Rasenmahd - Mieter wollen Gras länger wachsen lassen

In Wittgensdorf und Ebersdorf setzen sich Bewohner für Blumenwiesen ein. Doch in einigen Arealen sind häufige Grünschnitte besonders wichtig.

Wittgensdorf/Ebersdorf.

Kurz oder lang, wachsen lassen oder in kurzen Abständen raspelkurz mähen: Die Diskussion um die Rasenpflege geht weiter. Vergangene Woche hatten sich mehrere Mieter in der "Freien Presse" dafür ausgesprochen, das Gras länger wachsen zu lassen. Zum einen sollen so Bienen und andere Insekten mehr Futter bekommen, zum anderen war auch das laute Geräusch von Rasentraktoren auf Kritik gestoßen. Nun haben sich weitere Bewohner von Mehrfamilienhäusern gemeldet. Auch sie sind dafür, dem Rasen mehr Zeit zum Wachsen zu geben.

So wie Matthias und Dagmar Smoliner in Wittgensdorf. Sie haben in ihrer Wohnanlage, die der Wohnungsbaugenossenschaft Burgstädt gehört, ihre Idee umgesetzt, Blumeninseln als Bienenweiden anzulegen. Die Rasenmahd soll nach den Vorstellungen der Smoliners auf den großzügigen Grünflächen ihres Wohngebiets zwar auch weiterhin so regelmäßig wie bisher erfolgen, aber nur in jenen Bereichen, die von den Mietern oft oder regelmäßig begangen werden, etwa zum Aufhängen von Wäsche. Alle anderen Grünbereiche sollen nicht mehr so häufig gemäht werden. "Das Gras auf diesen Wiesen könnte somit als Blumenwiese und Bienenweide etwa vier Wochen bis zur nächsten Rasenmahd stehen bleiben", schreibt das Ehepaar. Es ist von seiner Idee überzeugt. Der so reduzierte Grünschnitt könnte ein Beitrag zu nachhaltiger Umweltpflege sein, sagen beide. Den Gärtner, der im Auftrag der Wohnungsbaugenossenschaft für die Grünpflege in der Wohnanlage verantwortlich ist, haben sie von der Idee schon überzeugen können. Er hat in der vergangenen Zeit auf vielen Flächen das Gras nicht gemäht. Dagegen steht das Grün rund um Sitzgruppen und Bänke sowie auf dem Wäscheplatz sehr kurz. Auch mit den anderen Mietern der Wohnanlage habe er gesprochen und sie von seiner Idee überzeugt, sagt Matthias Smoliner. "Die Unterstützung ist groß." Zudem mache das häufige Rasenmähen gerade jetzt während der hohen Temperaturen gar keinen Sinn. "Aus dem Rasen wird wegen der Hitze ganz schnell eine braune Wüste", so Smoliner.


Die Wohnungsbaugenossenschaft Burgstädt hat die Grünflächen in der Wittgensdorfer Wohnanlage im Auge. "Nicht jede Ecke muss klinisch rein sein und wir sagen auch nicht, dass es nicht in Frage kommt, das Gras länger stehen zu lassen", sagt Vorstand Jürgen Linke. Dennoch wolle man sich ein eigenes Bild machen und deshalb die Mieter zum Thema Grünpflege befragen. "Wir wollen wissen, wie die Stimmung unter den Bewohnern ist", so Linke. Danach werde man eine Entscheidung treffen, ob bestimmte Flächen länger nicht gemäht werden und somit die Idee der Familie Smoliner dauerhaft umgesetzt wird. Allerdings werde in den nächsten Tagen das Gras in der Wohnanlage erst einmal wieder gekürzt. "Ein Schnitt steht an", so Linke.

