Oberschulen wollen Kinder fit fürs Digitalzeitalter machen

Ein neues Vertiefungsprofil soll Schüler fördern, die sich für Computer und neue Technologien begeistern. Erprobt wird es an zwölf sächsischen Schulen. Mit dabei: die Oberschulen in Mittweida und Claußnitz.

Mittweida/Claußnitz.

Zwei mittelsächsische Oberschulen und ein ambitioniertes Projekt: Zu Beginn des nächsten Schuljahres wollen die Johann-Gottlieb-Fichte-Oberschule in Mittweida und die Oberschule Claußnitz erstmals ein Vertiefungsprofil einführen. M.I.T. heißt es - Medienbildung, Informatik und Technologien. "Es gibt heute kaum noch einen Beruf, in dem digitale Technologien keine Anwendung finden", sagt Birgit Möbius-Krämer, Leiterin der Oberschule Claußnitz.

An den M.I.T.-Schulen soll daher ein Teil der Schüler eine vertiefende Ausbildung in diesen Bereichen erhalten. Ein Konzept dafür entwickelt hat Sven Hofmann von der Universität Leipzig. Im Frühjahr gab das Kultusministerium grünes Licht für eine Pilotphase, in der die Vertiefung an bis zu zwölf Schulen erprobt wird.

Los geht es an den beiden mittelsächsischen Oberschulen mit den kommenden fünften Klassen. Eine Stunde Computerunterricht pro Woche erhalten Fünftklässler bisher. "Wir wollen noch mindestens eine Stunde dazusetzen", sagt Matthias Möbius, Leiter der Fichte-Schule. Dabei kommt beiden Oberschulen zugute, dass sie ein Unterrichtsmodell praktizieren, bei dem in 85-minütigen Blöcken statt in Einzelstunden à 45 Minuten unterrichtet wird. So springen bei gleichem Zeitaufwand mehr Wochenstunden heraus, die beispielsweise zum Methodentraining oder zur Vertiefung genutzt werden. "Eine der gewonnenen Stunden wollen wir in der fünften und sechsten Klasse für die vertiefte Ausbildung in der Informatik nutzen", erklärt Möbius.

Zu Beginn der siebten Klasse werden die Schüler dann neu verteilt: Kinder, die in den M.I.T.-Bereichen besonders leistungsstark sind, bilden eine Klasse, die weiterhin vertieften Unterricht in diesen Feldern erhält. Neben einer zusätzlichen Unterrichtsstunde pro Woche sollen die Schüler dieser Klasse auch Praktika im Informatik- und Digitalbereich absolvieren; alle anderen Schüler lernen nach regulärem Oberschullehrplan.

Das neue Profil bedeute weder, dass bei anderen Fächern Stunden gekürzt werden, noch dass Schüler oder Lehrer stärker belastet werden, betont Informatikprofessor Sven Hofmann. Denn ein großer Teil der zusätzlichen Inhalte solle in Ganztagsangeboten vermittelt werden. "Dort können Themen behandelt werden, die im Informatiklehrplan keine Rolle spielen, zum Beispiel Robotik, Mediengestaltung oder Softwarekonzeption."

Bis es an den beiden Schulen losgeht, ist aber noch einiges zu tun. Elementar ist für Birgit Möbius-Krämer dabei der Anschluss der Oberschule Claußnitz ans schnelle Internet. "Ich hoffe, dass das im nächsten Jahr passiert", sagt sie. Die Gemeinde habe ihre Unterstützung bei der Einführung des neuen Profils zugesagt. Aus dem bundesweiten Digitalpakt fließen laut Möbius-Krämer rund 120.000 Euro an ihre Schule.

Auch an der Fichte-Schule soll das Internet schneller werden. Derzeit bestehe dort nur eine Bandbreite von 16 Mbit pro Sekunde, so der Erste Beigeordnete des Mittweidaer Oberbürgermeisters, Holger Müller. Wann der geplante Glasfaseranschluss für die Einrichtung kommt, sei unklar. Bis es soweit ist, soll ein VDSL-Anschluss über die Telefonleitung der Schule Netzgeschwindigkeiten bis zu 100 Mbit pro Sekunde ermöglichen. Mindestens 600 Euro mehr pro Jahr werde die Stadt dafür zunächst in die Hand nehmen. Aus dem Digitalpakt erhält die Fichte-Schule rund 235.000 Euro, die laut Müller insbesondere in die digitale Infrastruktur - etwa neue Server - investiert werden. "Das Geld aus dem Digitalpakt wird nicht ansatzweise ausreichen, sodass wir zusätzlich weitere 50.000 Euro für die IT-Ausstattung in den Haushaltsplan aufgenommen haben", führt er aus. Die Staatsregierung plant indes nicht, zusätzlich Geld in die M.I.T.-Pilotschulen fließen zu lassen, heißt es aus dem Kultusministerium.

Neben der technischen Ausstattung tragen zur erfolgreichen Umsetzung des neuen Profils aber auch die Lehrer bei. Sie können zur Fortbildung beispielsweise Sven Hofmanns Vorlesungen für Lehramtsstudenten in Leipzig besuchen und dort auch speziell auf sie zugeschnittene Übungskurse belegen, so der Professor. Demnächst solle es außerdem Online-Kurse geben. "Ich habe den Schulen auch angeboten, zu ihnen zu kommen und Fortbildungen zu machen", so Hofmann. Und auch seine Studenten sollen eingebunden werden, etwa indem sie Ganztagsangebote gestalten.

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