Rabensteiner Vereinschef: Von hier will kaum einer mehr weg

Wie entwickeln sich die einzelnen Chemnitzer Gebiete? Welche Projekte sind geplant? Wo gibt es Sorgen? "Freie Presse" nimmt die Stadtteile unter die Lupe. Heute: Rabenstein

Rabenstein.

Gottfried Reuther genießt die Aussicht. "Ist das nicht schön?", fragt er, auf dem Viadukt stehend und Richtung Burg blickend. Der 80-Jährige ist Vorsitzender der Bürgerinitiative Rabenstein. Er kennt den Ort wie kein Zweiter. Vor rund 120 Jahren fuhr der erste Zug von Wüstenbrand nach Limbach über das Viadukt in Rabenstein. Heute ist die Brücke ein technisches Denkmal, nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich. Doch sie ist stark baufällig. Wenn nicht bald etwas passiert, droht ihr die Sperrung, hatte eine Untersuchung 2017 ergeben. Zuletzt war 2010 an der Brücke gebaut worden, bis das Geld dafür aufgebraucht war. Seit 1999 hatte sich die Bürgerinitiative für ihren Erhalt eingesetzt. "Eine Horrorgeschichte", nennt es Reuther. Immer wieder wurden die Rabensteiner vertröstet, das Projekt sei zu teuer, andere Sanierungsvorhaben hätten Priorität, hieß es.

Doch nun könnte es losgehen. Im Haushalt für dieses und kommendes Jahr hat die Stadt 560.000 Euro Eigenmittel für die Instandhaltung eingeplant. Der Freistaat stellt bis 2022 insgesamt 1,5 Millionen Euro Fördergeld bereit. Reuther hat Hoffnung, dass die Sanierung 2020 oder 2021 beginnt. Mit Blick Richtung Burg befindet sich rechts vom Viadukt der Hoppberg. Dorthin führt Reuther den Besucher. Halt macht er auf einer Freifläche, auf der eine hölzerne Aussichtsplattform steht. "Bei klarer Sicht sieht man sogar den Fichtelberg", schwärmt er. Auf dem weiteren Weg gibt es aber auch weniger erfreuliche Punkte. So stört sich Reuther am Anblick der ehemaligen Schlossbrauerei am Fuße der Burg, an der Oberfrohnaer Straße. "Zu DDR-Zeiten war das die beste Gaststätte. Heute sieht das Haus verheerend aus", sagt er. Aus der Stadtverwaltung heißt es, das Gebäude und das Grundstück machten einen verwahrlosten Eindruck. Allerdings sei es noch zeitweise bewohnt. Es bestehe kein Handlungsbedarf, da von dem Haus keine Gefahr ausgehe. Entlang der Oberfrohnaer Straße in Richtung Rabenstein-Center gibt es zwei weitere Immobilien, die Reuther Sorgen bereiten. Zuerst ist da das ehemalige Gasthaus mit Ballsaal "Goldener Löwe". Das Kulturdenkmal steht seit Jahren leer und ist durch Bauzäune abgesperrt. Auf Anfrage teilt die Stadtverwaltung mit, dass die Eigentümerin 2017 beantragt habe, den Ballsaal mit allen Anbauten abzureißen. Es sollte nur das Vorderhaus mit ehemaliger Gaststätte an der Straße stehen bleiben. Dahinter sollte ein Altenpflegeheim entstehen. "Der Abbruchantrag wurde abgelehnt", heißt es aus der Verwaltung. Die Eigentümerin prüfe derzeit, Altenpflege auch in der Bauhülle des Saales unterzubringen.

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An der Ecke Antonstraße steht das nächste Gebäude leer, das Reuther missfällt. Es ist das ehemalige Albert-Schweitzer-Haus, das einmal Gaststätte, Kino, Konsum und Edeka war, nun aber seit Jahren leersteht. Ein Kulturdenkmal ist es nicht. Laut Stadtverwaltung liegen keine Bauanträge zum Objekt vor. Gefahren gingen nicht davon aus.

Aber auch Bautätigkeit gibt es momentan in Rabenstein. So freut es Gottfried Reuther, dass das ehemalige Rittergut am Rittergutsweg weiter ausgebaut und saniert wird. Momentan entstehen in der ehemaligen Hof-Scheune Wohnungen. An der Unritzstraße ist in den vergangenen Jahren eine Eigenheimsiedlung entstanden, "der letzte von vier Quadranten ist im Bau", sagt Reuther. "Viele wollen nach Rabenstein, und von hier will kaum einer mehr weg", so der 80-Jährige. Diesen Trend zeigten auch die Anmeldezahlen der Schule, die 2016 wiedereröffnete. Dort lernen heute Grundschüler.

1998 war die Grundschule und 2002 die Mittelschule geschlossen worden. Reuther bezeichnet auch das als "Horrorgeschichte". Rabenstein ohne Schule. Für ihn war das unfassbar. Sichtlich stolz ist er nun auf das sanierte Gebäude und die dahinterliegenden Sportanlagen, die auch vom Verein Handwerk Rabenstein genutzt werden.


Das ist Rabenstein

1897 fusionierten Ober- und Niederrabenstein. 1950 wurde die Gemeinde nach Karl-Marx-Stadt eingemeindet.

Zwischen 2008 und 2017 hat sich die Bevölkerung Rabensteins um 8,2Prozent erhöht.

Ende Februar 2019 waren 4739 Personen in Rabenstein gemeldet. Der Stadtteil ist sieben Quadratkilometer groß. Auf einem Quadratkilometer leben im Schnitt 676 Einwohner.

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