Rentner verzweifelt: Weg zum Bus wird ab Sonntag beschwerlich

Kurz vor der Einführung eines neuen Liniennetzes muss sich der Stadtrat mit einer Petition aus Markersdorf beschäftigen. Ihr Ziel: Vor Ort soll alles so bleiben, wie es ist.

Markersdorf/Morgenleite.

Es ist seit Wochen das Thema Nummer 1 unter den Fahrgästen der Linie 52: Was soll künftig nur werden? Denn die Tage des sogenannten Quartierbusses, der wochentags von Hutholz quer durch Markersdorf nach Morgenleite und wieder zurückfährt, sind gezählt. Im neuen Liniennetz, das am Sonntag eingeführt wird, ist die Verbindung nicht mehr vorgesehen. Stattdessen gibt es dann mit dem neuen Bus 53 (Chemnitzer Straße - TU-Campus) ein anderes Angebot. Mit dem allerdings verschlechtert sich für viele Nutzer in den Quartieren ringsum die Situation in mehrfacher Hinsicht.

Denn zum einen fahren die Busse auf der neuen Linie künftig nur noch alle 30 anstatt wie bisher alle 20 Minuten. Zum anderen verkehren sie auf einer veränderten Strecke. Unter anderem im Norden von Markersdorf verlängern sich die Wege zur nächsten Haltestelle dadurch bisweilen erheblich.


"Ich könnte losheulen, wenn ich nur daran denke", sagt Roswitha Gerischer, die an der Wilhelm-Firl-Straße zu Hause ist. "Hier wohnen so viele Leute, die 70 Jahre und älter sind", schildert sie. "Wer nicht mehr so gut zu Fuß ist, der hat künftig ein echtes Problem." Sie selbst sei mit ihrem Mann erst im vergangenen Jahr extra umgezogen, damit der Weg zum Bus nicht mehr soweit ist. "Für meinen Mann ein Segen, weil er nicht weit laufen kann", so die 75-Jährige. Ab Sonntag aber ist das Geschichte. Dann halten Busse an der Haltestelle um die Ecke nur noch im Nachtverkehr.

Auf dem Papier mag alles in Ordnung scheinen: Auch künftig sind es bis zu den nächsten Haltestellen ringsum nur einige Hundert Meter zu Fuß. Doch das Gelände in der Gegend macht die Wege gerade im Alter arg beschwerlich: Erst geht es talwärts, dann wieder bergauf.

Auch die Wohnungsgenossenschaft Einheit, einer der größten Vermieter dieser Gegend, weiß um die Sorgen. "Das Problem der wegfallenden Haltestelle Wilhelm-Firl-Straße ist uns bekannt", sagt Sprecherin Katrin Körner. "Wir haben die Stadtratsfraktionen um Einflussnahme gebeten."

Tatsächlich hat sich der Stadtrat morgen Nachmittag auf seiner letzten Sitzung in diesem Jahr mit dem Thema zu beschäftigen - dank einer Petition, die Roswitha Gerischer im Sommer auf den Weg gebracht hat. "Sie, liebe Frau OB, sind die letzte Rettung", heißt es darin. "Bitte, bitte lassen Sie die Buslinie 52 bestehen, und ganz Markersdorf wird Ihnen danken."

Doch die Erfolgsaussichten dürften eher gering sein: Nach erster Diskussion im kleineren Kreis empfiehlt die Stadtverwaltung, der Petition - bei ausdrücklichem Verständnis für das Anliegen - nicht zu folgen. Die künftige Linie 53 sei wie das gesamte neue Netz bereits im Sommer 2016 beschlossen worden, heißt es; die Petition mithin zu spät. Vor dieser Entscheidung habe es eine Reihe öffentlicher Beratungen mit Bürgern und deren Vertretern gegeben, sowohl im Rathaus, auch in den Stadtteilen. "Dabei waren die wichtigsten Forderungen, dass alle Stadtteile des Heckertgebietes an das Vita-Center und im Zehn-Minuten-Takt an das Stadtzentrum angebunden werden sollen", so das Rathaus. Weiterhin sei gefordert worden, dass die Quartierlinie künftig auch nach 18 Uhr und am Wochenende fährt, der Stadtteil Helbersdorf mit dem Vita-Center verbunden wird und die Bonhoeffer-Kirche an der Markersdorfer Straße möglichst für alle Einwohner des Heckertgebietes besser zu erreichen ist. All diese Wünsche würden künftig erfüllt.

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