Preis für Schmetterlingswiese, Lehrpfad und Teamarbeit

Für ihr Engagement ist eine 74-Jährige ausgezeichnet worden. Mit einem Tulpenbaum hat dabei alles angefangen.

Burgstädt.

Die Neugier für einen Tulpenbaum gilt Christel Römer als Impuls ihres ehrenamtlichen Engagements. "Durch einen Familienbesuch in Bayern wurde ich auf das exotische Exemplar aufmerksam", erzählt die 74-Jährige. Nach Sachsen zurückgekehrt, ergab ihre Internetrecherche, dass gerade ihr Heimatort ebenfalls als ein Standort des frostharten, in den USA beheimateten Gewächses gilt. Es war auf dem weitläufigen Gelände der heutigen Naturschutzstation Herrenhaide zu finden. "Dieser Tulpenbaum dürfte vom einstigen Besitzer des Jagdhauses, einem Handschuhfabrikanten, gepflanzt worden sein", erläutert sie. Sie machte sich auf Spurensuche und wurde schließlich Mitstreiterin im Umwelt- und Naturschutzprojekt, das heute vom Naturschutzbund (Nabu) betrieben wird. Für ihr Engagement wurde die Burgstädterin jetzt mit dem sächsischen Ehrenamtspreis geehrt.

"Mit dem Ausscheiden aus dem Job hatte ich mir neue Aufgaben gestellt", sagt Römer. Im Berufsleben sei sie immer mit gesunder Neugier durch den Alltag gegangen, offen für Unbekanntes gewesen. Gleiches führte sie im Ruhestand ab 2011 fort. Neben dem Ehrgeiz, das Klavierspielen zu erlernen, reifte der Entschluss, sich in der Naturschutzstation einzubringen, so die Diplom-Ingenieurökonomin. Als berufserfahrene Teamleiterin mit Qualitäten einer in Marketing- und Finanzfragen gestandenen Managerin war sie dabei, als 2012 der Nabu in Herrenhaide engagierte und eine Initiative zur Mitgliederwerbung startete. Im Jahr 2013 übernahm sie den Vorsitz der Interessengemeinschaft.

Ihrem Einsatz ist es durchaus mitzuverdanken, dass die Initiative unterdessen 587 Mitglieder zählt, wobei 40 als immer einsatzbereite Mitstreiter gelten, hieß es zur Ehrung in Dresden. Längst haben die Akteure mit ihren Projekten für überregionale Schlagzeilen gesorgt. Die Nabu-Initiatoren zeigen, wie Umweltschutz funktioniert: "Wir gelten beispielsweise als erster Standort in Sachsen, der ein Schmetterlingswiesenprojekt vorangebracht hat", sagt Römer. Auf einer Wiesenfläche gedeihe die Teufelsabbiss-Pflanze, einst ein Heilmittel gegen die Pest. Und die Schmetterlingsart Abbiss-Scheckenfalter werde wiederum angezogen. Der Tagfalter steht auf der Roten Liste, ist also in Deutschland vom Aussterben bedroht. "Wir wollen erreichen, dass sich dieser gefährdete Geselle wieder mit einfindet", so Christel Römer. Deshalb sollten Wiesen nicht radikal abgemäht werden.

Dabei sieht sich die Ausgezeichnete beim Wissen um Fauna und Flora eher als Laiin. "Aber das zeichnet unser Team aus: miteinander zu geben und zu nehmen. Das Zusammenspiel macht uns stark, jeder trägt mit seinen Tugenden zum Ganzen bei." Längst gelte die Herrenhaider Oase als Ziel für Kita-Gruppen, starten unterschiedlichste Schulprojekte, finden sich Gärtnerlehrlinge zur praktischen Wissensvermittlung auf dem 3,5 Hektar großen Gelände ein. Die Teilnehmer lernen entlang des Gehölzlehrpfades die Moorbirke kennen, bestaunen einen Amberbaum, dessen Harz noch heute den Rohstoff für Kaugummis liefert, oder wissen, dass ein Speierling als der Baum des Jahres 1993 galt.

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