Rätsel um eine Schreibmaschine

"Continental", "Erika" und "Groma" sind Marken aus Sachsen, die noch viele kennen. Doch jetzt ist eine Schreibmaschine aufgetaucht, die selbst Fachleuten bisher nicht bekannt war.

Sachsen war ein Schreibmaschinenland. Das weiß kaum jemand besser als Reinhold Schubert. Denn der Hartmannsdorfer sammelt seit mehr als 30 Jahren historische Schreibmaschinen und hat sich dabei besonders den Erzeugnissen sächsischer Hersteller dieser mechanischen Schreibapparate verschrieben, deren Serienfertigung um 1900 begann und die heute fast vollständig von Computer-Tastaturen abgelöst sind.

"Sachsen, einst das industrielle Herz Deutschlands, war im 20. Jahrhundert ein zentraler Standort der Büromaschinenfertigung in Europa", weiß der Sammler, der auch ein Buch darüber geschrieben hat und eine Internetseite (https://saechsischeschreibmaschinen.com) zu dem Thema betreibt. Einst bekannte Marken wie die "Continental" aus den Wanderer-Werken in Chemnitz-Schönau, "Groma" aus Markersdorf und "Erika" aus Dresden sind bis heute vielen noch ein Begriff. Solche Schreibmaschinen repariert und restauriert Schubert auch. Durch einen Auftrag dazu bekam er vor einiger Zeit ein Exemplar in die Hände, das auch ihn vor ein Rätsel stellte.


"Die Maschine war in einem sehr schlechten Zustand", erzählt der 71-Jährige. Es seien keine Angaben zu einem Hersteller darauf zu finden gewesen. Die Bauweise und das technische Niveau hätten auf die 1920er-Jahre hingewiesen, so der Hartmannsdorfer. Aber eine solche Maschine sei in der Sammlerschaft bisher unbekannt gewesen. "Es glich einer Revolution, dass nach etwa 100 Jahren eine bis dato unbekannte Schreibmaschine auftaucht", beschreibt Schubert die Reaktion in Sammler-Kreisen. Eine Veröffentlichung im Fachblatt des Vereins Internationales Forum Historische Bürowelt (IFHB) habe für große Aufmerksamkeit gesorgt.

Anfang dieses Jahres habe sich daraufhin ein Berliner Sammler gemeldet, der eine fast identische Schreibmaschine gefunden hatte. Diesmal trug die Maschine ein Firmenlogo, das allerdings ziemlich abgenutzt war, berichtet Schubert. Zu erkennen sind der Name J. F. Schönher(r) als Hersteller, die Marke "SAXONIA" für die Schreibmaschine und vom Namen des Herstellungsortes nur noch der letzte Buchstabe, ein "z". Die beiden Maschinen tragen die Nummern 2 und 7, sodass es sich um eine Kleinserie gehandelt haben könnte, vermutet der Hartmannsdorfer Sammler.

Nachdem Nachforschungen in mehreren sächsischen Orten, deren Namen auf "z" enden, erfolglos geblieben waren, hätten sich die Sammler bei ihrer Suche auf Chemnitz als wahrscheinlichen Produktionsort konzentriert. Das Sächsische Industriemuseum wurde um Mithilfe gebeten. Dort fand Mitarbeiter Wolf Schule heraus, dass im Chemnitzer Adressbuch ab 1923 ein Friedrich Schönherr mit dem Zusatz Schreibmaschinen-Reparatur in der Zietenstraße 30 eingetragen war. "Deshalb ist es wahrscheinlich, dass dieser Friedrich Schönherr der Hersteller der unbekannten Schreibmaschine sein könnte", schlussfolgerte Schubert. Es fehlten nur noch schlüssige Beweise dafür.

Aus diesem Grund wandte sich der Sammler jetzt mit der Bitte um Unterstützung an die "Freie Presse". "Wir würden uns freuen, wenn Chemnitzer, die Schönher oder Schönherr heißen, einmal in alten Familienunterlagen nachkramen, ob sie dort vielleicht ein Schriftstück oder ein Foto finden, die auf einen Vorfahren mit Vornamen Friedrich hindeuten, der ab 1923 in der Zietenstraße 30 eine Schreibmaschinen-Reparaturwerkstatt betrieben hat", so Schubert. Am glücklichsten wäre die Sammlerwelt, wenn sogar noch eine gleiche Schreibmaschine auftauchen würde, erklärt der Hartmannsdorfer. Er und die "Freie Presse" würden dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit davon erfährt.

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