Pläne für Kaßberg: Mehr Grün - aber weniger Auto-Stellplätze

Für Bauvorhaben im bevölkerungsreichsten Stadtteil gelten neue Regeln. Bewohner müssen dadurch allerdings auch mit Nachteilen rechnen.

Kaßberg.

Mit seiner bevorstehenden Bekanntmachung im Amtsblatt wird ein Bebauungsplan für den östlichen Kaßberg rechtskräftig. Das Dokument für den Bereich zwischen Barbarossastraße, Limbacher Straße, Reichsstraße und Heinrich-Beck-Straße hatte der Stadtrat im Mai beschlossen. Für das Gebiet zwischen Hoffmannstraße, Horst-Menzel-Straße, Limbacher Straße, Barbarossastraße und Ahornstraße im Westen des Stadtteils gilt bereits seit etwa einem Jahr ein ganz ähnliches Regelwerk. Darin sind die Bereiche festgelegt, innerhalb derer auf dem Kaßberg überhaupt noch gebaut und saniert werden darf.

Anlass für das Aufstellen beider Pläne waren drei Neubauten mitten in einem Karree zwischen Barbarossastraße, Leonhardtstraße, Borssendorfstraße und Uhlichstraße, erklärte Nicolas Hamann, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, auf einer Bürgerinformationsveranstaltung zu dem Thema am Donnerstagabend im Umweltzentrum an der Henriettenstraße. Ohne die Bebauungspläne wären solche Neubauten in allen Karrees des Stadtteils zulässig gewesen. Aufgrund der auf dem Kaßberg zu erzielenden Miet- und Verkaufspreise für Immobilien hätten der Stadtverwaltung bereits reichlich Anfragen von Investoren vorgelegen, berichtete Hamann den etwa 30 Anwesenden.


Weil das Rathaus eine dichtere Bebauung verhindern und die historische Struktur des Kaßbergs wiederherstellen und erhalten will, dürfen laut den Bebauungsplänen bei allen Karrees - bis auf ganz wenige Ausnahmen - nur noch die Ränder bebaut werden. Das heißt: Vorhandene Bauwerke in den Innenhöfen, darunter auch befestigte Parkplätze sowie Tiefgaragen, haben zwar Bestandsschutz. Jegliche Neubauten, wie etwa Terrassen oder Nebengebäude, sind jedoch selbst als Ersatz für Abrisse verboten. Langfristig, so hoffe das Stadtplanungsamt, werde das zu einer Entsiegelung und damit zu noch mehr Grün in den Innenhöfen führen. Genau das wird von vielen Anwohnern, darunter der Bürgerinitiative Kaßbergbäume, auch gefordert und begrüßt.

Unbebaute, grüne Innenhöfe werden allerdings perspektivisch auch zu einer Verknappung der Flächen für Autostellplätze führen, bestätigte Hamann Befürchtungen von Anwesenden. Mehrere von ihnen forderten den Bau von Parkhäusern oder mehrgeschossigen Tiefgaragen und schlugen ihrer Meinung nach geeignete Standorte dafür vor. Stellplätze mit Lademöglichkeiten seien schließlich auch für Elektroautos unverzichtbar, erinnerte Reiner Amme vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

Hamann spekulierte, eine Folge der Stellplatz-Verknappung könnte sein, dass der Bau von Parkhäusern oder mehrstöckigen Tiefgaragen für private Investoren lohnender wird, weil sie dann höhere Mieten dafür verlangen könnten. Auf den Flächen an den Karree-Rändern, die in den Bebauungsplänen dafür ausgewiesen sind, dürften außer Wohn- und Geschäftsgebäuden mit Tiefgaragen auch Parkhäuser errichtet werden, erläuterte er. Gespräche über den Bau solcher Anlagen habe die Stadtverwaltung bereits mit potenziellen Investoren geführt - bisher jedoch ohne positives Ergebnis.

Eine Zuhörerin sorgte sich um die Zukunft des Garagenkomplexes an der Heinrich-Beck-Straße. Die Fläche sei grundsätzlich Wohnungsbaustandort, antwortete Hamann. Ob es dazu komme, sei Sache des Eigentümers.

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3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    4
    Ich121959
    10.06.2019

    Oh, da werden sich die Kaßbergerinnen und Kaßberger und die, von den zahlreichen anderen Geschlechtern aber freuen, wenn sie dem Waldesrauschen lauschen dürfen, nachdem sie den anstrengenden Fußweg hinter sich haben. Die Krankheitsrate der Bewohner wird exorbitant sinken, denn Bewegung in frischer Luft ist bekanntlich sehr gut. Was das Grün angeht, gibt es endlich Gleichberechtigung zwischen den Stadtteilen. Zum Beispiel waren die vom Sonnenberg ja auch privilegiert, mit ihrer wunderschönen Baumallee auf der Zietenstraße, was ein Ende haben muss. Auch die zahlreichen gastronomischen Einrichtungen werden sich freuen, nicht mehr so viel Arbeit zu haben. Diese werden dann eher Vögel und Waschbären füttern, als Gäste bedienen. Apropos Arbeit. Ja, die entzückten Jubelrufe der Arbeitskräfte habe ich auch schon in den Ohren, wenn diese noch zeitiger aufstehen dürfen um ihren täglichen Morgenspaziergang zu frönen, oder sich mit dem Nahverkehr (der ja bekanntlich sehr zuverlässig ist) zur Arbeit bringen zu lassen. Schöne neue grüne Welt. Kleiner Vorschlag noch von mir. Vielleicht legt man noch ein kleines Beet mit Verstand an, wo sich jeder bedienen darf, dem selbiger abhanden gekommen ist.

  • 9
    7
    Steuerzahler
    08.06.2019

    Wer das Eine will, muss das Andere lieben! Da es offensichtlich eh schon viel zu viele Möglichkeiten gibt, sein Auto auf dem Kassberg abzustellen, ist es nur verständlich, die Parkplätze weiter zu verknappen. Vor allem begrünte Tiefgaragen in den Innenhöfen sind störend. Mal sehen, ob das Ergebnis dieser vorausschauenden Politik die Zustimmung für die grüne Politik weiter befördert. Immerhin wird ja offensichtlich der Wählerwille in diesem Stadtteil erfüllt, oder?

  • 17
    11
    994374
    08.06.2019

    Recht so! Der Kaßberg hat zum großen Teil GRÜN gewählt.
    Die brauchen sowieso kein Auto!



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