Patienten kümmern sich um kranke Fahrräder

In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt es eine neue Werkstatt. Reparaturen stehen dort aber nicht im Vordergrund.

Klinik-Schulleiter Andreas Seifert, Naima (13), Jennifer (16) und der ehemalige Nationalmannschafts-Mechaniker Alfons Kindermann (von links) in der "Radklinik" am Rahmen eines Rades von Uwe Ampler.

Für Sie berichtet: Michael Brandenburg

An der Tür steht "Radklinik". Dabei beherbergt das Haus 3 auf dem Krankenhaus-Gelände an der Dresdner Straße eigentlich die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums. In deren Akut- und Krisen-, Kinder- und Jugend-Therapie-Stationen werden ständig insgesamt 30 Patienten im Alter von etwa fünf bis zu 21 Jahren aus Chemnitz, dem Landkreis Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis oft über mehrere Monate stationär sowie weitere in einer Tagesklinik oder ambulant betreut.

"Wir haben Wartelisten", berichtet Oberärztin Claudia Oppermann. Denn die Anzahl der Kinder und Jugendlichen mit Entwicklungs-, Verhaltens-, Schlaf- und Essstörungen, Psychosen, depressiven Verstimmungen und ähnlichen seelischen Erkrankungen sei hoch. Bei ihrer Behandlung spiele entwicklungsfördernde Erlebnisorientierung eine große Rolle, erklärt die Oberärztin. Neben Ergo-, Musik-, Kunst-, Sport- und Bewegungstherapien beispielsweise mit Trampolinspringen und Bogenschießen unternehmen die jungen Patienten regelmäßig Ausflüge auf einen Lama-Hof und zum Paddeln.

Ab sofort kommt eine Möglichkeit für sie hinzu, soziale, persönliche und technische Kompetenzen zu entwickeln: In einer kleinen Werkstatt, die in zwei Kellerräumen des Krankenhaus-Gebäudes eingerichtet wurde, sollen hauptsächlich jugendliche Patienten der Akut- und Krisenstation Fahrräder warten und reparieren. "Wir wollen ihnen zeigen, wie man ein Fahrrad richtig putzt oder einen Schlauch wechselt, und die Grundlagen des Schraubens vermitteln", sagt Tilo Schellenberger vom Förderverein der Klinik. Er wird die Jugendlichen mit Pfleger Adam Michel und Andreas Seifert, Leiter der Schule, an der sie während ihres Klinikaufenthaltes unterrichtet werden, fachlich anleiten. Später könnten in der Werkstatt auch Räder für Privatkunden repariert oder neu aufgebaut werden - gegen Übernahme der Materialkosten und eine Spende, so Schellenberger.

Unterstützung zugesagt hat auch der 78-jährige Alfons Kindermann, 45 Jahre lang Mechaniker der DDR- und BRD-Nationalmannschaften im Straßenradsport. Er hat für die "Radklinik" den Rahmen einer Zeitfahr-Maschine von Amateurweltmeister Uwe Ampler beigesteuert. Weitere reparaturbedürftige Räder spendeten Chemnitzer Händler.

Für die Erstausstattung der Werkstatt stellte der Rotary-Club Chemnitz-Schloßberg 3000 Euro bereit, die ihm eine Frau in ihrem Testament für solche Zwecke überlassen hatte. "Wir werden die ,Radklinik' auch weiter unterstützen", kündigte Prof. Erhard Leidich, Vorsitzender des Hilfswerkes des Clubs, an.

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