Prügelei an Tankstelle wirft Fragen auf

In Limbach hat es eine tätliche Auseinandersetzung mit politischem Hintergrund gegeben. Sind einige Orte in der Stadt gefährlich?

Limbach-Oberfrohna.

Den 4. August wird Phillip Jungnickel so schnell nicht vergessen. Als der Limbach-Oberfrohnaer in den frühen Morgenstunden von der Polizei nach Hause eskortiert wurde, hatte er ein blaues Auge und eine blutige Nase. Die Erinnerung an den Vorfall ist allgegenwärtig. "Meine Nase ist noch immer dick. Wenn ich eine Brille aufsetze, tut es weh", erklärt er. Einen Freund des 19-Jährigen hatte es noch schlimmer erwischt: Er musste sich offenbar als Folge einer Gehirnerschütterung übergeben. "Er hat eine Woche im Bett gelegen", berichtet Jungnickel.

Er war gemeinsam mit insgesamt drei Freunden in der Nacht vom 3.auf den 4. August durch die Stadt gezogen. "Zuvor hatten wir einige Biere getrunken. Am frühen Morgen war ich aber wieder nüchtern", sagt er. Die Gruppe beschloss, an der Shell-Tankstelle an der Straße des Friedens Nachschub zu besorgen. Es ist die einzige Verkaufsstelle in Limbach-Oberfrohna, in der nachts Getränke erhältlich sind. Als sie sich näherten, nahmen die jungen Leute auf dem Gelände der Tankstelle eine größere Gruppe wahr, deren Mitglieder laut Jungnickel dem rechten Spektrum zuzuordnen sind. Er selbst und seine Freunde seien hingegen links zu verorten; Jungnickel ist Mitglied des Vereins Soziale und politische Bildungsvereinigung, der sich nach eigenen Angaben gegen den "rechten Mainstream" und Menschenverachtung einsetzt.

Schnell kam es zu Wortgefechten, die in tätlichen Auseinandersetzungen mündeten. "Ich wurde in den Schwitzkasten genommen und dann auf der Motorhaube eines Autos festgehalten, sodass mir mehrere Personen ins Gesicht schlagen konnten. Alles war voller Blut", schildert Jungnickel. Einer seiner Freunde sei von den Angreifern zwischen den Zapfsäulen zu Fall gebracht und dann mehrmals getreten worden. So sei es zu der Gehirnerschütterung gekommen, erklärt der junge Mann. Vier Personen aus dem gegnerischen Lager hätten sich an dem Gewaltakt beteiligt. "Dann ist auch schon die Polizei gekommen", sagt Jungnickel.

Shell möchte sich zu der Prügelei nicht äußern und verweist auf die Polizei. Oliver Wurdak von der Polizeidirektion Zwickau bestätigt, dass es in jener Nacht zu einer Auseinandersetzung kam, bei der der Alkoholkonsum auf beiden Seiten eine Rolle gespielt haben könnte. Nach den Angaben des Polizeisprechers wurden vor Ort vier Tatverdächtige festgestellt. Die Polizei ermittelt wegen Körperverletzung. Was sich genau zugetragen hat, kann der Sprecher noch nicht sagen. "Dazu müssen noch Vernehmungen stattfinden. Wir gehen aber davon aus, dass der politische Hintergrund eine Rolle spielt." Deshalb werden die Ermittlungen beim Staatsschutz geführt, erklärt Wurdak.

Phillip Jungnickel zieht aus dem Vorfall die Konsequenz, dass er die Tankstelle künftig meidet. "Ich will mich ja nicht noch mal verprügeln lassen." Ähnlich äußert sich Elisa Grobe vom Vorstand der Sozialen und politischen Bildungsvereinigung. "Wir haben gelernt, gewisse Orte in Limbach einfach nicht aufzusuchen. Wenn wir es doch tun, kann es zu Angriffen gegen uns kommen", stellt die 27-Jährige fest. Zu diesen Orten zählt sie neben der Tankstelle auch den Stadtpark, der ebenfalls ein Treffpunkt für die rechte Szene sei.

Die Stadtverwaltung hat die Tankstelle schon länger im Blick. Im vergangenen Jahr beschwerten sich mehrere Anwohner wegen Ruhestörungen. Als Konsequenz gab es ein Gespräch zwischen der Stadtverwaltung und dem Betreiber. Daraufhin wurden Schilder angebracht, denen zufolge Alkoholkonsum auf dem Gelände nicht erwünscht ist. Seitdem habe sich die Situation gebessert, sagen beide Seiten. Doch laut dem städtischen Präventionsbeauftragten Dietrich Oberschelp können auch regelmäßige Streifen des Ordnungsdienstes nicht verhindern, dass die Tankstelle noch immer als Treffpunkt dient. "Ich kann aber nicht erkennen, dass es sich bei den dort anzutreffenden Personen vorwiegend um solche des rechten Spektrums handelt", stellt der Präventionsbeauftragte fest. Die Anzahl der Rechtsextremen in Limbach-Oberfrohna sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Trotzdem müsse man wachsam bleiben, betont Oberschelp. Leider werde Präventionsarbeit, die die Stadt mit vielen Projekten leiste, in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig gewürdigt. Oberschelp kündigt an, die Prügelei bei der nächsten Sicherheitsabsprache mit der Polizei zum Thema zu machen.

Die Polizei selbst hält die Darstellung, dass Linke bestimmte Orte in Limbach-Oberfrohna meiden sollten, für übertrieben. "Das ist nicht an uns herangetragen worden", sagt Sprecher Wurdak. Zwar würden immer wieder Hakenkreuz-Schmierereien und ähnliche Delikte angezeigt. Doch öffentliche Orte, an denen sich regelmäßig Rechtsextreme treffen, sind der Polizei nach seinen Angaben nicht bekannt.

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