestätigte auf "Freie Presse"-Anfrage den Eingang des Schreibens. Näher äußerte sich Ludwig nicht. Wörtlich sagte sie lediglich: "Mit dem Inhalt werden wir uns auseinandersetzen."


Kommentar: Alle an einen Tisch!

Wegen des Stadions an der Gellertstraße hat es in der Stadt schon viele öffentliche Diskussionen gegeben. Dabei scheint die Sache klar: Die Stadt besitzt ein Stadion, das sie ohne den Chemnitzer FC nicht sinnvoll füllen kann. Und der CFC wiederum braucht ein Stadion, das den Sicherheitsanforderungen der Verbände genügt. Ohne ein solches Stadion könnte der Verein auf einen Lizenzierungsantrag verzichten - oder man müsste eben in Aue oder Zwickau spielen. Daher bleibt beiden Konfliktparteien gar kein anderer Ausweg: Die Verantwortlichen, und das heißt Oberbürgermeisterin und Insolvenzverwalter, müssen an einen Tisch, die Sache ausdiskutieren und einen Kompromiss finden. Die Drohung mit Ultimaten und juristischen Konsequenzen ist dafür allerdings wenig hilfreich.

Bewertung des Artikels: Ø 3.9 Sterne bei 7 Bewertungen
19Kommentare
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  • 9
    0
    cn3boj00
    19.12.2018

    @Lesemuffel, ein Glück dass ich kein Chemnitzer bin, um diesen Unsinn verstehen zu müssen. Vermutlich ist der Siemon dafür verantwortlich, dass der CFC jetzt so gut dasteht, nicht Trainer und Spieler?
    Welche besonderen Fähigkeiten hat dieser Mensch eigentlich, dass er mit Drohungen und Forderungen auftreten darf? Soll er vor Gericht ziehen, kein Richter dieser Welt wird verstehen, welchen Anspruch auf Senkung einer Pacht (für die es Verträge gibt) er hat. Bis jetzt ist die Stadt immer dem Fußball entgegengekommen, aber irgendwann muss Schluss sein, vor allem wenn sich einer als Gott aufspielt (und manche das sogar glauben)

  • 8
    2
    Zeitungss
    19.12.2018

    Es gibt inzwischen Taschenrechner mit erhöhter Rechenleistung und einer Zwangsumlaufkühlung um das Chemnitzer Desaster überhaupt noch in den Griff zu bekommen. Unterhaltsam ist es auf jeden Fall für den Außenstehenden, für den Chemnitzer Steuerzahler vermutlich weniger.
    Die ganze Seite der Kommentare spricht jedenfalls Bände.

  • 6
    0
    KarlChemnitz
    19.12.2018

    @chemnitzer & freiepresse: Ergänzung: Halle zahlte bis letze Saison 245.000 € pro Jahr. Für die aktuelle Saison sollte die Miete um 100.000 € erhöht werden, ob das so umgesetzt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Beim FC RW Erfurt liegt die Sache etwas komplizierter: Hier gibt es eine Art Grundmiete für alle Heimspiele in Höhe von 53.000 €, dazu kommen aber weitere Anteile (Kopfpauschale ab dem 3001. Zuschauer, Anteile am Catering-Umsatz, 30.000 für die VIP-Logen-Vermietun, usw.)

  • 5
    5
    saxon1965
    19.12.2018

    "Die Summe beruht... auf einem Schreiben der EU-Kommission vom Oktober 2013 zum Wettbewerbsrecht. ..., um Unternehmen aus allen EU-Ländern gleiche Marktbedingungen einzuräumen... ."
    Und warum funktioniert das nicht bei Dienstleistungsangeboten, Löhnen, Preisen ect.?! So ein Schwachsinn, zu versuchen in einer Marktwirtschaft was regulieren zu wollen. Und was ist mit Subventionen für Konzerne, Steuererleichterungen, Umweltauflagen usw.
    Ausgerechnet beim Sport will man Wettbewerbsverzerrung verhindern, in Zeiten von FIFA-Korruption und Doping!
    Da greift man sich doch an den Kopf!

  • 13
    2
    HHCL
    19.12.2018

    @Lesemuffel: Ich gebe Ihnen ja insofern recht, dass man hier viel zu oft (besonders in Ämtern und Behörden) auf diese Mischung aus unsäglicher Arroganz bei gleichzeitiger aus jeder Pore triefender Provinzialität trifft, aber: Hier wurde nun mittlerweile in den CFC so viel Geld gebuttert, so viele Geschenke an den Fußballclub gemacht, dass man nun nicht Herrn Siemon zum ungewählten Bürgermeister der Stadt machen kann, der sich bedient wo er will und wie er will.

    Das Stadion ist da und nun muss man zusehen, wie man es bespielt; ohne weitere Geschenke an den CFC aber auch ohne Wucherpreise aufzurufen, die man sich ausgedacht hat um dieses Stadion überhaupt zu bauen. Danach sollte man dann mal eine Untersuchungsausschuss den ganzen Fall aufarbeiten lassen und die Stadtverwaltung und das Rathaus von denen räumen, die den Stadionbau schöngerechnet haben.