Wenige Meter weiter in Ebersdorf denkt Mieter Gottfried Stockmann ähnlich wie die Smoliners. "Ich würde es gern sehen, dass das Gras höher wächst und nicht so oft gemäht wird", sagt er. Seinem Vermieter, der Sächsischen Wohnungsgenossenschaft, hat er den Wunsch schon mitgeteilt. Die steht dem Vorhaben durchaus aufgeschlossen gegenüber, sagt Vorstand Lutz Voigt. Wichtig sei jedoch, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Deshalb müsse das Gras auf Zugängen zu Spielplätzen und Wäscheplätzen regelmäßig kurz geschnitten werden. Derzeit würde jedoch wegen der Hitze gar nicht gemäht, so Voigt. Das Gras verbrenne einfach zu schnell. Danach wolle man einen Konsens finden. Zudem trage sich die Genossenschaft mit dem Gedanken, ungenutzte Flächen zu erweitern und das Gras dort länger stehen zu lassen.

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 5 Bewertungen
8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 3
    0
    ralf66
    28.06.2019

    @AmZeisigwald, kurz und bündig, sie haben völlig recht.

  • 6
    0
    AmZeisigwald
    28.06.2019

    Wird gemäht...wird gemeckert.Wird nicht gemäht...wird gemeckert.
    Am besten rufen die Rentner an, wenn sie denken das etwas passieren soll.
    Aber den Gras beim Wachsen zuschauen ist auch spannend...

  • 2
    3
    ralf66
    28.06.2019

    @Täglichleser, sie gehen doch nicht etwa von ihrem ''Husndeckl voll Gros'' in Garten aus? Bei der Grasmahd im öffentlichen Raum geht es um viel Fläche, wenn Sie alles mit Balkenmäher und Motorsense mähen wollen brauchen Sie viel mehr Leute dazu, es dauert viel länger weil das Gras extra noch zusammengerechnet werden muss und teurer werden die Arbeiten auch, vom Schnittbild ganz mal abgesehen.
    @ChWtr, es geht hier nicht um Gartenarbeit, es geht hier um die Rasenflächen in städtischen Wohngebieten also um viel Fläche. Sie wollen also alles mit der Sense wie früher mähen, dann schauen sie sich zuerst einmal alte Bilder aus der Zeit an, wo man das hauptsächlich noch so machte, sie werden danach feststellen, dass früher viel Leute auf einem Feld gearbeitet haben, wo heute noch ein Traktor mit einem Mann auf gleicher Fläche arbeitet. Ich glaube nicht, dass es ausgerechnet ihnen gelingt diese Entwicklung rückgängig zu machen und wissen sie; ich glaube hätte man schon vor 200 Jahren die Technik gehabt wie heute, hätten die sich auch nicht mit der Sense hingestellt und Rasen gemäht!

  • 6
    3
    ChWtr
    28.06.2019

    Manno - das Thema ist immer noch nicht durch?

    Habe gerade knapp 900 km AB hinter mir und dachte, setzt dich doch gepflegt auf die Terrasse, genieß deinen Feierabend mit einem Bierchen und betrachte deinen Rasen, ob sich darin auch ja genügend Insekten tummeln.

    (mein Rasen ist übrigens unbehandelt)

    Aber was muss ich hier lesen: es geht nach wie vor um die Rasenhöhe und wie man damit umzugehen hat / soll / muss.

    Nur so viel abschließend von mir, um das leidige Problem der Schnitthöhe von einer (ganz) anderen Seite zu betrachten. Wer eigentlich kennt noch 'ne Sense sowie das Dengeln der Schneide. Na wer? Handarbeit gibt's heutzutage wohl nicht mehr - out!

    In! Es muss alles elektrisch, pneumatisch oder per Verbrennungsmotor gehandhabt werden, nicht nur die Gartenarbeit (...) - aber das ist ein anderes Thema.

    Und die tollste Erfindung nach Einsteins Relativitätstheorie: Laubsauger ! ???

