Pünktlich am Bus - und doch zu spät

Es sollte nicht passieren, doch fast jeder Fahrgast hat es schon erlebt: Man erreicht gerade die Haltestelle, da fährt der Fahrer los. Ein besonders ärgerlicher Fall soll sich am Sportforum zugetragen haben - zu später Stunde.

Bus oder Bahn zu verpassen, ist ausgesprochen unschön. Umso mehr, wenn sie früher an der Haltestelle abfahren, als laut Fahrplan vorgesehen. Und erst recht, wenn das am Abend passiert, im Spätverkehr, irgendwo im Nirgendwo am Rande der Stadt. So ähnlich, wie es kürzlich Markus Beyer* passiert ist. Der 14-jährige Sportschüler trainiert mehrmals pro Woche bis 21 Uhr im Sportforum. Anschließend muss er sich sputen, will er den Ringbus 82 Richtung Kaßberg noch erwischen - Abfahrt 21.19 Uhr ab "Sportforum Tor1".

Diesmal aber nützte der Sprint zur Haltestelle ihm wenig. Obwohl, so schildert es seine Mutter Beate*, bis zur Abfahrtzeit noch mehrere Minuten Zeit gewesen wären, habe der Busfahrer nur mit den Schultern gezuckt und sei davongefahren. "Es ist Markus zwar noch gelungen, an die Tür zu klopfen, aber es hat nichts geholfen", schildert sie. "Er hat noch gesehen, wie im Bus zwei Fahrgäste erschrocken geschaut haben und sich zum Fahrer bewegt haben." Aber auch das brachte nichts. Das Ende vom Lied: Allein in einer stockfinsteren Gegend, in die sich zu dieser Tageszeit kaum wer verirrt.

Beate Beyer, die sich schließlich mit dem Auto auf den Weg zu der Haltestelle machte und ihren Sohn abholte, wandte sich an den Nahverkehrsbetrieb CVAG. Nicht nur, weil sie das Verhalten des Fahrers auf die Palme bringt. Sondern auch, weil es die Busfahrer mit dem Fahrplan dort offenbar generell nicht so genau nähmen. Seit Schuljahresbeginn sei es schon mehrfach vorgekommen, dass Busse früher als vorgesehen an der Haltestelle vor- und auch abfahren, sagt sie. "Das ist ein grundsätzliches Problem und stellt die Sinnhaftigkeit eines Fahrplans komplett infrage."

Aber kann das überhaupt sein - ein Bus, der immer mal wieder zu früh abfährt? Laut CVAG werden die tatsächlichen Fahrzeiten der eingesetzten Busse und Bahnen durch ein computergestütztes Ortungssystem überwacht, das den tatsächlichen Standort des Fahrzeuges mit dem laut Fahrplan vorgesehenen immer wieder neu abgleicht. "Aus einer möglichen Differenz dieser Werte ermittelt das System, ob das Fahrzeug verspätet, pünktlich oder verfrüht ist", erläutert Unternehmenssprecher Stefan Tschök. "Diese Information hat der Fahrer auch auf seinem Bordrechner, sodass er jederzeit weiß, ob und inwieweit er fahrplantreu ist." Sollte es zu einer Verfrühung gekommen sein, werde der Fahrer versuchen, so schnell wie möglich wieder fahrplangemäß unterwegs zu sein - beispielsweise durch geringfügig verlängerte Aufenthalte an den Haltestellen.

Und was ist, wenn jemand auf den letzten Drücker angerannt kommt - kann, soll oder muss der Fahrer dann warten? "Eine konkrete Regelung, wie lange auf einen noch auf das Fahrzeug zueilenden Fahrgast zu warten ist, gibt es nicht", so Tschök. Im Grundsatz entschieden die Fahrer je nach der aktuellen Situation und der Fahrplanlage (Hat der Bus bereits Verspätung?), ob sie heraneilenden Fahrgästen die Mitfahrt noch ermöglichen - oder dies gegebenenfalls auch nicht tun.

Ob sich im Fall von Markus Beyer der Fahrer in diesem Sinne korrekt verhalten hat oder nicht, lässt sich wohl kaum mehr klären. In einem Antwortschreiben der CVAG, das die Eltern vier Wochen später als Antwort auf ihrer Beschwerde erhalten haben, heißt es, anhand des Fahrtprotokolls sei am fraglichen Abend eine sogenannte Verfrühung nicht festzustellen gewesen. Der Fahrer - ein als zuverlässig geltender Mitarbeiter eines Tochterunternehmens - habe zudem versichert, an der Haltestelle niemanden stehen gelassen zu haben. "Eine zweifelsfreie Klärung ist aufgrund der vorliegenden Aussagen nicht mehr möglich", so das Unternehmen.

