Orkanböen halten Einsatzkräfte in Atem

Insgesamt 170-mal musste allein die Feuerwehr in Chemnitz seit Sonntagabend eingreifen. Gleich nach der Beseitigung von Gefahren ging es mit Aufräumen weiter.

Die Schäden sind noch nicht zu überblicken. An vielen Stellen von Chemnitz hat Sturm "Eberhard", der am Sonntagabend nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes teilweise in Orkanstärke von bis zu 125 Kilometern pro Stunde über die Stadt hinwegfegte, Bäume entwurzelt, Äste abgebrochen, Dächer abgedeckt und Schilder umgeworfen. Die Feuerwehr meldete bis Montagnachmittag insgesamt 170 Einsätze. Die Telefonzentrale der Rettungsleitstelle war zeitweise überlastet, berichtete ein Sprecher. Auch bei der Polizeidirektion seien zahlreiche Notrufe wegen Sturmschäden eingegangen, hieß es von dort.

Besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde das Seniorenzentrum Altes Rathaus an der Gaußstraße in Siegmar. Dort hatte der Sturm am Sonntag kurz vor 22 Uhr die gesamte Bedeckung vom Flachdach des Neubaus heruntergerissen. Dachpappe-Bahnen mit angeklebten Styropor-Dämmplatten wurden in die Luft geschleudert und blieben am Spitzdach und dem kleinen Turm des alten Siegmarer Rathauses hängen, die dadurch ebenfalls beschädigt wurden. Andere Teile flogen auf die Straße und bis in den gegenüberliegenden Frei-Otto-Park, verfingen sich in Bäumen oder landeten im Kappelbach.

Von den anwesenden insgesamt rund 180 Bewohnern und Mitarbeitern des Seniorenzentrums kam nach Angaben der Betreibergesellschaft Azurit niemand zu Schaden. Evakuierungen waren nicht erforderlich, sagte Hausleiter Stephan Gewalt. Besorgte Bewohner seien durch das Personal beruhigt worden, der Betrieb sei in vollem Umfang gewährleistet. An der Reparatur der Schäden werde mit Hochdruck gearbeitet, so der Hausleiter.

Kurz nach 22 Uhr waren am Sonntag die ersten Kräfte der Berufsfeuerwehr am Einsatzort, berichtete Wehrleiter Reinhard Klobe von der Freiwilligen Feuerwehr Siegmar. Deren Mitglieder waren in dieser Nacht bis nach 2 Uhr vor allem mit dem Zerlegen umgestürzter Bäume beschäftigt, so an der Nevoigtstraße, Michaelstraße und Leipziger Straße. An der Gaußstraße konnten die Feuerwehrleute wegen der Dunkelheit zunächst lediglich Sicherungsmaßnahmen vornehmen, erklärte Klobe. Selbst das Absperren der Straße mit mobilen Zaunelementen sei bei dem Sturm nicht einfach gewesen.

Bereits am frühen Montagvormittag gegen 8.30 Uhr waren die Feuerwehrleute, von denen einige erst gegen 3 Uhr nachts ins Bett gekommen waren, erneut an der Gaußstraße im Einsatz. Sechs Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Siegmar und zwei Berufsfeuerwehrleute zerteilten vom Korb einer Drehleiter aus die angewehte Dachpappe auf dem Dach des alten Rathauses mit einer Kettensäge und Äxten. Gemeinsam mit Mitarbeitern einer Dachdeckerfirma sammelten sie die Überreste der Dachbedeckung für den Abtransport in zwei großen Containern zusammen. Am Nachmittag wollten die Dachdecker mit dem Aufbau eines Gerüsts zur Notsicherung des rund 900 Quadratmeter großen Flachdachs beginnen, um dieses schnellstens abzudichten.

Auch in anderen Stadtteilen hatten Feuerwehrleute und weitere Einsatzkräfte viel zu tun. In Glösa wurde die neue Kindertagesstätte am Schulberg vorsichtshalber geschlossen, weil ein Baum auf das Gebäude gestürzt war. An der Hainstraße hatten sich Teile vom Dach eines Gebäudes gelöst und mussten mithilfe einer Drehleiter abgetragen werden. Dabei kam es zu Verkehrsbehinderungen. Ebenfalls auf dem Sonnenberg, an der Heinrich-Schütz-Straße/Ecke Bayreuther Straße, war ein Baum auf die Straße gestürzt und musste zerlegt werden.

Mehrere Einsätze gab es auch in Mittelbach. Zwischen dem Stadtteil und Wüstenbrand war eine große Fichte auf den Landgraben (S 246) gestürzt und ein Auto in den Baum gefahren. Gegen 20 Uhr wurden die Feuerwehren von Mittelbach und Oberlungwitz alarmiert und rückten mit mehreren Fahrzeugen an. Die 59-jährige Fahrerin des Autos wurde vor Ort in einem Rettungswagen behandelt. Sie erlitt laut Polizei leichte Verletzungen. Ebenfalls in Mittelbach stürzte ein Baum in eine Strom-Freileitung; die Kabel wurden dabei zerrissen. Weil Schäden gesichtet werden müssten, ordnete die Stadtverwaltung für Montag und Dienstag die Schließung des Wildgatters Oberrabenstein an.

In Limbach-Oberfrohna musste die Freiwillige Feuerwehr am Sonntag nach Angaben der Stadtverwaltung zu 20 Einsätzen ausrücken. In der Zeit von 21 Uhr bis Mitternacht waren Mitglieder der Ortsfeuerwehren im gesamten Stadtgebiet vor allem wegen umgestürzter Bäume unterwegs. Wegen der Bruchgefahr von Bäumen infolge des Sturms rät die Stadtverwaltung, Parks und Wälder vorerst zu meiden. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs würden Sichtkontrollen durchführen, um eventuelle Gefahrenstellen zu erkennen und zu beseitigen. Das könne einige Tage in Anspruch nehmen, hieß es. (mit reu/fp)


400 Haushalte ohne Strom

Infolge des Orkantiefs kam es in mehreren Stadtteilen zu Stromausfällen, weil Bäume in Freileitungen gefallen waren. Betroffen waren laut Energieversorger Eins seit Sonntagabend insgesamt rund 400 Haushalte in Glösa, Adelsberg, Reichenhain, Schönau und Rabenstein. "Wir haben über Nacht unseren Bereitschaftsdienst verstärkt und arbeiten mit allen Kräften an der Wiederversorgung", sagte ein Unternehmenssprecher. Wegen umgestürzter Bäume habe vielerorts zunächst die Feuerwehr die Wege freiräumen müssen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit am Montagabend war laut Eins die Versorgung von 230 betroffenen Kunden wieder hergestellt. Die übrigen sollen im Laufe des Dienstags folgen. Auskünfte erteilt der Netzbetreiber I-Netz unter Telefon 0800 111148910. (micm)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    5
    Täglichleser
    12.03.2019

    Es gibt keinen Klimawandel. Es gibt keinen
    Klimawandel. Es gibt kein Extremwetter. Es
    gibt kein Extremwetter. Wir bilden uns die
    sich häufenden Stürme nur ein. Das alles gab es schon immer. Liegt Millionen Jahre
    zurück. War damals nicht menschengemacht. Gab ja noch keine.
    Jetzt haben wir deshalb Moore, Kohle, Erdöl und Erdgas. Denken wir an die nach uns kommen. Ironie

  • 9
    0
    j35r99
    12.03.2019

    Recht herzlichen Dank an alle Feuerwehrleute.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...