Pokémon-Fieber: 300 Spieler auf virtueller Monsterjagd

Die Aufregung über ein Handyspiel, das seit Mittwoch in Deutschland erhältlich ist, hat auch Chemnitz gepackt. Eine Familie machte sogar eine unerwartete Entdeckung.

Eigentlich wollte Chris Lässig nur ein paar Freunde einladen, um mit ihnen das seit Mittwoch in Deutschland erhältliche Handy-Spiel "Pokémon Go" auszuprobieren. Anfang der Woche erstellte der 27-Jährige eine Veranstaltung auf Facebook und lud, wie er sagt, "einige wenige Freunde" ein. "Bereits nach einem Tag entwickelte sich ohne mein Zutun eine Eigendynamik, mit der ich nie gerechnet hätte", sagt er. Über 300 Personen hatten ihr Kommen angekündigt. Trotzdem habe er bis kurz vor der vereinbarten Zeit am Donnerstag um 23.30 Uhr nicht geglaubt, dass derart viele begeisterte Pokémon-Spieler zum Karl-Marx-Kopf kommen würden. Als sich dann tatsächlich rund 300 Chemnitzer im Alter von 10 bis 50 Jahren dort einfanden, war er überwältigt.

Wer das Spiel testen will, muss durch die Stadt laufen. Darum setzte sich die Gruppe in Bewegung und ging eine Runde zum Schloßteich über den Brühl zurück zum Marx-Monument. Pokémon setzt sich aus den Worten Pocket und Monsters zusammen, was Taschenmonster bedeutet. Wer das Spiel auf dem Handy installiert hat und losläuft, entdeckt auf dem Bildschirm hier und da eben jene Taschenmonster. Der Bildschirm gibt dann mittels Kamerasicht genau den Ort wieder, an dem der Spieler steht, nur dass auf dem Handy zwischen den Bäumen, den Wartenden an der Bushaltestelle oder mitten auf dem Gehweg ein solches Monster sitzt. Das gilt es mit virtuellen Bällen einzufangen und dann zu trainieren, um es später in den Kampf gegen andere Pokémons schicken zu können. Darum bezeichnen sich die Spieler als Trainer.


Die Runde durch die Stadt dauerte zwei Stunden. Immer wieder waren Freudenschreie zu hören, wenn ein Pokémon gefangen wurde. Mit dabei war auch Mathias Elstein mit seinen beiden Kindern. Der 46-Jährige habe das Spiel früher auch auf dem Gameboy gespielt und sei von der neuen Version begeistert. Sein Sohn Lucas hat zudem eine für die Familie erstaunliche Entdeckung gemacht: Wer das Spiel beginnt, bewegt sich durch einen virtuellen Stadtplan von Chemnitz. An so gut wie allen Kunstwerken, besonderen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten liegen sogenannte Poké-Stops. Dort kann der Spieler die Bälle, die er zur Monsterjagd braucht, einsammeln - und erfährt Informationen zu den Punkten, wie zum Beispiel: wer der Künstler ist oder wann das Gebäude erbaut wurde. Auch der goldene Stolperstein, der an Mathias Elsteins Großvater erinnert, ist so ein Punkt. "Cool, Opa ist ein Pokémon-Stop", habe sein Sohn Lucas gerufen, so Elstein. Er selbst empfinde das als "besondere Ehre", sagt Elstein. Sein Großvater sei als Jude von den Nazis verfolgt worden und 1942 in Auschwitz gestorben. Die Nutzung des Stolpersteins im Spiel finde er nicht makaber, so der 46-Jährige, eher lustig. Derweil sorgt der Umstand, dass das Spiel auch vor sensiblen Orten wie Holocaust-Gedenkstätten nicht Halt macht, in den Medien für Diskussion und Ärger.

Für Chris Lässig fängt der Spaß jetzt erst an. Am Montag findet der erste Pokémon-Stammtisch statt, den er mit anderen begeisterten Spielern organisiert. Auch weitere Touren sollen folgen. Seine erste Aktion sorgte gestern auf der Facebook-Seite von "Freie Presse" für rege Diskussion. Von "Das hat nicht mal Berlin hinbekommen" und "Tolle Aktion" reichten die Kommentare bis "So ein Schwachsinn" und "Wo soll das noch hinführen?"


Taschenmonster zum Fangen und Trainieren

Pokémon ist der Bestseller aus dem Hause Nintendo. Als Videospiel wurde es 1996 veröffentlicht. Es folgten eine Trickfilm-Fernsehserie, Sammelkarten und Werbeartikel. Es geht darum, Taschenmonster einzufangen, zu trainieren und gegeneinander kämpfen zu lassen. Sie tragen Namen wie Rattfratz, Taubsi und Goldini.

Pokémon Go ist ein Handyspiel, das über eine App heruntergeladen wird. Es wird in einer virtuellen Welt gespielt, die reale Orte nutzt. Darum muss sich der Spieler draußen bewegen. Orte, an denen er Bälle zur Monsterjagd sammeln kann, sind in Chemnitz zum Beispiel das Schocken und das Rawema-Haus. Arenen, in denen die Monster kämpfen, sind zum Beispiel Marx-Kopf und Bahnhof.

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