  • 3
    2
    Täglichleser
    28.06.2019

    @Ralf Da gibt es viele Möglichkeiten, wenn
    hohes Gras, vielleicht schon eine Bergblumenwiese steht, zu mähen. Sense,
    Balkenmäher, Trimmer mit Faden oder Metallscheibe oder auch hoch oder tief zu stellende Heckenschere. Der Industrie ist es recht, wenn jeder 10 mal mäht im Jahr auch auf grossen Flächen einen englischen Rasen produziert. Lange Laufzeiten, schnellere Abnutzung, Gerät geht schneller kaputt. Aber das Wetter mit Trockenheit lässt das Gras nicht so gut wachsen. Also wachsen lassen ist ökologischer und gut für unsere Insekten. Und Rasen herstellen ist schwierig z.Z. Die Laufwege müssen dann bewässert werden. Viel Spass beim Mähen.

  • 5
    8
    ralf66
    28.06.2019

    Ihr roten Daumengeber, dann lasst doch in euren Kleingarten mal das Gras 30 cm hoch werden und dann ran mit dem Rasenmäher, viel Spaß dabei. Schade, dass in heutiger Zeit immer mehr Menschen der Sachverstand abhanden kommt.

  • 7
    14
    ralf66
    28.06.2019

    Es stand ja letztens schon mal so ein Artikel in der FP zu diesem Thema, und man musste feststellen; hier werden nicht alle Punkte zum Thema beleuchtet. Es gibt nur zwei Möglichkeiten; entweder man lässt das Gras generell stehen wie in der Natur oder man mäht es regelmäßig und regelmäßig heißt, wie die Technik zum mähen von Gras beschaffen ist, verschiedene Höhen Gras überhaupt mähen zu können. Man kann nicht einfach Gras so hoch werden lassen, dass man mit der vorhandenen Technik nicht mehr durchkommt, es nicht mehr schafft das Gras zu mähen! Normale Rasentraktoren haben schon über 10 cm Graslänge das Problem, dass nicht mehr mit angemessener Geschwindigkeit gemäht werden kann, da fährt man dann total langsam oder stellt zwei verschiedene Höhen ein und fährt alles zweimal, dann kommt es noch darauf an, wann gemäht wird, bis zum Mittag ist bei höherem Gras das Gras unten immer nass, dass erschwert weiter das mähen, weil sich das Gras erstens zu lang, zweitens zu nass, schlecht in den Auffangkorb oder Behälter des Mähgerätes transportieren lässt, der Rasentraktor verstopft ständig. Bei Rasentraktoren die hohes Gras mähen können ist das Schnittergebnis für gepflegte Grünanlagen unzureichend, solche Mähgeräte sind was für Wanderwege zum Beispiel. Größere Geräte zum Gras mähen, die lange Graslängen problemlos schaffen können, können oft auf städtischen Anlagen oder auch an Wohnanlagen nicht eingesetzt werden weil sie nicht wendig genug sind einfach zu groß sind oder zu teuer sind. Das nächste Problem was auftreten wird, wenn Gras zu hoch steht kommt unten in Bodennähe kein Licht ran, dort wird es grau braun was weiß ich, wenn man es dann gemäht hat kommen so graugrüne Anlagen dabei heraus. Wenn Gras grau wird bei Dürre, dann zu erst in künstlich geschaffenen Grasflächen, die mit Bordsteinen eingefasst sind und kein tiefgründiges Erdreich haben, dass kann natürlich mit etwas längerem Gras hinausgezögert werden um die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Meiner Meinung nach kümmern sich hier Bewohner um ungelegte Eier, sinnlos eigentlich, die sitzen nicht auf diesen Geräten um das Gras zu mähen, kennen die Schwierigkeiten dazu nicht aber meckern. Früher in der DDR, wo vieles wildwuchernd zugewachsen war, da war's vielen nicht recht, heute wo man versucht alles bisschen in Ordnung zu halten ist es wieder zu viel.

  • 19
    2
    cn3boj00
    28.06.2019

    Endlich setzt sich ein Umdenken langsam durch. Natürlich soll man Spiel- und Wäscheplätze entsprechend pflegen, aber Blumenwiesen dort, wo diese möglich sind, sind allemal die bessere Alternative.



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