Rathausuhr-Glocke läutet wieder

Zwei Monate blieb es hoch über dem Waldenburger Markt stumm - bis gestern ein Callenberger auf den Turm stieg.

Waldenburg.

Das Waldenburger Rathaus scheint ein angenehmer Arbeitsort zu sein. Saubere Räume, modern eingerichtet, gut beheizt. Doch davon hat Tilo Aurich gestern nichts mitbekommen. Der 42-Jährige war ganz oben unter dem Dach zugange - umgeben von Staub, Dreck, Fliegen und reichlich Luftzug. Aurich ist Elektrotechnikmeister und war aus einem bestimmten Grund in Waldenburg: Etwa zwei Monate hat die Glocke der Rathausuhr keinen Ton mehr von sich gegeben.

Aurich soll das beheben. Seit 20Jahren kümmert er sich um das Zählwerk und Geläut. Damals übernahm er sein Geschäft in Callenberg von Turmuhrenmeister Gerhard Vogel. Den Beruf gibt es heute gar nicht mehr. "Ich selbst repariere hauptsächlich Steuerungsmaschinen für die Industrie", sagt Aurich. Warum die Glocke an Waldenburgs Rathaus zuletzt ihren Dienst verweigerte? Aurich: "Ein Motor, der den Hammer der Glocke aufzieht, ist defekt. Ich habe ihn ausgetauscht." Vom Dachgeschoss direkt hinter dem großen Ziffernblatt klettert Aurich über zwei nicht sehr vertrauenserweckende Holzleitern dorthin, wo die Schalenglocke aus dem 18.Jahrhundert hängt. Schwindelfreiheit gehört zum Job ebenso dazu wie das technische Know-How.

An eine so lange Stummphase wie jüngst kann er sich nicht erinnern. Dass die Reparatur so lange gedauert hat, habe an den benötigten Teilen gelegen, auf die der Elektrotechnikmeister gewartet hat. "Die mussten wir uns liefern lassen, und eine kleine Firma wie meine wird da oft mal hingehalten." Auf der anderen Seite, so sagt er, ist eine Glocke auch nicht das Wichtigste der Welt. Thomas Pönitz würde das wohl nicht unterschreiben. Erhat seine Apotheke direkt neben dem Rathaus. "Für mich ist so eine Glocke ein Musikinstrument und ein Stück Waldenburg", sagt er. "Das gehört einfach zur Stadt und zu unserer Identität." Es war Pönitz, der die Verwaltung auf den fehlenden Gong zur vollen und halben Stunde aufmerksam machte.

Aurich kann Pönitz beruhigen: "Im Normalfall sollte die nächsten zehn Jahre nichts passieren." Hoffentlich zumindest. Denn Ärger mit der Uhr gab es zuletzt genug. Erst im März liefen die Zeiger bereits auf Sommerzeit, während offiziell noch Winterzeit war. Als die Sommerzeit dann kam, stellte sich die Uhr erneut um eine Stunde vor. Der Grund war in diesem Fall ein falsches Funksignal. Gut, wenn man in solchen Fällen auf Tilo Aurich zurückgreifen kann, der in staubiger Höhe das Uhrwerk wieder zum Laufen bringt.

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