  • 7
    16
    Lesemuffel
    19.12.2018

    Typisch Chemnitzer Spiessbürgermentalität. Da kommt einer, der mit dem jahrelangen Pfusch beim CFC und der Stadt mal aufgeräumt hat und da meint man ihm sagen zu müssen "was er ist - ein Bittsteller". Tolle Anziehungskraft für fähige Leute, in diese Stadt zu kommen.

  • 11
    2
    Steuerzahler
    19.12.2018

    @SimpleMan: „Tendenz seit Jahren fallend. ..." ! Es wäre ja mal interessant, wie weit die Stadtverantwortlichen diesen Fakt bei ihren Entscheidungen zur Unterstützung in der Vergangenheit berücksichtigt haben. Alle Mahner waren ja wie üblich die Puh-Männer! Und wie sieht die Entwicklung bei den Gehältern aus? Auch in diese Richtung?

  • 16
    0
    KarlChemnitz
    19.12.2018

    @chemnitzer: Ich habe mal recherchiert: Zwickau: 448.000 €/Jahr (Stand 11/2018), Aue: 51.129,19 Euro (Stand 2016, was neueres habe ich leider nicht gefunden).
    @freiepresse: Wäre schön, wenn hier das mal gegenprüfen könntet.

  • 22
    5
    cn3boj00
    19.12.2018

    Das eigentliche Problem ist wohl gar nicht die Höhe der Pacht, sondern die Art und Weise, wie der Siemon hier agiert. Nach allem was in den letzten Jahren so abgegangen ist gibt es keinerlei Verpflichtungen der Sadt gegenüber dem Verien, aber sehr wohl umgekehrt. Und wenn der Herr Siemon denkt, mit der Gründung einer Fußball-Firma aus allem raus zu sein, den Verein auf seinen Problemen sitzen lässt und dann noch gegenüber der Stadt mit Forderungen und Drohungen auftritt muss man ihm seine Grenzen zeigen.
    Er sollte endlich begreifen, was er ist: Bittsteller. Da macht der Ton die Musik.
    Ich glaube, dass die Stadt durchaus auch mit 400000 Euro Pacht leben könnte, und auch ein Interesse am Erhalt des Ligafußballs hat. Und die Mehrzahl der Steuerzahler wird es einmal mehr hinnehmen, dass ihr Geld quasi versenkt wurde. Aber dazu sollte dieser Mensch zu allererst versuchen, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen statt zu drohen. Nicht die Stadt ist das Problem, sondern der Siemon.

  • 11
    3
    SimpleMan
    19.12.2018

    @chemnitzer "... Laut DFB-Ligareport liegt in der Dritten Liga die Pachthöhe für die Stadionnutzung aller Vereine bei durchschnittlich 431.000 Euro jährlich - Tendenz seit Jahren fallend. ..." Ist zumindestens ein Ansatz.

  • 13
    6
    Hinterfragt
    19.12.2018

    "...ein nicht genutztes Stadion..."
    Der Bau war von Anfang an umstritten !

  • 22
    10
    1005
    19.12.2018

    Profisport ist Privatsache. Hände weg von Steuergeldern!

  • 16
    4
    Steuerzahler
    19.12.2018

    Ja, die Stadt Chemnitz und der Zauberlehrling! Die Geister die ich rief....

  • 12
    6
    mathausmike
    19.12.2018

    OB Ludwig,erst "Freund" des CFC,jetzt Feind?

  • 11
    11
    SimpleMan
    19.12.2018

    Die Forderung der Stadt für die Stadionpacht bedeutet, dass es in Chemnitz ein nicht genutztes Stadion und keinen Profifussball mehr gibt. Das halte ich für die schlechteste Lösung.

  • 24
    0
    chemnitzer
    19.12.2018

    Liebe Freie Presse,

    recherchiert doch mal bitte, was Zwickau, Aue, Erfurt, Halle und Dresden (alle mit neuen Stadien...aber in unterschiedlichen Ligen) so zahlen müssen, damit man das besser einschätzen kann.

    Erst so kann man die Forderung bewerten.

    Danke.

  • 13
    7
    Riesenberger
    19.12.2018

    @Hinterfragt:

    Im Prinzip gebe ich Dir ja recht - aber: Was der CFC welchem Schuldner zurückzahlen muss, ist ja gerade Gegenstand seines Insolvenzverfahrens. Insofern ist Dein Kommentar vermutlich doch bloße Polemik.

  • 9
    17
    franzudo2013
    19.12.2018

    Die Frau ist drollig .....
    EU- Wettbewerbsrecht, 2013 von Bürokraten ersonnen. Sind dann höhere Sponsorengelder bei anderen Vereinen auch unzulässig, weil das den Wettbewerb verzerrt ? Da ist doch eine Vergleichsmiete/ -pacht ein besserer Anhaltspunkt.

  • 16
    12
    Hinterfragt
    19.12.2018

    Der Mann ist drollig ...
    Hat der insolvente CFC nicht auch irgendwie noch die 4 Millionen Steuergelder zurückzuzahlen oder waren die etwa ein Geschenk?



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