Ortsdurchfahrt Niederfrohna: Kreis schiebt Ausbau hinaus

Anwohner müssen sich noch jahrelang mit Kopfsteinpflaster arrangieren. Dabei hat der Belag schon jetzt Folgen für sein Auto, sagt ein Betroffener.

Teils makelloser Asphalt, teils Kopfsteinpflaster: Das Aussehen der Niederfrohnaer Ortsdurchfahrt fällt je nach Abschnitt sehr unterschiedlich aus. Und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben, weil der Landkreis Zwickau keine Pläne für einen weiteren Ausbau hat.
Ortsdurchfahrt Niederfrohna: Kreis schiebt Ausbau hinaus

Für Sie berichtet: Johannes Pöhlandt

Das Lenkgetriebe von Dieter Endischs Auto ist defekt. Und auch die Stoßdämpfer haben schon bessere Zeiten erlebt. Wie es dazu gekommen ist, weiß der Niederfrohnaer genau. "Die Autos hier gehen wegen der Straße kaputt", sagt der Rentner. Mit "der Straße" meint er die Ortsdurchfahrt, die auf Höhe von Endischs Haus ein unorthodoxes Aussehen hat: In der Mitte befindet sich noch Kopfsteinpflaster, rechts und links davon Asphalt. "Aber auch der ist ganz huckelig. Die Straße wurde mehrmals aufgegraben und wieder zugemacht", berichtet der Anwohner. Gehwege gibt es auf jenem Abschnitt im Unterdorf nicht - Fußgänger, egal ob Erwachsener oder Kind, müssen die Fahrbahn nutzen.

Was die Straßenverhältnisse betrifft, ist Niederfrohna eine geteilte Gemeinde. Im Oberdorf wurde die Ortsdurchfahrt in den vergangenen Jahren abschnittsweise ausgebaut. Im Unterdorf trifft dies aber nur auf wenige Teilstücke zu. Dort dominieren Schlaglöcher und Flickenteppiche aus Asphalt das Bild. "In der Nachbarschaft wird oft über die Straße geredet", erzählt Endisch. "Hier wollen alle, dass sie ausgebaut wird." Er hoffe, dass es bald losgeht, sagt der 73-Jährige.

In der Tat können einige Anwohner auf Besserung hoffen - nämlich jene, die im nördlichsten Teil Niederfrohnas zu Hause sind. Die Gemeinde plant, den Abschnitt zwischen dem Haus Untere Dorfstraße 97 und dem Ortsausgang in Richtung Tauscha ab 2019 auszubauen. Laut Bürgermeister Klaus Kertzscher wurde die Anzahl der geplanten Etappen inzwischen verringert. Jetzt sind nur noch zwei Teilstücke vorgesehen - die Buswendeschleife bildet die Grenze. Aber auch in diesem Jahr will die Gemeinde nicht untätig bleiben. Auf der gesamten Länge zwischen Hausnummer 97 und Ortsausgang soll die oberste Fahrbahnschicht abgefräst und erneuert werden. So könne man schon vor dem geplanten grundhaften Ausbau die schlimmsten Schäden beheben, erklärt Kertzscher.

Der Bürgermeister sieht aber auch den Landkreis Zwickau am Zug. Denn bei der Ortsdurchfahrt handelt es sich größtenteils um eine Kreisstraße. Nur der nördlichste Abschnitt von der Wetzelmühle bis zum Ortsausgang in Richtung Tauscha wurde nach dem Bau der Ortsumgehung zu einer Gemeindestraße herabgestuft. Um den Kopfsteinpflaster-Abschnitt vor dem Haus von Dieter Endisch müsste sich also der Landkreis kümmern. Kertzscher macht auch mit Blick auf die Auffahrt zur Ortsumgehung an der Wetzelmühle dringenden Handlungsbedarf aus: "Die Straße dort ist kaum noch befahrbar", stellt er fest. Auf jenem Abschnitt befinden sich ungewöhnlich hohe Bodenwellen.

Der Landkreis enttäuscht jedoch die Hoffnungen, dass er die Sanierung der Ortsdurchfahrt demnächst fortsetzt. Es gebe dafür "aktuell keine konkrete Planung", teilt Landkreis-Sprecherin Ilona Schilk auf Anfrage mit. "Es ist davon auszugehen, dass es auch in den kommenden fünf Jahren zu keinem Ausbau des Abschnittes kommen wird." Dabei bestreitet Schilk nicht, dass sich die Straße in einem schlechten Zustand befindet. Allerdings gebe es auf etwa 25 anderen Kreisstraßen auf einer Länge von mehr als 25 Kilometern ähnliche Probleme. "Es hat sich im Straßenbau ein Investitionsstau aufgebaut, der aufgrund nicht ausreichender finanzieller, sachlicher und personeller Kapazitäten nur schrittweise abgebaut werden kann", räumt Schilk ein. "Bestimmte Straßenabschnitte werden folglich noch länger Flickenteppiche sein, bis ein grundhafter und somit kostenintensiver Ausbau machbar ist."

Dieter Endisch und die anderen Anwohner werden sich also auch künftig darauf einstellen müssen, dass ihre Autos einem hohen Verschleiß unterliegen.

Kommentar: Offenbarungseid

Diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: "Es hat sich im Straßenbau ein Investitionsstau aufgebaut, der aufgrund nicht ausreichender finanzieller, sachlicher und personeller Kapazitäten nur schrittweise abgebaut werden kann." Es ist zu begrüßen, dass der Landkreis Zwickau das Problem nicht beschönigt und deutliche Worte findet. Zugleich leistet er damit den Offenbarungseid: Das Amt für Straßenbau ist offenbar nicht in der Lage, seine Infrastruktur auch nur halbwegs in Schuss zu halten.

Einmal mehr zeigt sich, dass die Kreisreform von 2008 ein Fehler war. Wie soll eine Behörde auch in der Lage sein, jede Kreisstraße auf einer Fläche von fast 1000 Quadratkilometern, die von Werdau bis nach Niederfrohna reicht, ins Visier zu nehmen? Konsequent wäre es, wenn der Freistaat die Kreisreform rückgängig machen würde.

1Kommentare
👍4👎1 cn3boj00 11.09.2018 Herr Pöhlandt, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Die Kreisgebietsreform war ein Akt gegen die Interessen der Bürger. Es nervt mich fast täglich, dass ich - obwohl 500m von Chemnitzer Flurgrenze wohnend - per Dekret meinen Verwaltungsmittelpunkt im fernen Zwickau haben soll, obwohl sich das Leben vorrangig in Chemnitz abspielt.
Die Folgen sieht man jetzt, wenn der Kreis nicht in der Lage ist, seine Aufgaben zu erfüllen.
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