Personalmangel bei der CVAG - Bus- und Bahnfahrten fallen aus

Trotz Neueinstellungen und der Ausbildung von Quereinsteigern kämpft der Nahverkehrsbetrieb mit Engpässen. Fahrgäste zeigen sich genervt.

Wer sich als Nutzer von Bus und Bahn per WhatsApp, Facebook oder Twitter auf dem Laufenden halten lässt, erfährt es aus erster Hand: Auf welchen Linien der CVAG kommt es mal wieder "betriebsbedingt" zu Fahrtausfällen? In den vergangenen Wochen gingen an manchen Tagen gleich mehrere solche Meldungen auf dem Handy ein. Auch auf den elektronischen Anzeigen an den Haltestellen finden sich entsprechende Hinweise regelmäßig - zum Leidwesen vieler Fahrgäste.

Eine Auswertung der Meldungen zu "betriebsbedingten Ausfällen" seit Mitte November zeigt, dass in den vergangenen Wochen jede zweite Bus- und Bahn-Linie mindestens einmal betroffen war - bis zu sieben pro Tag. Spitzenreiter sind dabei die Straßenbahnlinien 4 und 5 sowie die Buslinien 52, 62 und 73.

"Es ist ärgerlich, wenn man wartet, und es kommt einfach kein Bus", sagt ein TU-Student. "Einmal wurde es mir zu bunt, da bin ich dann einfach gelaufen", schildert der 25-Jährige. Mittlerweile fahre er so oft es geht mit dem Rad.

CVAG-Vorstandschef Jens Meiwald kennt derlei Beschwerden. Von den rund 7,8 Millionen Kilometern, die die Mitarbeiter des Nahverkehrsbetriebes allein von Januar bis Oktober zu bewältigen hatten, fielen etwa 32.800 aus; die allermeisten davon (80 Prozent) auf Buslinien. An sich sei das "keine Riesenzahl", findet Meiwald. "Aber jeder dieser Ausfälle ist natürlich einer, den wir uns nicht wünschen."

Personalprobleme waren laut CVAG zuletzt für gut ein Drittel der Ausfälle verantwortlich; im Monat Oktober beispielsweise für 55 von insgesamt 149. Und das, obwohl das Unternehmen - auch wegen der Ausweitung des Angebots an Linien und Fahrten Ende 2017 - seinen Personalbestand deutlich erweitert hat, von einst knapp 500 Beschäftigten auf aktuell 567. Allein für dieses Jahr stehen laut dem Unternehmenschef bis Ende November 21 aus dem Fahrdienst ausgeschiedenen Mitarbeitern 32 Neuzugänge gegenüber. Bis Ende Januar sollen dann noch einmal weitere 18 neue Kollegen hinzukommen. Danach, so hofft Meiwald, sollte es keine größeren Probleme wegen struktureller Engpässe beim Personal mehr geben - zumindest, solange sich der Krankenstand nicht wesentlich ändert. Er bewegt sich seit Jahren zwischen sieben und elf Prozent.

Neue Mitarbeiter zu finden, ist für die CVAG nicht einfach. Neben eigenen Auszubildenden kamen zuletzt vor allem Quereinsteiger neu ins Team - ehemalige Brummi-Fahrer etwa, denen die Lust auf ewige Fernfahrten durch halb Europa vergangen ist, oder frühere Taxi-Fahrer, die ihren Job verloren hatten, weil sich die Unternehmen nach Anhebung des Mindestlohns keine Angestellten mehr leisten wollten. Auch die Anstellung von Fachkräften aus dem Ausland werde durchaus erwogen, so Maiwald; Flyer auf Tschechisch sind bereits gedruckt. Doch auch in den Nachbarländern sei der Arbeitsmarkt wie leer gefegt. "Hinzu kommt die Sprache, sie ist das A und O. Alles andere, unsere Linien, unser Tarifsystem, lässt sich lernen."

Der Betriebsrat hat der Einstellung der Quereinsteiger bereits im November zugestimmt, warnt aber auch vor überzogenen Erwartungen. "Die Personalsituation im Fahrdienst entspannt sich dadurch nicht sofort, erst müssen noch Qualifikationen erfolgen", heißt es in einer Stellungnahme. Zudem würden durch ausscheidende Kollegen und innerbetriebliche Umsetzungen ja auch wieder Stellen frei, die neu besetzt werden müssen.

Und welche Rolle spielt die Bezahlung? Keine zu unterschätzende, sagt Betriebsratschef Silvio Venus. Im Vergleich etwa mit den Verkehrsbetrieben in Dresden oder Leipzig könne die CVAG zwar sehr gut mithalten, da in allen diesen Unternehmen derselbe Tarifvertrag gelte. "In anderen Bundesländern verdienen Fahrer aber zum Teil mehrere Hundert Euro mehr", so Venus. Ihm seien einige Fälle von Kollegen bekannt, die beispielsweise nach Thüringen gewechselt sind. Andere gingen zur Eisenbahn, weil auch dort Personal händeringend gesucht werde. "Hier ist die Politik gefragt, die den Nahverkehr finanziert", so der Betriebsratschef.

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1Kommentare
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  • 3
    8
    Interessierte
    11.12.2018

    Und welche Rolle spielt die Bezahlung?
    Das wird wohl der Grund sein , denn ich habe schon gehört , dass man dort kein Geld verdient , und wie hier steht , man in Thüringen und anderen B-Ländern mehr verdient , aber die Ausländer werden das Ding schon richten , arbeiten die doch für wenig Lohn
    Und wie wäre es denn , wenn man sich auf dem Amt mal umsieht und sich mal vorstellt und einen ´Vortrag` für deutschsprachige Willige hält - und diese dann ausbildet - und derjenige dann auch an der entsprechenden Haltestelle hält ???



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