Neun Vorschläge für den Marktbrunnen

Eine Jury hat eine Vorauswahl mit neun Entwürfen getroffen. Die Chemnitzer können nun mitdiskutieren - aber nicht entscheiden.

Er soll ein Anziehungspunkt sein und zum Verweilen einladen: der Marktbrunnen. Seit mehr als 20 Jahren wird über den Bau eines Wasserspiels auf dem Markt in Höhe der Bretgasse diskutiert. 2002 hatte es einen ersten Wettbewerb mit Entwürfen von Künstlern gegeben. Damals entschied sich die Jury für das Modell von Timm Ulrichs, das als Tassenbrunnen bekannt wurde. Das Werk war umstritten, der Stadtrat, der das letzte Wort hat, lehnte es ab.

Vor einem Jahr wurde ein neuer Wettbewerb gestartet. Exakt 114 Entwürfe wurden nach Rathausangaben eingesendet, neun davon hat eine Jury vorausgewählt. Diese neun werden in Form von Modellen im Maßstab 1:20 ab Samstag bis 28. Juni in den Kunstsammlungen ausgestellt. Am 3. Juni (18 Uhr) können Interessierte vor Ort mit den Juroren über die Entwürfe diskutieren. Welcher der neun Vorschläge am Ende umgesetzt wird, entscheidet allein die Jury - und zwar am 5. Juni. Ihr gehören an: die Kunsthistorikerin Susanne Altmann, die Professorin für Freie Kunst und Bildhauerei Else Gabriel, der Formgestalter Prof. Karl Clauss Dietel, der Landschaftsarchitekt Stefan Leiste, der Professor für Flächendesign Jörg Steinbach, der Rektor der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Matthias Flügge, und der Direktor der Kunstsammlungen Chemnitz, Frédéric Bußmann. Der Stadtrat bestimmt diesmal nicht mit. Für den Brunnen stehen 450.000 Euro zur Verfügung. Baubeginn soll 2020 sein.


Der Silberbrunnen

An den Silberbergbau im Erzgebirge soll dieser Entwurf des Künstlers Rolf Lieberknecht erinnern. Er nennt ihn "Silberbrunnen". Überquellendes Wasser soll sich als lichtdurchfluteter Wasservorhang ergießen und wirke insbesondere bei Dunkelheit wie ein schwirrender Strom aus scheinbar flüssigem Silber. Lieberknecht lehrte an der Universität Duisburg-Essen und lebt heute in Chemnitz.


Die Wolken

Feinen Nebel soll die Wolkenskulptur dieses Entwurfs von Thorsten Goldberg und Bruno Röver versprühen. Dadurch soll der Bereich um die Wolke im Sommer angenehm kühl sein, an dunklen Wintertagen sei die Wolke Skulptur und Lichtinsel, so die Künstler. Es sind zwei Trinkwasserstellen vorgesehen. Goldberg ist bildender Künstler in Berlin. Der Architekt Röver lebt in der Uckermark.


Das Buchstabenspiel

Mit den 23 Buchstaben des Slogans "Chemnitz - Stadt der Moderne" spielt Matthias Lehmann in seinem Werk "Datsch". Der Name sei an das sächsische Wort "naidatschn" angelehnt. Die Bürger seien eingeladen, in das Wasserbecken zu treten - oder auf den verstreuten Buchstaben zu sitzen. Lehmann wurde in Karl-Marx-Stadt geboren, hat Bildhauerei studiert und lebt in Meißen.


Der Regenbogen

Ein neues Wahrzeichen möchte Nina Heinzel mit ihrem noch unbenannten Werk schaffen. Das Modell zeigt einen Regenbogen, wobei offenbleibt, woraus dieser besteht. Der Regenbogen stehe für Frieden, Freiheit, Toleranz, Hoffnung, Freude, Glück und Optimismus, heißt es in der Beschreibung. Heinzel hat in Kiel freie Kunst studiert, lebt in Lüneburg und arbeitet als freie Künstlerin.


Die Kreisel

Maschinenteile oder Personen mit Hut? In seinem Entwurf "Manifold" (vielfältig) spielt Künstler Daniel Widrig mit kreiselförmigen Elementen. Die und die Besucher spiegeln sich zudem auf der Wasseroberfläche, womit die Wahrnehmung des Stadtraumes hinterfragt wird. Widrig hat in London Architektur studiert, wo er auch ein Designstudio betreibt. Er arbeitet als Künstler und Dozent.


Die Ringe

Ein Ort des Austausches über unsere Lebensweise und den Klimawandel soll der Brunnen werden, den Dagmara Genda entworfen hat. Er umfasst mehrere übereinanderliegende und verschieden große Ringe, die zu einem Loch in der Mitte führen. Die gebürtige Polin Genda hat in Kanada bildende Kunst und in London Kulturwissenschaften studiert. Sie arbeitet auch als Kunstkritikerin.


Das Haus

Wasserfontänen treten aus angedeuteten Fenstern und Türen und rieseln auf Passanten nieder: So sieht es der Entwurf "Das Brunnenhaus" von Christin Kaiser vor. In Anlehnung an Rochlitzer Porphyr, der im Stadtbild zu finden ist, wird das Haus in Rot gehalten - und damit zu allen Jahreszeiten ein Hingucker. Kaiser hat an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg studiert und lebt in Berlin.


Die Schale

Eine schwingende, reflektierende mit Wasser gefüllte Schale bildet das Zentrum des Werkes von Anna Kubelik, das den Namen "Schale" trägt. Um die Bewegung des Wassers zu erkennen, müsse man sich vom wilden Marktreiben zurückziehen, zur Ruhe kommen, heißt es in der Beschreibung. Kubelik hat 2004 in London ein Architekturstudium abgeschlossen und arbeitet als freie Künstlerin.


Das Rohr

Die Sitzbank ist gleich integriert in diesem Entwurf von Mojca Kocbek Vimos. Er schaffe eine Verbindung zwischen historischen Gebäuden am Markt und der Industriegeschichte von Chemnitz, heißt es. Durch das geschwungene Stahlrohr sollen sich Vergangenheit und Zukunft verknüpfen. Vimos ist Architektin aus Slowenien. Für sie steht das individuelle Nutzererlebnis an erster Stelle.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 2 Bewertungen
2Kommentare
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  • 1
    3
    Interessierte
    25.05.2019

    Die Jugend sitzt doch immer ´obendrauf` ...
    Also bei den Bänken auf den Lehnen , mit den Füßen auf dem Sitz
    Und bei den roten Sofas auch ganz oben , mit den Füßen auf dem Sitz
    Wie geht denn das nun hier bei den kreativen roten eleganten Rohren ????

  • 3
    5
    Kreisimaus
    24.05.2019

    Nach Tassen und Bärenbrunnen endlich mehr Kreativität für unsere moderne Stadt.



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