Rad weg - und die Versicherung zahlt nicht

Im April wurde das E-Bike eines Chemnitzers gestohlen. Bisher erhielt er nur einen Teil des Geldwertes zurück. Seine Versicherung verweist auf die Dauer der polizeilichen Ermittlungen.

Dreifach hatte Wolfgang Heller* sein E-Bike gesichert. Doch genützt hat ihm das nichts. Im abgeschlossenen Kellerabteil eines Wohnhauses in Helbersdorf war das 3500 Euro teure Rad mit einer Kette und einem Panzerkettenschloss befestigt - trotzdem wurde das Pedelec gestohlen. Das war Anfang April. Wolfgang Heller erstattete Anzeige bei der Polizei. Das Verfahren war ihm schon bekannt. Denn auch der Vorgänger seines Fahrrades, ebenfalls ein E-Bike, wurde gestohlen - Ende 2015.

Nach der Anzeige bei der Polizei informierte Heller seine Versicherung über den Diebstahl. Denn der Chemnitzer hatte vorgesorgt und seine Hausratversicherung um eine Zusatzversicherung für sein E-Bike erweitert. Doch sie zahlte vorerst nur einen Teil der Versicherungssumme aus und nennt dafür auch einen Grund: Um weiteres Geld zu erstatten, müsse nachgewiesen sein, dass das Fahrrad tatsächlich durch gewaltsames Eindringen in den Keller von Wolfgang Heller gestohlen wurde, teilt ein Sprecher der Versicherung auf Anfrage mit. Um das festzustellen, benötige das Unternehmen die Ermittlungsunterlagen der Chemnitzer Polizei. Als Versicherer habe man allerdings keinen Einfluss auf die Dauer der polizeilichen Ermittlungen, so der Sprecher.


Bis vor kurzem befanden sich die Akten noch zur Bearbeitung bei der Polizeidirektion. Auf Nachfrage von "Freie Presse" teilte eine Polizeisprecherin Ende August mit, dass die Anzeige vor wenigen Tagen an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden sei. Dort wurde die Akte jedoch noch nicht erfasst, so Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart.

Inzwischen sind fünf Monate seit dem Diebstahl vergangen. Wolfgang Heller ärgert sich, dass es bei der Polizei nicht schneller geht: "Als ich nachgefragt habe, hieß es, dass viel zu tun sei. Ich vermute, dass die Beamten überlastet sind und es anderen Diebstahlsopfern ebenso geht wie mir." Doch das dürfe nicht der Regelfall sein, sagt Heller - und fragt nach Fristen, innerhalb derer Ermittlungen abgeschlossen werden müssen. Generell gelte für Straf- und Bußgeldverfahren ein Beschleunigungsgebot, so eine Polizeisprecherin. Das heißt, die Verfahren sollen so schnell wie möglich abgeschlossen werden. In Sachsen gibt es zudem die Vorschrift, dass die Staatsanwaltschaft innerhalb von sechs Monaten Kenntnis über Straftaten erhält, zu denen die Polizei ermittelt, erklärt die Sprecherin. Insbesondere einfachere Fälle wolle man schnell abschließen und der Staatsanwaltschaft übergeben. In den ersten sieben Monaten des Jahres sei dies bei fast 80 Prozent der Straftaten innerhalb von drei Monaten gelungen.

Im Fall von Wolfgang Heller seien die Ermittlungsakten nach rund vier Monaten weitergeleitet worden. Seine Vermutung, dass die Polizei viel zu tun hat, bestätigt die Sprecherin: "Auch, was die Ermittlungen zu Fahrraddiebstählen betrifft." Das Rad sei nicht mehr nur reines Fortbewegungsmittel, sondern inzwischen Sport- und Lifestyleobjekt. Das habe mehr Diebe auf den Plan gerufen. 2016 wurden der Polizei in der Stadt 1127 Fälle von Fahrraddiebstahl angezeigt (111 mehr als 2015), die Aufklärungsquote betrug 18,3 Prozent. "Damit liegen wir bundesweit deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Städte", so die Sprecherin. Eine Statistik zu gestohlenen E-Bikes werde nicht geführt.

Die Versicherung, bei der Wolfgang Heller Kunde ist, verzeichnet einen Anstieg der Anzahl gestohlener E-Bikes, da auch die Verkaufszahlen dieser Räder in die Höhe geschnellt seien. Generell liege die Anzahl abhanden gekommener Räder auf hohem Niveau, berichtet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. 2015 seien in Deutschland 200.000 versicherte Fahrräder gestohlen worden. Die Zahl verbleibe damit auf dem Spitzenwert von 2014, so der Sprecher.

Und wie sichert Wolfgang Heller nun sein mittlerweile neu erworbenes Fahrrad? "Es steht in meiner Wohnung. Zum Glück gibt es einen Fahrstuhl. Aber normal ist das nicht", sagt er.

*Name von der Redaktion geändert

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...