Notzeit für das Wild im Erzgebirge

Wegen des strengen Winters wird das Futter für die Tiere im Wald in einigen Regionen knapp. Forst und Jagdpächter haben mit dem Füttern begonnen. Doch es gibt auch Kritiker.

Zschopau/Marienberg.

Schneehöhen von mehr als 50 Zentimetern, Dauerfrost, verharschte Oberflächen - und das teilweise seit Wochen: Für das Wild in den Wäldern des Erzgebirges wird die Suche nach Nahrung schwierig. "Weil die Situation akut ist, haben wir in einigen Forstrevieren die Notzeit ausgerufen", erklärt Ingo Reinhold, Leiter des Forstbezirkes Marienberg.

Im Klartext: "Da, wo es nötig ist, wird Heu ausgebracht", erklärt Reinhold. Das sächsische Jagdgesetz verpflichtet den Jäger, "Wild in der Notzeit angemessen und artgerecht zu füttern", wie es im Paragraf 27 heißt. Die Einschätzung, ob Notzeit herrscht, obliegt dem Jäger, erklärt Norman Härtner, Vizepräsident des Landesjagdverbandes. Der Forstbezirk Marienberg hat das für sich laut Ingo Reinhold so definiert: Wenn in den Jagdgebieten, in denen Rot- und Muffelwild vorkommt, der Schnee länger als eine Woche 50 Zentimeter und höher liegt, wenn er verharscht ist und Dauerfrost um die minus zehn Grad herrscht - ist Notzeit. "Dann ist das Wild akut gefährdet", fasst Forstbezirksleiter Reinhold zusammen. Man müsse die Situation deutlich von einem normalen Winter unterscheiden. Wie er weiter erklärt, herrscht in der Notzeit im betroffenen Gebiet absolutes Jagdverbot. Das Wild müsse geschont werden, damit es bei den schwierigen Bedingungen möglichst wenig Energie verbraucht. Das Füttern der Tiere müsse in der Notzeit so lange fortgesetzt werden, bis sie wieder an natürliches Futter kämen. Reinhold nennt das Erhaltungsfütterung.

Unter Jägern ist das Thema der Wildfütterung umstritten. Einige lehnten die Fütterung mit der Begründung ab, dass sich die Natur selbst helfen müsse. Die Befürworter argumentieren, dass in den vom Menschen bestimmten Kulturwäldern und -landschaften in Extremsituationen gefüttert werden müsse, um die Verbiss- und Schälschäden an jungen Bäumen zu minimieren. "Generell sind die örtlichen Gegebenheiten zu beachten", so der Vertreter des Landesjagdverbandes. Wenn das Wild wegen der Schneelage selbst keine Nahrung mehr finde, könnten die Jäger helfen. Dann sei aber regelmäßiges Füttern nötig.

Das ist derzeit mitunter schwierig zu bewerkstelligen. "Ich habe bei Dittmannsdorf Revierbereiche gesehen, an die man wegen der verschneiten Wege mit dem Auto nicht mehr herankommt", sagt Matthias Wieland. Dass viele Jäger das Wild jetzt füttern, findet der Vorsitzende des Jagdverbandes Zschopau grundsätzlich gut. Jedem Jäger obliege es aber selbst, Fütterungen vorzunehmen. Wichtig findet der Jagdverbandschef, dass Spaziergänger auf den Waldwegen bleiben und die Tiere möglichst nicht stören. (mit mik)

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