Ortsvorsteher-Wahl: Neuling gewinnt gegen Amtsinhaber

Ein Vertreter der Freien Wähler beendet nach 18 Jahren die CDU-Führung in Pleißa. Den längsten Applaus des Abends erhielt aber nicht der neue Ortschef.

Pleißa.

Es war Michael Nessmann vorbehalten, während der Sitzung des Ortschaftsrates seine eigene Niederlage zu verkünden. "Damit ist Holger Schmeißer zum Ortsvorsteher gewählt", stellte der Pleißaer nach der Verkündung des Wahlergebnisses am Mittwochabend fest. Nessmann, der der CDU angehört, erhielt bei der geheimen Wahl durch die Räte drei Stimmen, sein Kontrahent Schmeißer von den Freien Wählern vier. Das Ergebnis entsprach damit exakt dem Kräfteverhältnis in dem Gremium: Die Freien Wähler stellen seit der Wahl Ende Mai vier Ortschaftsräte, die bislang dominierende CDU nur noch drei.

Zuvor hatten beide Kandidaten die Gelegenheit genutzt, sich kurz vorzustellen. In einer emotionalen Rede blickte Nessmann auf seine kommunalpolitische Laufbahn zurück, die ihn nach der Wiedervereinigung zunächst in den Pleißaer Gemeinderat führte. Nach der Eingemeindung nach Limbach-Oberfrohna gründete der heute 60-Jährige den Heimatverein und war seit 2001 Ortsvorsteher. "Wir übergeben eine lebendige Ortschaft", sagte der Mitarbeiter des städtischen Bauhofes, bevor er mit pathetischen Worten schloss: "Mein Herz ist Pleißa. Meine Familie ist Pleißa."


Schmeißer sprach kürzer und leiser als Nessmann. Er wohne seit 40Jahren in Pleißa und sei dort schon zur Schule gegangen, sagte der verheiratete Vater von zwei Söhnen. Er verwies auf sein ehrenamtliches Engagement beim Schwimmsport- und Tauchsportverein Limbach-Oberfrohna, den der 43-jährige Grundschullehrer seit zwei Jahren als Präsident anführt. Deshalb lägen ihm auch die Pleißaer Vereine am Herzen, sagte Schmeißer. Der Neuling im Ortschaftsrat räumte zugleich ein, bislang keine politische Erfahrung zu besitzen.

Nach der Verkündung des Wahlergebnisses spendeten die etwa 30Anwesenden freundlichen Applaus für Schmeißer. Den längeren und lauteren Beifall erhielt jedoch Nessmann. Der abgewählte Ortschef gratulierte seinem Nachfolger. Schmeißer kündigte an, Nessmanns Rat einzuholen, wann immer dies angebracht sei. Der CDU-Vertreter wiederum versicherte, sich weiter für Pleißa einsetzen zu wollen. Nessmann: "Es geht nur um den Ort." Schmeißer: "Darüber können wir uns alle freuen."

Den restlichen Teil der Sitzung leiteten der alte und der neue Ortsvorsteher gemeinsam. Als die Wahl des stellvertretenden Ortsvorstehers anstand, schlug Schmeißer Nessmann vor. Dieser lehnte jedoch ab. Zum ersten Stellvertreter wählten die Ortschaftsräte daraufhin Marco Löbel (CDU). Als zweiter Stellvertreter fungiert künftig Yves Tetzner (Freie Wähler).

Holger Schmeißer sagte am Donnerstag auf Anfrage der "Freien Presse", Nessmanns Leistungen seien "toll" gewesen. "Aber weil wir als Freie Wähler jetzt die Mehrheit im Ortschaftsrat haben, wollten wir auch die Chance nutzen, den Ortsvorsteher zu stellen. Beim Sport verschenkt der Gewinner die Goldmedaille doch auch nicht an den Zweiten." Als seine Ziele nannte Schmeißer, im Sinne der Schulkinder Lücken im Fußwegenetz zu schließen und zugezogene Bürger in die Dorfgemeinschaft integrieren zu wollen. Zudem werde er sich dafür einsetzen, die Skihütte mit Sportveranstaltungen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken.


Die neuen Ortschaftsräte

Bei der Wahl des neuen Pleißaer Ortschaftsrates am 26. Mai entfielen 46,9 Prozent der Stimmen auf die Freien Wähler und 35,3 Prozent auf die CDU. Die Linke (10,6) und die SPD (7,3) verfehlten den Einzug.

Das Gremium setzt sich wie folgt zusammen: Freie Wähler (vier Sitze): Holger Eichhorn (416 Stimmen), Holger Schmeißer (335), Virginia Rudert (286), Yves Tetzner (241). CDU (drei Sitze): Michael Nessmann (620), Benjamin Nessmann (287), Marco Löbel (140).

Marco Löbel rückt für Torsten Sroka nach, der berufsbedingt auf das Amt verzichtet. (jop)


Kommentar: Parteipolitische Interessen

wenn die Pleißaer den Ortsvorsteher direkt wählen dürften, hätten auch sie sich für Holger Schmeißer entschieden? Das darf zumindest bezweifelt werden. Michael Nessmann gewann bei der Ortschaftsratswahl mehr Stimmen als Schmeißer. Am Mittwochabend hielt er die bessere Rede und bekam mehr Applaus.

Auch wenn die Affäre um den Hochwasserschutz an seinem Wohnhaus Nessmann Sympathien gekostet haben dürfte - Schmeißer tritt in große Fußstapfen. Er muss sich in den nächsten Jahren beweisen. Dass die beiden Kontrahenten unmittelbar nach der Wahl ankündigten, sich gegenseitig unterstützen zu wollen, ist ein positives Zeichen. Bleibt zu hoffen, dass die parteipolitischen Interessen, wie sie am Mittwoch zutage traten, künftig im Ortschaftsrat keine Rolle spielen.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    1
    cn3boj00
    16.08.2019

    Nun hoffen wir dass Herr Schmeißer die Sache auch so gut macht. Dass inzwischen Parteiinteressen schon im Ortschaftsrat ausgefochten werden stimmt eher nicht optimistisch.
    Immrhin hatten die FW im Wahlkampf einen stationären Blitzer Zum Kapellenberg in Aussicht gestellt, da bin ich mal gespannt. Denn nach der sehr erfolgreichen Blitzeraktion im Wahlkampf ist inzwischen wieder "Normalität" eingekehrt, die Raser sind wieder in der Überzahl, zumindest bei Dunkelheit.



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