Rathaus will Stadionpacht auch nach Aufstieg nicht erhöhen

Die Stadt geht auf Forderungen des CFC- Insolvenzverwalters ein. Zudem soll der Club eine Möglichkeit für zusätzliche Einnahmen erhalten. Die Oberbürgermeisterin spricht von einem Bekenntnis für den Verein.

Wenn es um den CFC geht, hat die Stadt Chemnitz in den zurückliegenden Jahren vieles möglich gemacht. Der Verein erhielt 2016 zunächst eine moderne Spielstätte, die der Steuerzahler finanziert hatte. Als es darum ging, den CFC für entgangene Rechte am Grundstück zu entschädigen, überwies die Kommune 1,2 Millionen Euro - Geld, das eine Insolvenz des Vereins verhindern sollte. Als der Chemnitzer FC dann doch pleite war, durfte er auf eigenen Wunsch die Stadionbetreibung abgeben, um die Arena anschließend spieltagsweise wieder anzumieten.

Jetzt will die Rathausspitze auch auf Forderungen des CFC-Insolvenzverwalters eingehen, die Höhe der Pachtzahlungen im Falle eines Aufstieges in die Dritte Liga auf dem Niveau der Vierten Liga einzufrieren. Obendrein soll der Verein die Vermarktungsrechte an der Arena zurückerhalten. Die hatte er schon einmal inne, aber dann freiwillig abgegeben. Über die Vorschläge von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig und Finanzbürgermeister Sven Schulze (beide SPD) muss der Stadtrat noch abstimmen, voraussichtlich am 6. März. Dass der Verein bereits Ende Februar seine Lizenzunterlagen beim Deutschen Fußballbund einreichen muss, sei unproblematisch. Man könne den neuen Vertrag nachreichen, so Ludwig.


Das Stadtoberhaupt nannte die neuen Pläne am Dienstag ein "Bekenntnis der Stadt zum CFC und zu seinen Fans". Die Entscheidungen der zurückliegenden Jahre seien richtig gewesen, weil die CFC-Fans "maßgeblich dazu beitragen, dass es der Stadt gut geht", wie Ludwig sagte. Sie gingen arbeiten, zahlten Steuern und trügen zur Wertschöpfung bei, fügte die OB hinzu. Nach der Insolvenz des Vereins habe man neue Lösungen finden müssen, und man habe sie gefunden.

Nach den ursprünglichen Verträgen, die im Zuge des Stadionneubaus geschlossen wurden, sollte der CFC in der Dritten Liga knapp 800.000 Euro für die Stadionnutzung zahlen, 612.000 Euro als Anteil an den Betreibungskosten, weitere 180.000 Euro als jährliche Pacht. Nach dem Abstieg im vergangenen Jahr und der anschließenden Insolvenz reduzierte die Kommune ihre Forderungen um drei Viertel, weil der CFC die Arena auf Wunsch der Verantwortlichen nur noch an den jeweiligen Heimspieltagen anmieten wollte. Rund 190.000 Euro jährlich muss der Chemnitzer FC seitdem für die Stadionnutzung zahlen. Bei annähernd dieser Summe soll es auch in der nächsten Saison bleiben - selbst dann, wenn der Club in die Dritte Liga und damit in den Profifußball zurückkehren sollte.

Einzige Bedingung der Rathausspitze ist der Erhalt des CFC-Nachwuchsleistungszentrums. Die Kommune will aber auch hierbei finanzielle Unterstützung leisten und zwei weitere Trainerstellen aus dem städtischen Haushalt finanzieren.

Bewertung des Artikels: Ø 4.4 Sterne bei 8 Bewertungen
4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    6
    BlackSheep
    30.01.2019

    Schon irgendwie komisch, die die mit den wenigsten Erfolgen werden am meisten gefördert, ob das Methode ist?

  • 4
    5
    cn3boj00
    30.01.2019

    Nun hats der Fußball wieder mal geschafft. Andere Sportstätten, deren Sanierung die Stadträte uns 2016 versprochen hat, warten weiter. Die Eisschnelllaufbahn zum Beispiel ist so marode, dass jederzeit eine Stilllegung möglich ist. Und ohne Sanierung wird Chemnitz als Bundesstützpunkt gestrichen. Dabei hat Sachsen mit dieser Bahn den zahlenmäßig größten und deutschlandweit erfolgreichsten Nachwuchs, von der öffentlichen Nutzung ganz zu schweigen. Aber die Freunde dieses Sports sind offenbar für die Frau OB nicht so wichtig, sie gehen wohl nicht arbeiten und zahlen keine Steuern.

  • 9
    5
    acals
    30.01.2019

    Der Stadtrat wird sich damit auseinanderzusetzen haben wie er diese Aussage im 3. Absatz interpretiert, stellt sich doch die Frage was die anderen 98 % der Chemnitzer Buerger den lieben langen Tag so machen.

  • 17
    14
    Hinterfragt
    30.01.2019

    Wenn das Rathaus mal bei anderen, für die breite Öffentlichkeit nützlichen Einrichtungen so freigiebig mit den Finanzen wäre ...



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