Rekordverdächtig - Sachsentag hat Erwartungen voll erfüllt

300.000 Besucher, hervorragende Stimmung und eine neue Bestmarke im Mensch ärgere Dich nicht - das Volksfest in Limbach-Oberfrohna hat die Erwartungen vollauf erfüllt. Nur die Abriegelung einiger großer Bühnen am Freitag- und Samstagabend sorgte für Misstöne.

Seit dem Signal zum Start sind 20 Minuten vergangen. Trotzdem steht Davis Gläß noch ganz am Anfang. Oder besser: wieder am Anfang. Seine Mensch-ärgere-Dich-nicht-Figuren wurden mehrfach rausgeschmissen, sodass sich alle im Starthaus wiedersehen. "Irgendeinen muss ja treffen", sagt der 33-jährige Chemnitzer und ärgert sich höchstens ein bisschen.

Neben und gegenüber von Gläß sitzen seine Freundin Sandra Lutz, deren Schwester Elisabeth sowie Bernd Schludecker, Elisabeths Freund. An derselben Biertischgarnitur haben weitere vier Personen Platz genommen. Und im gesamten Festzelt auf dem Sachsentag-Festgelände mehr als 1000 Personen. Sie alle spielen an gut 250 Brettern Mensch ärgere Dich nicht. Hinzu kommen zwei Außenstellen: In einem mobilen Tauchturm vor dem Schwimmbad Limbomar würfeln und setzen vier Taucher unter Wasser. Und in einer Einrichtung für Betreutes Wohnen an der Helenenstraße kämpfen drei nicht mehr mobile Seniorinnen mit ihrer Pflegerin um den Sieg. Als Moderator Bernd Lindner die Zahl der Teilnehmer auf 1053 beziffert, jubelt das ganze Zelt - Weltrekord.

Davis Gläß jubelt nicht. Das Würfelglück ist ihm nicht hold. Dabei war die Rolle des Verlierers eigentlich für seine Freundin vorgesehen. "Sandra ist die Schlechteste", waren sich die drei anderen zuvor einig. Zumindest verliere sie immer bei Spieleabenden. Und die fänden häufig statt. "Wir mögen viele verschiedene Gesellschaftsspiele", erzählt Elisabeth Lutz. "Bei Familienfeiern muss es aber Mensch ärgere Dich nicht sein", ergänzt Gläß.

Elisabeth Lutz hat offenbar am besten trainiert. Als Erste zieht sie eine Figur ins Ziel. Die 27-Jährige ist mit ihrem Freund aus Baden-Württemberg angereist und verbringt ein Wochenende in der neuen Heimat ihrer Schwester. "Ich habe geguckt, was am Wochenende in der Region los ist. Dabei bin auf den Weltrekordversuch gestoßen und habe uns angemeldet", berichtet Sandra Lutz.

Im Guiness-Buch erwähnt werden sie und die anderen Teilnehmer übrigens nicht. "Die Registrierung dort hätte tausende Euro gekostet", erklärt Udo Schmitz, der die Veranstaltung im Auftrag von Schmidt-Spiele vorbereitet hat. Die Firma, die die Rechte für Mensch ärgere Dich nicht besitzt, werde die Bestmarke aber im Internet bekannt machen. Die Spiele, die beim Weltrekord im Einsatz waren, schenkt das Unternehmen Kindereinrichtungen in Limbach-Oberfrohna.

Davis Gläß bekommt noch immer nichts geschenkt. Er muss mit ansehen, wie Elisabeth Lutz ihre gute Position beständig ausbaut. Um 13.34 Uhr hat sie gewonnen und reißt die Arme nach oben. Auch an den anderen Brettern werden Emotionen ausgelebt, wegen der lauten Rufe - sei es aus Jubel oder aus Verzweiflung - kann man oft kaum das Wort seines Gegenüber verstehen. Sandra Lutz lässt sich davon nicht irritieren, wird Zweite und widerlegt damit die Prognose ihrer Mitspieler.

Die beiden Herren liefern sich fortan ein verbissenes Duell - auch als viele andere Gruppen ihre Partien schon lange abgeschlossen und das Zelt verlassen haben. "Bei uns wird zu Ende gespielt", stellt Elisabeth Lutz klar, dass Aufhören keine Option ist. Davis Gläß gelingt es, Bernd Schludeckers Figuren mehrmals kurz vor dem Ziel rauszuschmeißen, und sichert sich nach 50Minuten immerhin den dritten Platz. "Es war schön, beim Weltrekord dabei zu sein", resümiert Elisabeth Lutz. "Und das ganz ohne Anstrengung." Den letzten Satz würden die beiden Herren vermutlich nicht unterschreiben.

