Obwohl es gut läuft: "Grüne Helene" schließt zum Jahresende

Nach dreieinhalb Jahren möchte die Inhaberin das Lokal aufgeben. Sie führt es nur noch bis zum 31.Dezember. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Kaßberg.

Ein halbes Jahr habe sie sich den Schritt überlegt, schreibt Anja Mädler im sozialen Netzwerk Facebook. Sie habe sich entschieden, ihr Lokal "Grüne Helene" zum 31.Dezember "in vertrauensvolle Hände" weiterzugeben.

Seit 2014 gibt es die "Helene" an der Henriettenstraße. Das Café und Bistro ist gemütlich eingerichtet, die Wände sind teilweise mit grünen Tapeten dekoriert, im Sommer kann man draußen sitzen. Das Konzept: Es kommt kein Fleisch auf den Tisch. Gekocht wird vegetarisch und vegan. Täglich stehen zwei Mittagsgerichte zur Wahl, außerdem gibt es Kuchen und Kaffee. Mädler lege Wert darauf, dass alle Produkte regional und saisonal sind.

Mädlers Post auf Facebook erhielt Kommentare, traurige Smileys und wurde vielfach geteilt. "Nein! Es ist doch immer so schön bei euch", schreibt eine Kundin, "Warum das denn, niemand kocht Linsen so gut wie du" eine andere und "Oh wie schade" kommentiert ein Kunde. Zu wenige Gäste sind offenbar nicht der Grund für den Rückzug der Inhaberin. "Die Zahlen stimmen", sagt sie. Doch wer die Küche der "Helene" betritt, versteht schnell, wo die Probleme liegen. Das Lokal sei eher als Café konzipiert, wo drei Kuchen und eine Suppe am Tag hergestellt werden. "Es war nicht zu ahnen, dass es so gut läuft", sagt Mädler. Auf vielleicht 15 Quadratmetern zaubert sie nun Hauptgerichte, Kuchen und lagert ihre Vorräte. Manchmal stünden drei Personen in der Küche, das sei einfach zu eng. Die Küche müsse zudem modernisiert werden. Ein anderer Fußbodenbelag, Fliesen und eine neue Abluft müssten beispielsweise her, erklärt sie. "Man müsste ausbauen, und das will ich nicht", sagt die gelernte Köchin. Sie betont, dass der Umbau, der auch von den Behörden gefordert wird, möglich sei. Ihr sei es aber zu viel. Ein Ausbau bedeute schließlich auch eine Investition. "Dann müsste ich am Essen sparen oder wir müssten teurer werden."

Weiterhin werde sie unter dem Namen "Grüne Helene" das Catering anbieten. Für das Lokal sucht sie nun einen Käufer. "Es gibt auch schon zwei, drei Interessenten", verrät sie. Dann habe sie Zeit, "mal wieder was Neues zu lernen", denn das gehöre zu ihrem Job einfach dazu.

Anja Mädler ist aber auch anzumerken, dass sie es leid ist, sich mit Behörden herumzuärgern. Der Gastronomie werde das Leben schwer gemacht, sagt sie und: "Ich fühle mich von den Behörden gegängelt". Als eines von vielen Beispielen nennt sie das Finanzamt, das auf einen Schlag eine große Rückzahlung forderte. Es sei aber normal, dass in einem Betrieb wie ihrem so eine Summe nicht flüssig "herumliege", da sie zum Beispiel Caterings vorfinanzieren muss. Eine Stundung sei aber nicht möglich gewesen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 9 Bewertungen
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 9
    3
    ChWtr
    17.10.2019

    Das ist schade, Anja Mädler.

    Das Behörden überhaupt (!) kein unternehmerisches Handeln fördern bzw. so wenig Verständnis aufbringen ist typisch. Kenne ich selbst aus Erfahrung. Und die IHK spielt denen auch noch oft in die Arme. Jammerschade.

    Alles Gute mit dem Grüne Helene Catering.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...