Revolution Chemnitz: Statt Terror nur bisschen rumballern

Angeklagte aus der Gruppe beteuern, nicht wirklich an Umsturz und Opfer geglaubt zu haben.

Dresden.

Umsturz in Berlin mit Waffengewalt und Todesopfern? Ernst genommen habe er diese Vision von Christian K. nicht. Selbst wenn er wie die anderen in der Chatgruppe "Planung zur Revolution" bestätigt habe, es sei ihm völlig "ernst". Nur aus Neugier sei er in der Gruppe geblieben. So gab im Prozess zur mutmaßlichen Terrorgruppe "Revolution Chemnitz" am Dienstag der frühere Polizist Konstantin F. die Worte des Angeklagten Christopher W. (29) wieder.

Für wie abwegig er die Pläne der Gruppe gehalten habe, habe W. in der Vernehmung mehrfach betont - in einer Vernehmung indes, die erst nach der Inhaftierung stattfand. Zu einer Zeit also, als Christopher W. der handfeste Vorwurf klar geworden sein musste: "Bildung einer terroristischen Vereinigung".

Zwischen Christopher W.s Beteuerungen und seinem Verhalten machte der Vernehmer Widersprüche aus. Zum einen hatte Christopher W. in einem privaten Chat mit dem mutmaßlichen Rädelsführer Christian K. (32) bekundet, selbst eine von den zu bestellenden Schusswaffen haben zu wollen. Aber doch "nur, um damit ein bisschen hinter einer Halle rumzuballern", habe der Verdächtige in der Vernehmung erklärt. Noch einen weiteren Widerspruch machte der Ex-Kommissar aus. Konkret darin, dass Christopher W. zwar die Ernsthaftigkeit der Bestrebungen der Gruppe angezweifelt haben wollte, zuvor aber von einer Art Probelauf auf der Chemnitzer Schloßteichinsel, wo Teile der Gruppe junge Leute angriffen, ferngeblieben war - mit der bezeichnenden Erklärung, "dass es da eskaliert". Nicht ernst genommen?

Der Angeklagte Sten E. (29) dagegen hatte behauptet, sich aus der Gruppe verabschiedet zu haben - aber das auch nur für sich im Stillen. Offiziell blieben alle acht Angeklagten in der Chatgruppe, in der bereits über die Typen der Tatwaffen beratschlagt wurde. Von der oft von Spezialkräften genutzten Maschinenpistole MP5 der Marke Heckler und Koch war die Rede und von der P99-Pistole von Walther, in fünf Bundesländern als Polizeiwaffe genutzt. Der Prozess geht am 28. Oktober weiter.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
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    Distelblüte
    09.10.2019

    @d0m1ng023: Da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens.
    Die vorgebrachten Ausreden sind die klassische Ausweichtaktik rechter Straftäter: das war alles ein Missverständnis, wir haben das nicht so gemeint, wir sind ganz harmlose "Jungs".
    Gleich gefolgt vom typischen Sich-dumm-stellen und von nichts gewusst zu haben. Das wurde auch schon vor Jahrzehnten zur eigenen Entschuldung konsequent durchgezogen.
    Kein Angeklagter muss sich selbst belasten, aber er braucht auch nicht zu erwarten, dass man seine dürftigen Ausflüchte für wahr hält.

  • 2
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    d0m1ng023
    09.10.2019

    Sicher gabs in der Chatgruppe viel blödes Gequatsche von pupertierenden Bengeln, wo die das nich wirklich ernst mit meinen. So ist das halt bei jungen Leuten, wenn die glauben nur unter sich zu sein. Da wird viel Unsinn und über Wunschträume geredet.

    Und ob die das mit dem Anschlag und den Umsturz wirklich durchziehen wollten, könnte man auch als dummer Jungenstreich abhandeln.

    Aber Fakt ist doch, dass die am Schlossteich Menschen verletzt und bedroht haben. Und so dumm wie die sind, hätten die mit Sicherheit auch weiter Angst und Schrecken mit ihrer sogenannten Bürgerwehr verbreitet. Nur wurde denen Gott sei Dank von der Polizei ein Strich durch die Rechnung gemacht.

    Und das einige von denen vorbestraft und Polizeibekannt sind, ist auch Fakt. Ihre rechte, gewaltbereite Gesinnung haben die ja auch zur Schau getragen.

    In dem Sinne ist es schon ganz richtig, dass denen jetzt das Verfahren gemacht wird und eine mehrjährige Strafe erwartet.

    Aber das mit den anderen Vorwürfen, zwecks Umsturz und Terror, ist eigentlich ziemlich abwegig. Das glauben die Ermittler doch selber nicht, dass die das wirklich ernst meinten. Außer Chatprotokolle und paar kleinere Waffen (Messer, Schlagstock...) haben die bei denen nichts gefunden, was nur annähernd einem Terrorverdacht ähnelt. Wie gesagt, dummes Gequatsche von Nichtsnutzen...

    Was natürlich die anderen Taten nicht besser macht... In Knast gehören die, um mal bissl drüber nachzudenken. Aber meiner Meinung nicht wegen versuchten Terrorismus.



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