Für Beate Beyer eine unbefriedigende Antwort. Sie sieht das Verkehrsunternehmen auch in einer sozialen Verantwortung. "Als Mutter von drei Kindern muss ich mich darauf verlassen können, dass die Busverbindung vom Training nach Hause funktioniert - zumal so spät abends", verdeutlicht sie. Was sie ein wenig versöhnlich stimmt, ist das Gespräch mit einer Mitarbeiterin des "Qualitäts- und Kundenanliegenmanagements" der CVAG. "Sie hat mir bestätigt, dass so etwas absolut nicht geht", schildert sie. Auf die Ende vergangenen Jahres neu eingeführte Ringbuslinie lässt Beate Beyer trotz all des Ärgers in letzter Zeit nichts kommen. "Einfach klasse, diese Linie!"

*Namen von der Redaktion geändert.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 7 Bewertungen
4Kommentare
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  • 8
    2
    HHCL
    11.10.2018

    @1005: Das liegt aber auch teilweise an der völlig idiotischen Anordnung der Haltestellen. An der Zenti hält die 5 Richtung Gablenz beinah an der Brückenstraße. Fast alle Fahrgäste müssen also unnötig weit laufen, die Bahn könnte auch vorne halten, und der Fahrer hat auch fast keine Chance Sprinter noch zu bemerken. Oft fährt die Bahn dann nur einen halben Meter vor um dann minutenlang an der Ampel zu halten und alle, die die Bahn jetzt noch erreichen könnten, bleiben auch vor verschlossenen Türen stehen; ist ja keine Haltestelle mehr.
    Das scheint alles von Leuten geplant worden zu sein, die den ÖPNV noch nie selbst genutzt haben. Die Wege an der Zenti sind eine Zumutung und besonders sonntags zum Anschluss ist es ausgesprochen unangenehm die ganzen älteren Leute zu sehen, die irgendwie versuchen zu rennen um überhaupt eine Chance zu haben den Anschluss zu erreichen. Die 5 hält fast an der Brückenstraße, die 62/72 fast an der Galerie. Warum halten nicht beide nahe an der zentralen Kreuzung. Auch in die Gegenrichtung steht die 62 oft fast am Eingang des Marktes, weil man vorne nicht halten darf, da der Bahnsteig wegen der Citybahn für den Bus zu hoch ist. Wer von dort zur 21 oder 31 muss, hat einen unglaublich weiten Weg. Wer denk sich so etwas aus?

  • 10
    3
    HHCL
    11.10.2018

    Die Verkehrssituation am Sportforum ist eine Katastrophe. Dort kommt kaum ein Bus pünktlich und die ausgehängten Fahrpläne haben bestenfalls empfehlungscharakter. Insbesondere die Linie 43 Richtung Gablenz ist oft bis zu zehn Minuten verspätet; kommt aber auch schon mal gar nicht. Mittlerweile laufe ich fast immer zur TU und fahre einmal quer durch die Stadt, weil mir die Linie zu unsicher ist.

    Das liegt meiner Meinung aber nur teilweise an den Fahrern sondern an den immer länger werdenden und auf immer verschlungenere Wege geleiteten Linien. Eine Route dauert fast eine Stunde laut Fahrplan. Die Chance, dass da bei einer Fahrt alles pünktlich klappt ist minimal.

    Die prekäre Lage auf dem Arbeitsmarkt wird ihr übriges tun und so mancher hinter einem Lenkrad landen, der da nicht hin gehört. Aber auch auf anderen Linien ist die Einhaltung des Fahrplans und die für viel Geld angeschafften Infotafeln mangelhaft. Die Busse werden in der falschen Reihenfolge angezeigt, Busse die längst weg sind werden immer noch angezeigt; völlig nutzlos!

  • 11
    4
    1005
    11.10.2018

    Zur Straßenbahn sprinten ist keine Empfehlung.Luftnötig an der Straßenbahn angekommen,geschieht es dann,daß die Bahn abfährt.Das konnte ich schon mehrmals beobachten.Ist es Frust oder Lust des Fahrpersonals ?

  • 16
    3
    fnor
    11.10.2018

    Mit dem Tochterunternehmen ist bestimmt ETP gemeint. Dieses wird vermutlich betrieben, um Fahrer tarifungebunden weniger Lohn zahlen zu müssen. Ggf. sollte man die Tochter auflösen und alle Angestellten in die CVAG übernehmen. Dann hat man keine Angestellten 2. Klasse, die dann vermutlich auch freundlicher und zuverlässiger ihren Dienst tuen.



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