Rauchfrei-Aktion - Wie Fahrgäste reagieren

Vor einem Jahr hat der städtische Verkehrsbetrieb CVAG die Kampagne "Gegen den blauen Dunst an Haltestellen" gestartet. Wird jetzt in Wartebereichen weniger geraucht?

"Danke, dass Sie hier nicht rauchen"- mit diesem Slogan sollen die Chemnitzer an Bus- und Straßenbahnhaltestellen davon überzeugt werden, die Wartezeit nicht mit einer Zigarette zu überbrücken. Vor einem Jahr hat die Verkehrsgesellschaft CVAG diese Kampagne gestartet. Seither ist die Aufforderung in deutscher und englischer Sprache auf Aufklebern über den ausgehängten Fahrplänen zu lesen.

Mit der Aktion "rauchfreie Haltestelle" soll vor allem um Rücksicht auf nichtrauchende Fahrgäste geworben werden, sagt CVAG-Sprecher Stefan Tschök. Dies betreffe besonders Mütter mit Kindern, Schwangere und ältere Menschen. Dabei handele es sich "um eine freiwillige Geste im Sinne der Mitmenschen und nicht um ein generelles Verbot", so CVAG-Vorstand Jens Maiwald. Die Kampagne startete an der Haltestelle Theaterplatz, die Haltestellen Roter Turm, Stefan-Heym-Platz, Falkeplatz und Zentralhaltestelle folgten. An einigen Fahrgastunterständen ist nun auch zu lesen: "Ohne Stummel auf dem Boden sieht es hier irgendwie nach Haltestelle aus". In den vergangenen Monaten wurden laut Verkehrsbetrieb alle rund 500 Wartehäuschen mit der Bitte auf Rauchverzicht versehen. 10.000 Euro ließ sich die CVAG die Aktion kosten.

Aber wie wirkungsvoll ist eine solche Bitte auf Aufklebern? Eine Stichprobe der "Freien Presse" ergab: Nicht jeder lässt die Zigarette an der Haltestelle in der Tasche. Womöglich weil die vergleichsweise kleine Aufforderung rechts oben am Aushang übersehen wird, wie ein junger Mann an der Zentralhaltestelle vermutet: "Fast niemand schaut heute noch auf die Fahrpläne, die aushängen. Alles ist digitalisiert, man blickt nur noch auf die elektronische Anzeige, um zu erfahren, wann der nächste Bus oder die nächste Bahn kommt." Hauptsächlich erkundige er sich im Internet über die Fahrpläne. Und dort gibt es keinen Hinweis auf rauchfreie Haltestellen. Eine Mutter, die mit ihrem Kind auf den Bus wartet, befürwortet die Kampagne. "Ich finde es wichtig, dass darauf geachtet wird." Ein Rentner, der an der Haltestelle vorbeilief, sieht die Aktion kritischer: "Schön zu wissen, aber das Hinweisschild ist zu klein und leider liegen hier immer noch zu viele Zigarettenstummel herum."

Die Straßenbahnhaltestellen werden laut Tschök in der Regel zweimal wöchentlich gesäubert. Aller zehn Tage sei Großreinemachen mit einer Kehrmaschine im Plan. Bei einigen Haltestellen, wo mehr Müll als an anderen liegt, werde häufiger gereinigt. Ob die Kampagne tatsächlich dazu führte, dass in Wartebereichen weniger geraucht wird, kann statistisch nicht belegt werden. Eine Vorher-Nachher-Analyse gibt es laut CVAG nicht. Dennoch ziehen die Verantwortlichen nach gut einem Jahr eine positive Bilanz. Über soziale Medien habe das Verkehrsunternehmen Zuspruch erfahren, sagt Tschök. Außerdem sei der Hinweis vor allem dafür gedacht, dass rauchende Fahrgäste darüber nachdenken sollten, ob sie sich eine Zigarette anstecken. (mit dy)

3Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Zeitungss
    21.10.2019

    @epaper: Kürzlich habe ich einen schönen Werbespruch gelesen.
    >RAUCHEN SICHERT ARBEITSPLÄTZE - BESTATTUNG WIEN< . Chemnitz hat sicherlich auch eine solche Einrichtung.

  • 3
    2
    MuellerF
    21.10.2019

    Ich rauche auch an Haltestellen, versuche aber Rücksicht zu nehmen. ZB stelle ich mich nicht so, dass der Wind den Rauch anderen Fahrgästen entgegen treibt. Meine Kippe mache ich aus & entsorge sie im Mülleimer - sofern einer vorhanden ist.

  • 7
    9
    epaper
    21.10.2019

    Ich finde die Idee für Rentner, Nichtraucher und Schwangere gut.
    Der Ansatz ist ok, aber leider lesen es zu wenig Menschen.
    Auf der anderen Seite wird den Rauchern das Rauchen schon in Gaststätten, Bahnhöfen, Flughäfen etc. verboten. An der frischen Luft sollte es erlaubt sein. Wem es nicht gefällt, kann doch Abstand halten.



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