Pläne zu Schul-Wiederbelebung verunsichern Garagenbesitzer

Einer der größten Garagenkomplexe der Stadt ist als Standort für Turnhalle und Sportplatz im Gespräch. Noch ist nichts entschieden. Doch Stadträte fordern bereits, Alternativen zu prüfen.

Gablenz.

Die Ruhe, sie währte nur gut zwei Jahre lang. Im Frühjahr 2016 hatte es schon einmal geheißen, der große Garagenkomplex an der Charlottenstraße, einer der größten in ganz Chemnitz, stehe womöglich vor dem Aus. Die Stadtverwaltung hatte sich seinerzeit mit dem Gedanken getragen, das Areal, auf dem zu DDR-Zeiten fast 600 Garagen errichtet worden waren, an Bauinvestoren zu verkaufen. Rein rechtlich wäre das möglich; der Kündigungsschutz für derlei Anlagen, der nach der Wiedervereinigung für lange Zeit galt, ist bereits vor mehreren Jahren abgelaufen.

Zu dem Verkauf kam es letztlich nicht, doch die Ungewissheit über die Zukunft der Anlage ist längst wieder zurückgekehrt. Anlass dafür sind Überlegungen der Stadt, die seit Jahren ungenutzte frühere Dürerschule an der Ecke Charlotten-/ Reineckerstraße wiederzubeleben. Das arg sanierungsbedürftige Gebäude, in dem zuletzt bis Anfang 2013 das Chemnitzer Schulmodell untergebracht war, soll saniert und zu einer Grundschule ausgebaut werden.

Das Problem: Es fehlt an einem Sportplatz und an einer zeitgemäßen Turnhalle. Die vorhandene kleine Halle auf dem Gelände stammt wie die Schule selbst aus dem späten 19.Jahrhundert und hatte bereits 2004 wegen erheblicher Baumängel baupolizeilich gesperrt werden müssen. Schon seit Jahren sei dort immer wieder Putz von der Decke gebröckelt, hieß es seinerzeit. Hinzu kamen Probleme mit Schimmel und feuchten Wänden. Nun wird diskutiert, dem Schulsport schräg gegenüber der Schule, auf der anderen Straßenseite, ein neues Zuhause zu geben. Genau da, wo jetzt noch die Garagen stehen.

Über den Buschfunk haben sich die Überlegungen längst herumgesprochen. Auch erste Gespräche mit dem Liegenschaftsamt der Stadt habe es bereits gegeben, sagt Mario Wolff, einer der Vorstände des in mehrere Abteilungen untergliederten Garagenkomplexes. "Wenn die Anlage oder Teile von ihr weg sollen, werden viele Nutzer hier Probleme bekommen", fürchtet er. Gerade an den Wochenenden sei die Stellplatzsituation in den Vierteln ringsum nicht einfach. "Zu den Autos der Anwohner kommen dann noch die von den Leuten aus den Kleingartenanlagen dazu, auch große Lkw werden hier abgestellt", verdeutlicht er. Jörg Bäßler, ein weiterer Vorstand, weiß, dass nicht wenige der Garagenpächter Fahrzeuge mit Saisonkennzeichen besitzen. "Die darf man ja außerhalb der Saison nicht einfach so draußen abstellen", gibt er zu bedenken. Eine neue Garage in einer anderen Anlage zu finden, dürfte ebenfalls schwierig werden, fürchtet Bäßler.

Mittlerweile hat das Problem den Stadtrat erreicht. "Wenn eine Schulsanierung damit verbunden ist, einen Garagenkomplex abzureißen, ist das kein guter Weg", sagt Hans-Joachim Siegel von der Fraktion der Linken. Er fordert weitere Untersuchungen - auch zu möglichen Alternativen. "Es gäbe ja die Möglichkeit, die Sportanlagen auf anderen Flächen zu bauen", so Siegel. Das allerdings wäre mit zusätzlichen Kosten verbunden, da die Grundstücke erst angekauft werden müssten. Unabhängig davon halte er es für wichtig, mit den Garagennutzern das Gespräch zu suchen, noch bevor eine Entscheidung gefallen ist.

Die Stadtverwaltung zeigt sich durchaus gesprächsbereit. "Betroffene Garagennutzer können im Rahmen der drei geplanten Informationsveranstaltungen zu den Schulbau-Projekten Informationen erhalten", sagte ein Sprecher. Allerdings lägen gegenwärtig noch keine wirklichen Planungen vor. "Diese müssen nach einem Grundsatzentscheid erst noch erarbeitet werden", heißt es aus dem Rathaus. Sobald das Konzept weiter konkretisiert wurde, werde die Verwaltung eine Beschlussvorlage für den Stadtrat fertigen. Die Garagennutzer sollen dann parallel informiert werden.

Die Info-Veranstaltungen zu den geplanten Schulbau-Projekten finden statt am Mittwoch, 19. September, in der Pablo-Neruda-Grundschule, Hoffmannstraße 35; am Donnerstag, 27. September, im Bürgerhaus All in, Rosenhof 14, und am Donnerstag, 4. Oktober, am Terra Nova Campus, Heinrich-Schütz- Straße 61. Beginn ist jeweils um 18Uhr.

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2Kommentare
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  • 5
    3
    Pixelghost
    14.09.2018

    Tja die Garage. Ich kann mich noch gut an diesen Affentanz erinnern, wenn mein Schwiegervater freitags nach der Arbeit per Bus und Bahn quer durch die Stadt gefahren ist, um das geliebte Auto aus einer in einem ganz anderen Stadtteil gelegegenen Garage zu holen, um es dann vor die Haustür zu stellen.
    Und das hat wohl nicht nur er so gemacht, denn in der Woche fand man immer einen Parkplatz, aber an den Wochenenden - wenn ich spät vom Fussballeinsatz nach Hause kam - konnte ich das vergessen. Da waren die Parkplätze voll.

    Ich hatte und habe keine Garage. Meine Autos haben es überlebt, und ich auch.

  • 9
    3
    Blackadder
    14.09.2018

    Man konnte ja schon in der Diskussion um die wegfallenden Innenstadt-Parkplätze sehen: das Auto ist des Chemnitzer liebstes Kind. Also offenbar noch lieber als seine eigentlichen, echten Kinder, die dringend neue Schulen mit Turnhalle und Sportplatz benötigen. Dass die Turnhalle an der Charlottenstraße nicht nutzbar ist und der Sportplatz viel zu klein, ist jedem klar. Wir müssen in diesem Land auch mal Prioritäten für die nächsten Generationen setzen. Ich sage ganz klar: Kinder vor Garagen!



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