Restaurierte Fahne erinnert an ehemaliges Ensemble

Jahrzehntelang galt das einstige Banner des Klaffenbacher Männer- gesangsvereins als verschollen. Dann tauchte es plötzlich wieder auf.

Klaffenbach.

Der Männergesangsverein, den es in Klaffenbach einst gab, ist schon lange Geschichte. Im Frühjahr 1855 wohl als erster Verein in dem damals eigenständigen Ort gegründet, existierte er bis ins Jahr 1986. "Dann war Schluss. Zu wenige Mitglieder", sagt Gottfried Schmidt. Der 82-Jährige ist das letzte noch lebende, ehemalige Mitglied des Vereins und erinnert sich gern zurück. "Freitag war immer der schönste Tag der Woche. Denn da war immer Zusammenkunft und es wurde gesungen." Erster Bass sei er gewesen, erzählt er. An eine Fahne, ein Banner, kann sich Schmidt nicht erinnern. Das ist auch kein Wunder: Der Rentner trat dem Ensemble erst 1957 bei. Zu diesem Zeitpunkt war die Traditionsfahne des Vereins bereits verschollen - und das blieb sie auch, solange der Chor existierte.

Die Fahne ist ein Werk aus chinesischer Seide, in Handarbeit beidseitig bestickt, ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 1,20 Metern. Auf der Vorderseite ist eine weibliche Person zu sehen, die in der einen Hand eine Harfe, in der anderen einen Lorbeerkranz hält. Umrahmt wird sie von dem Spruch "Sind wir von der Arbeit müde, ist noch Kraft zu einem Liede". An der Spitze des Stabs befinden sich mehrere Medaillen, die der Verein bei Veranstaltungen des ehemaligen Deutschen Sängerbundes Anfang des vergangenen Jahrhunderts errungen hatte. Mitglieder des Klaffenbacher Jungfrauenvereins hatten die Fahne gefertigt und 1905 den Sängern gestiftet. "Das wissen wir, weil verbürgt ist, dass der Verein im Juni 1930 sein 75-jähriges Bestehen und das 25. Fahnenjubiläum feierte", sagt Raina Hammer vom Geschichtsverein, die dazu unter anderem im Stadtarchiv recherchiert hat.

Was später mit der Flagge passierte, liegt im Bereich der Spekulation. Sicher ist, dass sie Anfang der 1990er-Jahre im Haus von Lisa Marie Schraps plötzlich wieder auftauchte. "Sie lag im Keller, versteckt unter Briketts und war total verschlissen", sagt die Seniorin. Zu den Vorbesitzern des Grundstücks zählte ein gewisser Karl Hähle, der bis zu seinem Tod 1938 aktiver Sangesbruder gewesen sei. "Es ist zu vermuten, dass er die Fahne versteckt hat, um sie für die Nachwelt zu bewahren. Aber wann das passiert ist, wissen wir nicht", sagt Raina Hammer.

Lisa Marie Schraps unterdessen lagerte das Fundstück fast zwei Jahrzehnte lang in einem Schrank, bevor sie es 2009 den Organisatoren einer Ausstellung im Wasserschloß Klaffenbach übergab. Dort wurde die Fahne erstmals öffentlich gezeigt. Danach verwahrte Hansjürgen Grun, Vorsitzender des Geschichtsvereins, das Stück, der auch, einem Beschluss des Vereins folgend, die Restaurierung in die Wege leitete. Dies übernahm eine Stickerei in Eibenstock, das Ergebnis wurde jüngst im Gartenheim "Am Waldbach" in Klaffenbach präsentiert und sorgte dort für Staunen. Die Kosten beliefen sich laut Grun auf rund 4000 Euro. "Unsere gesamten Rücklagen sind damit aufgebraucht."

Was nun mit der Fahne passiert, weiß der Vereinschef schon. Sie soll künftig bei Veranstaltungen im Ort regelmäßig zu sehen sein.

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