Rentner gibt Konto für Betrüger her

Er schielte auf den leichten Gewinn und zahlt jetzt selbst einen Preis. Das Chemnitzer Amtsgericht hat einen Rentner wegen Geldwäsche verurteilt.

Der Anruf kam von einem angeblichen Polizeikommissar: In der Türkei wären Verbrecher dingfest gemacht worden, und die dortigen Anwälte müssten bezahlt werden. Dafür brauche er, der Anrufer, ein Konto zur Nutzung. Dem Kontoinhaber winke eine Belohnung, wenn der Geldtransfer gelingt. Schöpfte der Angerufene, ein 65-jähriger Mann aus Stollberg, keinen Verdacht, dass der "Kommissar" ein Betrüger war?

Leichtfertige Geldwäsche in mehreren Fällen warf die Staatsanwaltschaft nun jenem Mann vor, über dessen Konto bei der Sparkasse Mittelsachsen derartige Transaktionen abliefen. Mehr als 8360 Euro wurden 2019 auf dieses Konto überwiesen. Mehr als 5600 Euro überwies der Angeklagte anschließend in die Türkei. Einige der von der Betrugsmasche Geschädigten sagten vor Gericht als Zeugen aus.

Ein Opfer berichtete, eines Tages habe ihn ein Kommissar Lindner angerufen und ihm erklärt, dass er ein Ferienhaus in der Türkei gewonnen hätte. Er könne sich das Geld aber auch auszahlen lassen. Der Geschädigte stimmte zu, der "Kommissar" machte nun plötzlich Anwaltskosten für die Zahlungsabwicklung geltend. Mehr als 800 Euro sollte das Opfer auf das Konto des nun Angeklagten überweisen. Nach den Zahlungen war von dem "Kommissar" nichts mehr zu hören, das Geld war natürlich - weg.

Ähnlich beschrieb es ein 62-Jähriger aus Radeberg. Ihn habe ein Mann angerufen, der sich mit dem Namen des Angeklagten vorgestellt habe. Er wäre Anwalt und würde ihn über einen Lottogewinn informieren wollen. 48.000 Euro hätte er gewonnen. Der Geschädigte sagte zwar vor Gericht, er spiele seit Jahren kein Lotto mehr. Der Anrufer habe aber glaubhaft gewirkt. Damit der Mann sein Geld erhalte, sollte er 480 Euro auf das Konto des Angeklagten überweisen. Danach brach der Kontakt zu dem vermeintlichen Anwalt ab.

Der Angeklagte mit dem Konto schwieg zunächst beharrlich. Als der Amtsrichter ihn auf mögliche weitere Verhandlungen und steigende Kosten hinwies, äußerte er sich doch. Er habe das Konto zur Verfügung gestellt und sei damit in eine Falle getappt. Er hat nun eine Gesamtgeldstrafe von 2450 Euro zu zahlen. Richter und Staatsanwaltschaft wiesen den Mann eindrücklich darauf hin, nicht mehr auf solche Anrufe zu reagieren. Im Jahr 2014 hatte der Rentner schon einmal vor Gericht gestanden, wegen eines fast identischen Delikts. Weil er damals selbst Geschädigter war, wurde das Verfahren eingestellt.

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