Organist sammelt Spenden für Notre-Dame in Paris

Der Brand in der Kathedrale hat weltweit für Bestürzung gesorgt. Ein Kantor will Solidarität zeigen. Er saß schon an der Orgel des Touristenmagneten.

Eine Kathedrale steht in Flammen, und die halbe Welt schaut live im Fernsehen zu. So geschah es am Montag vor Ostern, als in der Kathedrale Notre-Dame de Paris ein Feuer ausgebrochen war. Das Gotteshaus wurde stark beschädigt. Das Dach ist fast vollständig zerstört, der Vierungsturm stürzte ein. Der Großteil der Kunstschätze und Reliquien, wie die Dornenkrone Jesu, konnte aber gerettet werden.

Die Nachricht vom Feuer habe ihn sehr traurig gemacht, sagt Yohan Chung, Kantor der St.-Andreas-Kirche in Gablenz. Er habe sich spontan überlegt, ein Konzert mit einer Spendensammlung zu veranstalten. Dafür wählte er sechs französische Komponisten des 17. bis 20.Jahrhunderts aus, von François Couperin (1668 bis 1733) bis Maurice Duruflé (1902 bis 1986) sowie den deutschen Komponisten Bach und den in Liechtenstein geborenen Josef Gabriel Rheinberger. Das Konzert findet heute um 19 Uhr statt. Der Eintritt, den das Konzert kostet, deckt die Unkosten. Am Ausgang wird für Notre-Dame gesammelt.


Die Kathedrale sei für Kirchenmusiker ein wichtiger Ort, sagt Chung. Ihre Hauptorgel gilt als eine der komplexesten der Welt. Sie hat den Brand unbeschadet überstanden. "Sie ist der Traum aller Organisten", so Chung. Und ja, "natürlich" sei er schon dort gewesen. Im Rahmen einer Führung habe er kurz auf dem Instrument spielen dürfen.

Der Chemnitzer Kirchenmusiker Sebastian Schilling sagt, viele Kollegen habe das Feuer sehr bewegt. In Deutschland blicke man immer mit Bewunderung auf die Kirchenmusik-Tradition in Frankreich, die im 17. und 18. Jahrhundert den Rest von Europa beeinflusst habe. Auch Bach sei maßgeblich durch französische Orgelmusik geprägt. Was an dem Abend gesammelt werde, könne Notre-Dame nicht retten, aber es gehe um das Symbol der Solidarität, sagt er. Fast eine Milliarde Euro sollen bereits an Spenden eingegangen sein, vor allem in Frankreich überbieten sich die Superreichen mit ihrem Engagement. Die Kritik daran nerve ihn, sagt Schilling: "Wir wissen doch gar nicht, wofür die sonst noch spenden." Außerdem sei es nun einmal die Freiheit des Einzelnen zu entscheiden, wofür er Geld ausgibt. So sei es auch beim heutigen Konzert. Wer nicht spenden möchte, sei trotzdem willkommen.

"Hommage à Notre Dame de Paris" findet am heutigen Donnerstag um 19 Uhr in der St.-Andreas-Kirche statt. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 5 Euro.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    2
    cn3boj00
    07.06.2019

    So furchtbar wie das war, aber der Wiederaufbau von Notre Dame wird genug Geldgeber finden. Ich spende lieber für Aktionen gegen menschliches Leid und für die Bewahrung unsere Natur.



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