Rathaus bereinigt Schandfleck und baut Parkplatz

Mitten in der Innenstadt sprießen hinter einem Bauzaun wilde Büsche. Nun kauft die Stadt das Grundstück - nach komplizierten Verhandlungen.

Limbach-Oberfrohna.

Es war im Januar 2018, als die Stadtratsfraktion der Freien Wähler in Limbach-Oberfrohna mit dem Antrag Erfolg hatte, 250.000 Euro für weitere Parkplätze im Umfeld des Johannisplatzes in den Doppelhaushalt für 2018/19 einzustellen. Nun sind jene beiden Jahre fast vergangen, das Geld wurde bislang aber nicht ausgegeben. Die Umsetzung des Vorhabens scheiterte daran, dass das Rathaus bislang keine passende Fläche gefunden hatte. Das hat sich jetzt geändert. Die Stadt will einen Parkplatz auf jener Fläche bauen, die sie schon vor zwei Jahren im Visier, aber noch nicht zur Verfügung hatte.

Die Rede ist vom Grundstück Hechinger Straße 4, das gegenüber der Einmündung der Moritzstraße liegt. Es sorgt in der Innenstadt für einen unschönen Kontrast: Zwischen den sanierten Bürgerhäusern blickt man auf eine ungepflegte Brachfläche, auf der Büsche hervorragend gedeihen und die notdürftig eingezäunt ist. Das Areal befand sich bislang in Privatbesitz. Oberbürgermeister Jesko Vogel berichtete im Verwaltungsausschuss des Stadtrates in dieser Woche, wie Rathaus-Mitarbeiter monatelang mit der Eigentümerin verhandelten: Demnach bot die Kommune verschiedene Varianten des Ankaufs an, brachte auch einen Grundstückstausch ins Gespräch. Doch alle Bemühungen hatten lange keinen Erfolg - vielleicht auch, weil die aus dem Ausland stammende Besitzerin der deutschen Sprache nur teilweise mächtig ist und es Kommunikationsprobleme gab.

Erst die Einschaltung einer Vermittlerin, die die Muttersprache der Eigentümerin beherrscht, brachte den Erfolg: Dem Rathaus liegt nun die Zusage über den Verkauf des Grundstückes vor. Auch der Ausschuss stimmte einstimmig zu. Die Stadt kann damit die gut 1000 Quadratmeter große Fläche zum Preis von 110.000 Euro erwerben. Das Rathaus hofft darauf, zwei Drittel der Summe durch Fördermittel finanzieren zu können. Der Kaufvertrag soll noch in diesem Jahr beurkundet werden. Vorgesehen ist, den Parkplatz 2020/21 zu bauen. Das nötige Geld wird in den nächsten Doppelhaushalt übertragen.

Bei Gewerbetreibenden in der Innenstadt trifft das Projekt auf Zustimmung. "Es ist wichtig, dass diese Dreckecke verschwindet", sagt Thomas Windisch, der stellvertretende Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins (HGV). Die Fläche sehe schlimm aus und trübe so das Erscheinungsbild der Innenstadt. Windisch erinnert daran, dass Mitglieder des HGV einst bei einem Frühjahrsputz das Grundstück Hechinger Straße 4 von Müll und Unrat befreit hatten. "Das ist aber schon viele Jahre her", sagt der Händler, der das Elektronikgeschäft Euronics an der Helenenstraße betreibt. Als künftige Nutzung der Fläche hätte er sich den Bau eines Geschäftshauses vorstellen können, sagt Windisch. Aber auch die Schaffung von mehr Parkplätzen sei eine sinnvolle Sache. "Davon kann man in der Innenstadt nie genug haben." Er hoffe nur, dass die Stellflächen dann auch Kunden zugutekommen und nicht vorwiegend von Anwohnern oder den Mitarbeitern der Läden genutzt werden.

Zu letzterem Punkt hat Daniel Martin eine etwas andere Meinung. Der Inhaber des Café Meyers weist darauf hin, dass seine Angestellten es zeitweise schwer hätten, einen Parkplatz in der Nähe zu finden. Deshalb begrüße er die Pläne der Stadt. Kunden des Cafés könnten ebenfalls profitieren, sagt Martin. "An manchen Tagen gibt es hier ein Parkplatzproblem." Stellflächen seien auch für den Fall wichtig, dass der Johannisplatz zumindest zeitweise für Autos gesperrt wird. Eine Entscheidung zu dieser Streitfrage soll im nächsten Jahr getroffen werden.


Kommentar: Teuer, aberrichtig

Für die Brachfläche an der Hechinger Straße greift die Stadt tief in die Tasche. Ein Preis von knapp 110 Euro pro Quadratmeter ist für Limbach-Oberfrohnaer Verhältnisse sehr viel, selbst wenn es sich um Innenstadtlage handelt. Trotzdem wurde in dieser Angelegenheit nun die beste Lösung gefunden. Denn die Alternative wäre offenbar gewesen, dass das ungepflegte Grundstück weiter vor sich hin vegetiert.

Ein Parkplatz kann mehr Kunden in die Innenstadt locken. Sich davon allein eine Belebung des Zentrums zu erhoffen, wäre allerdings vermessen. Dazu gehört mehr - ein vielfältiger Branchenmix genauso wie attraktive Aktionen der Händler. In dieser Hinsicht gibt es in Limbach-Oberfrohna noch Luft nach oben.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    2
    cn3boj00
    18.10.2019

    Na ja zumindest eingezäuntes wildes Grün ist ja nicht allzu sinnvoll. Aber einen neuen Parkplatz neben einem schon bestehenden, das halte ich echt für nicht sinnvoll. Grün mitten am Johannisplatz? Dafür gibt es doch den Stadtpark! Lieber sitzt man bei Meyers doch direkt neben den Abgaswolken der Autos. Andere Städte wollen den Autoverkehr verbannen, in Limbach zieht man ihn an. Ob dadurch wirklich mehr Leute in die Stadt kommen, von denen die Händler oder auch nur der Charme einer Kleinstadt profitiern? Ich bezweifle das und finde es nicht gut.

  • 3
    1
    Kastenfrosch
    18.10.2019

    Nein nein, "wildes Grün" mitten in der Stadt kann niemand wollen. Wir brauchen mehr versiegelte Flächen. Davon kann man wahrlich nie genug haben.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...