Bühnensperrung löst Diskussionen aus

Reaktionen der Besucher schwanken zwischen Verärgerung und Verständnis

Ein Armutszeugnis für die Stadt oder ein gewöhnliches Vorgehen bei jeder größeren Veranstaltung? Die Sperrungen von mehreren großen Bühnen am Freitag- und Samstagabend lösten bei den Besuchern und in den sozialen Netzwerken höchst unterschiedliche Reaktionen aus. Am Freitagabend war die RSA/PSR-Bühne auf dem Simmel-Parkplatz zwischenzeitlich wegen Überfüllung nicht mehr zugänglich, am Samstagabend traf es neben dieser auch die MDR-Bühne auf dem Stadthallen-Parkplatz. Die Folge: Viele Gäste verpassten die Auftritte von Musikern wie Karat und Lou Bega. Oft wurde die Frage gestellt, ob für die Radiobühnen nicht größere Plätze hätten gewählt werden können.

Projektleiterin Ina Klemm verneinte dies gestern Abend. "Finden Sie mal drei noch größere zentrale Plätze", sagte sie. "Zudem haben sich die Radiosender bewusst für ihre Standorte entschieden." Nachdem klar war, dass der Markt wegen der maroden Kanalisation im Untergrund nicht als Bühnenstandort geeignet ist, hatte die Stadt dem MDR den Parkplatz am Stadtpark angeboten - dies habe der Sender jedoch wegen der Lage etwas abseits des Zentrums abgelehnt, sagte Klemm. Sie verteidigte zudem die Entscheidung, auch Abschnitte der Helenenstraße phasenweise zu sperren. Dies sei nötig gewesen, um Fluchtwege frei zu halten. (jop)

"Fantastische Tage"

Stadt erhält für Organisation des Sachsentages viel Lob

Landtagspräsident Matthias Rößler hat den Organisatoren des Sachsentages ein dickes Lob ausgesprochen. "Es waren fantastische Tage", sagte er bei der Abschlussveranstaltung gestern Abend. Die Stadt habe bei der Organisation der Veranstaltung mit 300.000 Besuchern Maßstäbe gesetzt. Oberbürgermeister Jesko Vogel gab den Staffelstab an seinen Löbauer Kollegen Dietmar Buchholz weiter, der den Tag der Sachsen 2017 ausrichtet. "Es tut fast weh, dass das Fest nach so langer Vorbereitungszeit so kurz war", sagte Vogel.

Projektleiterin Ina Klemm zeigte sich mit dem Verlauf des Sachsentages sehr zufrieden. "Es war ein tolles Fest mit einem gigantischen und farbenfrohen Umzug", stellte sie fest. Die Stimmung sei hervorragend gewesen - nicht nur rund um die großen Bühnen, wo bekannte Musiker auftraten, sondern auch auf den kleinen Bühnen, die den Vereinen gehörten. (jop)

Splitter

Ambitionierte Fußgänger

Einige Fußgänger waren auf der Chemnitzer Straße zwischen Ortsausgang und dem Großparkplatz an der Haardt unterwegs - keine ungefährliche Angelegenheit, da Autos auf diesem Teil der Landstraße bis zu 100 Kilometer pro Stunde schnell sein dürfen. Über das Motiv, die rund drei Kilometer zwischen Festgebiet und Parkplatz zu Fuß zu bewältigen, kann nur spekuliert werden. Entweder wollten sie die durch Langos, gebrannte Mandeln und Co. aufgenommenen Kalorien schnell wieder abbauen. Oder sie hatten verpasst, dass zwischen Parkplätzen und Festgelände Shuttlebusse fuhren. (jop)

Stereoact ist überall

Elektro-Beats bei Radio Energy auf dem Rathausplatz, Schlager und Oldies beim MDR auf dem Parkplatz hinter der Stadthalle - diese Musikauswahl durfte man bei den Diskos zu nächtlicher Stunde erwarten. In der Tendenz war dies zutreffend, doch es gab Ausreißer. So gefällt Stereoact wohl allen Generationen. Der Hit "Die immer lacht" des DJ-Duos aus dem Erzgebirge wurde zu Konfetti-Regen bei Energy gespielt, ebenso wie beim MDR. (jop)

Nachtlager im Rathaus

Zahlreiche Mitarbeiter der Stadtverwaltung hatten am Wochenende Arbeitszeiten, wie man sie sonst von Unternehmensberatern kennt: zwölf Stunden pro Tag und mehr. Stadtsprecherin Frances Mildner reagierte pragmatisch und richtete sich ihr Nachtlager im Rathaus ein: Sie schlief auf einer Luftmatratze neben ihrem Schreibtisch. "Die Nächte waren gut, nur etwas kurz", sagte sie gestern. Eine Dusche gibt es im Rathaus übrigens nicht. Aber bis der Tag der Sachsen zum nächsten Mal in Limbach-Oberfrohna stattfindet, sollte genug Zeit sein, um ein Badezimmer einzubauen. (jop)

Das Kinderparadies

Der Tag der Sachsen bot zahlreiche Attraktionen für Kinder. Einer der Magneten war ein aufblasbares Riesenauto im Gute-Laune-Land, das im Inneren eine Kletterwand und eine Rutsche bereithielt. Immer wieder diskutierten die Mädchen und Jungen mit ihren Eltern, die nach einer Weile mahnten, man wolle den Sachsentag-Besuch nicht nur neben einem Gummiauto verbringen. Und immer wieder gaben die Eltern nach: "Na gut, noch ein letztes Mal. Aber zackig!" (jop)

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