Pflegedienste dürfen künftig gratis parken

Immer wieder verzweifeln die Mitarbeiter an der Stellplatzsuche. Nun soll es eine Lösung geben. Doch diese ist nicht zum Nulltarif zu haben.

Mitunter ist es einfach zum Verzweifeln: Alle Parkplätze sind besetzt, weit und breit ist keine Lücke zu finden. Was Innenstadtbesucher nervt, wird für alle, die beruflich mit dem Auto unterwegs sind, schnell zum handfesten Problem - nicht zuletzt für mobile Pflegedienste. Die Suche nach einem Platz zum Abstellen des Fahrzeuges kostet den Mitarbeitern oft ebenso Zeit wie der mitunter etwas weitere Weg vom Abstell- zum Einsatzort. Zeit, die an anderer Stelle fehlt - im schlimmsten Fall beim Patienten. Parken sie aus der Not heraus dort, wo es eigentlich nicht gestattet ist, droht ein Knöllchen. Das wiederum müssen die Mitarbeiter in aller Regel aus der eigenen Tasche zahlen.

"Die kritische Parkplatzsituation ist immer wieder ein Thema", bestätigt Astrid Kallinich, Pflegedienstleiterin beimAK-Pflegeteam, einem auf dem Kaßberg ansässigen Pflegedienst. Der größte Teil ihrer Kunden wohne in der Innenstadt oder drumherum, schildert sie. "Wir haben uns schon viele Gedanken gemacht, wie sich da vielleicht eine Lösung finden ließe." Bestehende, zeitlich begrenzte Ausnahmeregelungen erwiesen sich häufig als wenig praktikabel und kostenintensiv. Immerhin: Die Politessen des Ordnungsamtes agierten in aller Regel mit Fingerspitzengefühl, so Kallinich.

Vor dem Hintergrund dieser in der Pflegebranche seit Jahren beklagten Misere hatten sich Stadträte verschiedener Fraktionen vor etwa einem Jahr zusammengetan, um eine Verbesserung der Situation zu erreichen. CDU, SPD und Linke brachten im Rat gemeinsam einen sogenannten Prüfauftrag ein, ob Ausnahmegenehmigungen künftig nicht einfacher und praxisorientierter vergeben werden können.

Mit Vertretern der Kreishandwerkerschaft sowie der Pflegedienste war daraufhin diskutiert worden, wie eine Neuregelung aussehen könnte. Das Ergebnis liegt nunmehr vor. Mit Zustimmung der Liga der freien Wohlfahrtsverbände - einem Dachverband zumeist größerer Sozialverbände - werden ab Januar Pflegedienste in der Innenstadt während dem Ausführen von Pflegeleistungen von Gebühren an Parkuhren und Parkscheinautomaten befreit. Sie dürfen dort bis zu einer Stunde kostenlos parken. Die Regelung gilt für die innerstädtischen Parkzonen I (Georg- bis Theaterstraße, Bahnhof- bis Mühlenstraße) und II (Schloßteich bis Bahnbogen, Müller- bis Reichsstraße). Auf Antrag, so erläutert Baubürgermeister Michael Stötzer in einem Schreiben an die Ratsfraktionen, erhalten die Unternehmen je Fahrzeug eine Ausnahmegenehmigung einschließlich einer Parkkarte, gültig jeweils für ein Jahr. Für das Erteilen sollen jährlich 72 Euro Verwaltungsgebühren erhoben werden.

"Das wird die Situation für die ambulanten Pflegedienste hoffentlich erleichtern", meint Susanne Schaper, die Fraktionschefin der Linken. "Zumal Parkgebühren nicht vom Pflegesatz abgedeckt sind." Sabine Geck, die Sprecherin der Liga der Wohlfahrtsverbände in Chemnitz, spricht von einem Schritt in die richtige Richtung. Sowohl die Ausweitung des Gültigkeitszeitraums auf ein Jahr als auch die einmalige Antragstellung verminderten den bürokratischen Aufwand für die Pflegedienste. Die Kosten hingegen seien insofern problematisch, da Ausgaben auch für Parkgenehmigungen nicht in den Vergütungen enthalten seien, welche die Pflegedienste erhalten.

Astrid Kallinich vom AP-Pflegeteam ist dennoch guter Dinge. "Ich denke, das lässt sich organisieren", sagte sie.

Bewertung des Artikels: Ø 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 6
    2
    1371270
    17.10.2019

    Das sollte doch wohl selbstverständlich und keine große Schlagzeile in der FP wert sein!

  • 6
    2
    mathausmike
    17.10.2019

    Mehr als notwendig diese Entscheidung!
    Es wäre ein Ding,wenn Men-schen,die einen Beruf mit Hilfe für pflegebedürftige Menschen ausüben,für diese Zeit,während Sie Ihrem Beruf nachgehen,noch Geld bezah-len müßten!



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