Regenschutz für Künstler - Bühne soll ein Dach bekommen

Schritt für Schritt verhilft der Förderverein der beliebten Freiluft-Spielstätte zurück zu altem Glanz. Die nächsten Stücke stehen auch schon fest.

Schloßchemnitz.

Der monströse Hirsch hat die Blicke fast automatisch auf sich gezogen. Das riesige Tier bildete einen perfekten Teil der Kulisse für "Die Legende vom Stülp-ner-Karl", die das Chemnitzer Theater auf der Freilichtbühne im Küchwald gezeigt hat. Insgesamt haben sich rund 5000 Besucher das Stück unter freiem Himmel angeschaut. Die Produktion hatte am 16. Juni Premiere. 14 Vorstellungen hat das Ensemble gegeben. "Wir sind sehr zufrieden", hatte Stefan Otto, Leiter des Besucherservices, nach der letzten Vorstellung erklärt.

Und auch der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Küchwaldbühne ist mit der Resonanz zufrieden. 2009 haben er und seine rund 70 Mitstreiter die 1991 geschlossene Spielstätte aus ihrem Dornröschenschlaf geholt und sie sukzessive wieder hergerichtet. Zuletzt hatte der Verein im März dieses Jahres hinter der Bühne ein rund 70 Quadratmeter großes Gebäude aus Holz eröffnet, das als Garderobe und Maske fungiert und in dem die Schauspieler Proben absolvieren können. Zudem ist der etwa 400 Meter lange Zaun, der das Areal umschließt, inzwischen vollständig saniert, einschließlich des denkmalgeschützten Teils in Richtung Küchwaldwiese.

Weitere Baumaßnahmen sollen bis zum kommenden Jahr folgen. So ist geplant, die Bühne vollständig zu überdachen. "Gerade Musiker haben natürlich ein Interesse daran, dass ihre Instrumente nicht nass werden, und wir haben wegen dieser Befürchtungen auch schon Absagen kassiert", sagt Esche. Außerdem soll im unteren Teil des Turmes ein Bistro eingerichtet werden - ein solches hat es laut Verein an dieser Stelle bereits zu DDR-Zeiten gegeben. "Das wäre dann während der gesamten Saison geöffnet und nicht nur, wenn Vorstellungen anstehen", so der Vereinschef.

Wie hoch die Kosten für Bistro und Überdachung sind, will Esche nicht sagen. Nur, dass das Projekt wie bei allen bisherigen Baumaßnahmen über Förderer und Sponsoren gestemmt werden müsse, denn ein festes Jahresbudget von der Stadt erhalte der Verein nach wie vor nicht. Genau dies sei aber in Zukunft dringend notwendig - schon allein um die Helfer zu finanzieren, die das Areal in Schuss halten. Das passiere derzeit ehrenamtlich, sei für die Zukunft aber keine Lösung mehr.

Der Wert der im vergangenen Jahrzehnt geleisteten Arbeit zeige sich aktuell in der Nominierung des Vereins für die "Silberne Halbkugel", wie Esche nicht ohne Stolz hervorhebt. Dieser Preis wird alljährlich Ende Oktober vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz Personen oder Personengruppen verliehen, die durch ihre Initiative wichtige Beiträge zur Rettung von archäologischen Denkmalen leisten.

Was das Programm auf der Bühne betrifft, so werden vom 22. bis zum 27. Juli Kinder in einem Theatercamp ein Stück erarbeiten, das am 28. Juli aufgeführt wird. Bei der Entdeckertour über den Schloßberg am 4. August stellt die Freilichtbühne ebenfalls eine Station dar.

Am wichtigsten sind aber die eigenen Stücke. Als solches soll am 19. August zunächst "Rettet Rumpelstilzchen" Premiere feiern, am 24. August schließlich "Die Rote Zora". Dass der Verein erstmals zwei eigene Stücke in einer Saison auf die Bühne bringt, soll eine Ausnahme bleiben. Tatsächlich ist dies laut Esche Ausdruck interner Meinungsverschiedenheiten. "Es gab zwei Lager, die sich nicht einigen konnten", so der Vereinsvorsitzende. Während sich "Rettet Rumpelstilzchen" an jüngere Kinder richte, sei "Die Rote Zora" eher für Heranwachsende geeignet.

In der kommenden Saison wird der Verein zehn Jahre alt. Welches Stück er dann selbst auf die Bühne bringt, steht schon fest: "Anatevka". "Unser künstlerischer Leiter Werner Haas will sich damit einen Traum erfüllen, den er schon seit Jahren hegt", sagt Esche. Die Städtischen Theater schreiben hingegen ihre Heldengeschichten auf der Küchwaldbühne fort. Nach Pippi Langstrumpf, Zorro, Robin Hood, dem Roten Ritter und Karl Stülpner wird 2019 "Die kleine Hexe" nach einem 1957 erschienenen Kinderbuch von Otfried Preußler über die Freiluftbühne toben.

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