Prozess um Überfall auf Jugendliche dauert Jahre

Gericht kann Zeugen nicht ausfindig machen - Opfer bleibt auf Kosten sitzen

Dieser Vorfall und der anschließende Strafprozess bewegten Chemnitz: Nichts Böses ahnend, waren an einem Wochenende im Januar 2016 spätabends auf der Stollberger Straße mehrere Jugendliche von jungen Männern angegriffen und beraubt worden. Einem der Opfer, einem heute 22 Jahre alten Chemnitzer, wurden mehrere Zähne ausgeschlagen, mehrere seiner Begleiter mit Steinen beworfen. Auch zwei Autos nahmen Schaden.

Die Polizei konnte die mutmaßlichen Täter im Alter von 17 bis 29Jahren relativ schnell fassen. Bei ihnen handelte es sich um Asylbewerber aus Nordafrika. Vier von ihnen wurden wenig später zu Bewährungsstrafen verurteilt; einer der Angeklagten freigesprochen. Weil die Staatsanwaltschaft den Freispruch nicht akzeptiert, beschäftigt der Fall bis heute die Justiz. Am Montag musste sich das Landgericht erneut damit befassen, nachdem im Sommer vergangenen Jahres das Berufungsverfahren vorläufig eingestellt werden musste - mangels Verfügbarkeit mehrerer Zeugen.

Weit vorangekommen in der Aufklärung ist die Strafkammer allerdings auch diesmal nicht. Der Angeklagte, der derzeit wegen einer Reihe anderer Straftaten eine mehrjährige Haftstrafe verbüßt, schweigt zu den Vorwürfen. Der einzige der damaligen Mittäter, der für das Gericht zu erreichen war, gab in seiner Zeugenaussage an, sich an nichts erinnern zu können. Er sei damals ziemlich betrunken gewesen, äußerte der junge Mann, der derzeit ebenfalls hinter Gittern sitzt. Seine Aussagen im Zuge der Ermittlungen, mit denen er den Angeklagten seinerzeit belastet habe, hätten auf Schilderungen beruht, die er von anderen gehört habe.

Das Ergebnis: Der Prozess bleibt auf unbestimmte Zeit weiter in der Schwebe - in der Hoffnung, dass es dem Gericht doch noch gelingt, an die drei anderen seinerzeit Verurteilten heranzukommen. Zuletzt scheiterte ein Versuch daran, dass die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, in der einer der Männer zuletzt gemeldet war, bereits vor längerer Zeit geschlossen wurde. Wo der Tunesier nunmehr lebt, ist zumindest der Justiz nicht bekannt.

Die Folgen der schweren Verletzungen bei dem jungen Chemnitzer, gegen den sich der Angriff damals in erster Linie richtete, sind mittlerweile behoben. Den größten Teil der Kosten für die Behandlungen - alles in allem mehrere Tausend Euro - habe er allerdings selbst tragen müssen, sagte er am Rande des Prozesses.

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