Neues freies Schulzentrum startet mit zwei Klassen

Für die Bildungsstätte mit evangelischer Ausrichtung liegen nun alle Genehmigungen vor. Nur ein Fach wird außerhalb des Schulgeländes unterrichtet.

Limbach-Oberfrohna.

Die Klassenräume sind eingerichtet, die Lehrer treffen Vorbereitungen für den Unterricht, und alle benötigen Genehmigungen sind ausgestellt: Das neue Freie Evangelische Limbacher Schulzentrum (Fels) nimmt am kommenden Montag mit dem neuen Schuljahr seinen Betrieb in der Wasserturmschule auf. Vor wenigen Tagen hat das Landesamt für Schule und Bildung die Anträge des Schulvereins auf Errichtung und Betrieb zweier Ersatzschulen (Oberschule und Gymnasium) genehmigt. Laut einem Sprecher der Behörde gab es bei dem Verfahren keine Probleme.

Entsprechend groß ist die Freude bei den Verantwortlichen. "Das ist ein wichtiger Schritt", sagt Rico Wrzal, Vorstandsmitglied des Schulvereins. Der Inhaber einer Haustechnikfirma hat die Herrichtung des 2014 geschlossenen Schulgebäudes in den vergangenen Monaten federführend geleitet. Trockenbauwände wurden eingezogen, Holzfenster ausgebessert, Fliesen und Fußböden verlegt. Jetzt ist fast alles fertig. Nur ein zweites Treppenhaus, das aus Brandschutzgründen nötig ist, muss noch in die Höhe wachsen. Deshalb findet der Unterricht laut Wrzal zunächst im Erdgeschoss des Plattenbaus statt. Später, wenn das Gebäude auch als Interim für die sanierungsbedürftige Kita Am Hohen Hain genutzt werden soll, ziehen die älteren Schüler weiter nach oben.


Die Schule nimmt ihren Betrieb mit 35 Fünftklässlern auf. 21 davon besuchen die Oberschulklasse, 14 den Gymnasialzweig. Im Vergleich zu vielen staatlichen weiterführenden Schulen sind die Klassengrößen also gering, was die Eltern als Vorteil einschätzen dürften. "Es bedeutet zugleich, dass wir zu einem späteren Zeitpunkt weitere Interessenten aufnehmen können", sagt Markus Walter. Der stellvertretende Schulleiter wird Englisch, Geschichte und Geografie unterrichten. Das Kollegium besteht zum Start nur aus fünf Lehrern. Hinzu kommen Honorarkräfte für die Ganztagesangebote sowie eine Schulbegleiterin, die ein behindertes Kind betreut. "Weil mehrere von uns Lehrern drei Fächer unterrichten, können wir alle Fächer abdecken", erklärt Walter. Die Pädagogen hoffen, dass sie von Krankheiten verschont bleiben - Vertretungen können nicht oder nur sehr schwer abgedeckt werden. Wegen des allgemeinen Lehrermangels existiert dieses Problem freilich auch an vielen staatlichen Schulen.

Am ersten Schultag am Montag sollen die Fünftklässler laut Walter zunächst sich untereinander, die Lehrer sowie das Gebäude kennenlernen. Die Schule verfügt über Fachkabinette, die Turnhalle wurde jedoch aus Kostengründen nicht saniert. Zum Sportunterricht müssen Schüler und Lehrkräfte folglich auf eine andere Halle in Limbach-Oberfrohna ausweichen - auf welche genau, soll sich noch in dieser Woche klären. Auch zum Sportunterricht im Freien, der im Waldstadion stattfindet, müssen alle Beteiligten einen Fußweg zurücklegen. Eine sportliche Betätigung in den Pausen ist jedoch vor Ort möglich: Auf dem Schulhof, der von freiwilligen Helfern aufgeräumt wurde, befindet sich unter anderem eine Tischtennisplatte.

Ein Schulbus wird für die zunächst 35 Schüler nicht eingerichtet. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, soll am Rathaus aussteigen und von dort die restlichen etwa 700 Meter zu Fuß zurücklegen. "Wir werden am Sonntag allen den aus unserer Sicht sichersten Weg zeigen", kündigt Walter an. An jenem Tag findet um 14 Uhr zunächst ein Gottesdienst in der Stadtkirche statt, bevor auf dem Gelände der Wasserturmschule ein Fest für Schüler, Eltern, Lehrer und Unterstützer des Projektes gefeiert wird.


Kommentar: Alle Hürden überwunden

Als der Vorstand des Evangelischen Schulvereins vor knapp einem Jahr verkündete, dass die Schule im Sommer 2019 ihren Betrieb aufnehmen soll, waren viele Beobachter skeptisch: Wo sollen die Schüler unterrichtet werden, wenn der Umbau der alten Artiseda-Fabrik mehrere Jahre dauert? Kann das Genehmigungsverfahren bei der Schulbehörde rechtzeitig abgeschlossen werden? Und wie wollen die Verantwortlichen angesichts des Lehrermangels überhaupt Pädagogen auftreiben? Nun steht fest: Mit viel Einsatz, Leidenschaft und erheblichen finanziellen Mitteln haben die Vereinsmitglieder und ihre Helfer alle diese Hürden überwunden. Davor kann man nur den Hut ziehen.

Die Schullandschaft in Limbach-Oberfrohna wird durch das Fels, das auch Schüler von außerhalb anzieht, vielfältiger. Zugleich könnte es die Schulstruktur in der Stadt verändern. Denn ob sich vier Oberschulen angesichts perspektivisch sinkender Schülerzahlen halten können, ist fraglich.

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