Poliklinik Chemnitz beteiligt sich an Gesundheitszentrum

Im früheren Krankenhaus in Frankenberg sollen künftig wieder Patienten aus den Altkreisen Hainichen und Flöha behandelt werden. Bis es so weit ist, dauert es. Jetzt hat die Stadt einen erfahrenen Partner mit im Boot.

Frankenberg.

Eine Kostenschätzung für das geplante Medizinische Gesundheitszentrum im ehemaligen Frankenberger Krankenhaus liegt vor: rund 10 Millionen Euro für den Bau und knapp 1,4 Millionen Euro für die Ausstattung. Das teilte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) zur Stadtratssitzung am Mittwochabend mit. Die Finanzierung ruht auf drei Säulen: Fördergeld aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz, Eigenmittel der Stadt und einem Kredit. Noch in diesem Jahr soll der Bauantrag eingereicht und 2019 die Poliklinik detailliert geplant werden. Läuft alles nach Plan, könnten 2022 die ersten Patienten versorgt werden.

Für das umfangreiche Vorhaben hat sich Frankenberg einen Partner ins Boot geholt: die Poliklinik Chemnitz, eine 100-prozentige Tochter des Klinikums Chemnitz und damit im Eigentum der Stadt Chemnitz. Gemeinsam mit der Chemnitzer Poliklinik will die Stadt die Poliklinik gGmbH Frankenberg gründen. Der dafür notwendige Gesellschaftervertrag war am Mittwochabend Beratungsthema in der Stadtratssitzung. "Frankenberg wird mit 74 Prozent der Mehrheitsgesellschafter", so Firmenich. Die Stadt überträgt der neuen Gesellschaft alle benötigten Gebäude des ehemaligen Krankenhauses. Die Poliklinik Chemnitz soll die Praxen einbringen.

Nachdem das Krankenhaus 2013 geschlossen wurde, hat die Stadt 2015 die Gebäude gekauft, um, wie Firmenich sagte, "den Gesundheitsstandort zu stärken und für die Zukunft vorzusorgen". Neben Arztpraxen sei ein ambulantes Notfallzentrum geplant. Es soll auch außerhalb der Öffnungszeiten der Ärzte als Anlaufstelle dienen. Der ehemalige OP-Trakt soll genutzt werden. Künftig könnte wieder ambulant operiert werden. Der Umbau des OP-Saals und der alten Intensivstation zur Chirurgischen Praxis sei in den Kosten enthalten. Als Dienstleistungsangebote seien Therapeutische Praxen, eine Apotheke und ein Sanitätsfachhandel vorgesehen.

Thomas Hohlfeld, Geschäftsführer der Poliklinik Chemnitz, begrüßte die Zusammenarbeit mit der Stadt. Die Gesellschaft betreibt derzeit neun Medizinische Versorgungszentren, interdisziplinäre Einrichtungen sowie spezialisierte Therapiezentren. "Nun hoffen wir, dass wir auch im Landkreis Mittelsachsen erfolgreich tätig sein können", erklärte er. Er sprach die schlechte hausärztliche Versorgung im ländlichen Raum an. Das könnte sich mit dem Gesundheitszentrum ändern. Denn nicht nur Frankenberger, sondern auch Patienten aus den Altkreisen Hainichen und Flöha sollen künftig dort mit betreut werden. Auch für die Ärzte sollen moderne, attraktive Arbeitsplätze entstehen. "Wir freuen uns, dass uns die Stadt Frankenberg ihr Vertrauen entgegenbringt", so Hohlfeld.

Laut CDU-Stadtrat Andreas Schramm stehe die Stadt jetzt an einer entscheidenden Stelle. "Die medizinische Versorgung auf den Weg zu bringen, war bis dahin recht steinig", erklärte er. Er erinnert daran, dass zunächst ein Ärztehaus geplant war. Das jetzige Vorhaben sieht er als Anreiz für junge Ärzte, in einem modernen Zentrum zu arbeiten.

Noch ist der Gesellschaftervertrag nicht unterschrieben. Auch die Gremien der Poliklinik gGmbH Chemnitz müssen dem Papier zustimmen. Der Frankenberger Stadtrat wird am 19. September darüber entscheiden.


Kommentar: Auf dem Weg

Im Jahr 2022, also fast zehn Jahre nach der Schließung des Frankenberger Krankenhauses, soll eine Poliklinik in Frankenberg öffnen. Kritiker werfen der Stadt vor, dassdas viel zu lange dauert. Sicher: Für all jene, die jetzt einen Hausarzt oder Spezialisten brauchen und dafür weite Wege und viel Zeit in Kauf nehmen müssen, sind neun Jahre lang. Dennoch: Es ist ein Ende absehbar. Klug war, sich einen erfahrenen Partner an die Seite zu holen. Denn eine Stadtverwaltung kann nicht noch nebenbei den Betrieb eines Medizinischen Versorgungszentrums leiten.

Dafür ist die Chemnitzer Poliklinik weitaus besser geeignet. Bleibt nur zu hoffen, dass es tatsächlich junge Ärzte nach Frankenberg lockt. Der Ort ist lebenswert. Nicht nur dank der neuen Gelände der Landesgartenschau.

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