Randalierer schänden Gedenkstein

Ein Mahnmal zur Erinnerung an Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, ist beschädigt worden. Doch für die Sanierung fehlt Geld.

Altendorf.

Wer sich Mühe gibt, kann gerade noch entziffern, was auf der Vorderseite des 1,50 Meter hohen Granitblocks neben der Matthäuskirche in bronzenen Lettern geschrieben steht: "Im Gedenken an die Opfer von Deportation, Flucht und Vertreibung in Folge des Zweiten Weltkriegs" heißt es da. Allerdings: In den meisten Wörtern fehlen Buchstaben, in manchen ist sogar mehr als die Hälfte verschwunden. "Das ist in der Nacht zum 5. April passiert. Als ich am nächsten Morgen vorbeikam, sah der Stein so aus", erinnert sich Florian Braun, der umgehend die Polizei informiert habe. "Da ist aber nichts rausgekommen."

Der 66-Jährige ist Mitglied der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, der in Sachsen rund 150, in Chemnitz etwa 50 Familien angehören. Auf seine Initiative hin wurde der Gedenkstein am 12. September 2015 in dem kleinen Park an der Waldenburger Straße errichtet. Die Fläche, die der Stadt gehört, habe diese damals ersatzweise vorgeschlagen - eigentlich wollte der Verein das Monument auf dem Städtischen Friedhof aufstellen lassen. "Das ging aber nicht, weil es sich um kein Grab handelt", sagt Braun. Die Idee für das vom Freistaat finanzierte Mahnmal, dessen Kosten etwa 2400 Euro betrugen, sei ein Jahr zuvor entstanden: 2014 wurde in Sachsen ein Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung eingeführt, der seither am zweiten Sonntag im September begangen wird.


Die Kosten für die Sanierung schätzt Braun auf etwa 1000 Euro. Mit einem Steinmetz hat er bereits Kontakt, der den Stein vorübergehend entfernen soll, um die Inschrift zu erneuern. Dabei sei nicht etwa geplant, die fehlenden Buchstaben einfach wieder zu ergänzen. Stattdessen soll der Text in seinem Wortlaut unverändert bleiben, aber in den Granit hineingraviert werden. Das Geld habe man allerdings noch nicht komplett zusammen - weswegen Braun auf Spenden hofft.

Dass es sich bei der Attacke Anfang April um eine Form von politischem Vandalismus gehandelt hat, glaubt er indes nicht. "Dann hätten die Täter sicherlich noch irgendwelche Parolen oder andere Zeichen ihrer Gesinnung hinterlassen", sagt er. Der 66-Jährige wurde in Sibirien, in der Nähe von Krasnojarsk, geboren. Dorthin waren seine Eltern - Wolgadeutsche - unter Stalin vertrieben worden. Seit 40 Jahren lebt er in Chemnitz. Den Ort seiner Herkunft habe er bis heute nie wieder besucht. "Das reizt mich nicht. Ich habe noch Verwandte dort, aber die kommen lieber her", sagt Braun.

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