Ruhestörung im Zentrum - Anwohner rufen mehrfach Polizei

Seit Jahren gibt es Beschwerden über lärmende Personen, die sich an der Tankstelle in Limbach treffen. Ein Betroffener fordert das Rathaus mit einem konkreten Vorschlag zum Handeln auf.

Limbach-Oberfrohna.

Wer in diesem Sommer bei halbwegs angenehmen Temperaturen schlafen wollte, war wegen der Hitzewelle auf ein offenes Fenster angewiesen. Auch ein Anwohner des Johannisplatzes in Limbach-Oberfrohna wollte auf diese Weise seine Wohnung mit kühler Luft versorgen. Einschlafen konnte er oft trotzdem nicht. Das lag aber nicht an der Temperatur, sondern am Lärm. "Wenn man ein Fenster aufgemacht, war Schlaf nicht möglich", sagt der Anwohner.

Sein Ärger bezieht sich auf eine Gruppe von Leuten, deren Anzahl schwankt. Meist seien es zehn bis 15, erklärt der Mieter. Die Störenfriede kaufen sich alkoholische Getränke an der Shell-Tankstelle an der Straße des Friedens und konsumieren diese anschließend lautstark gemeinsam. "Die Männer grölen herum, die Frauen kreischen", berichtet der Betroffene. Mal werde direkt auf dem Gelände der Tankstelle getrunken, mal in der kleinen Grünanlage auf der anderen Seite der Straße des Friedens, mal auf Bänken auf dem Johannisplatz. "Als es warm war, ging das fast die ganze Nacht so", sagt der Anwohner. Am Wochenende sei es besonders schlimm gewesen.

Mehrmals habe er wegen Ruhestörung die Polizei gerufen, schildert der Limbacher. Das habe geholfen. Der Bewohner des Zentrums sieht aber auch das Rathaus in der Pflicht. "Es müsste mehr kontrolliert werden." Da der Lärmpegel offenbar durch den Getränkekonsum verstärkt wird, regt der Betroffene zudem eine Alkoholverbotszone an. Eine solche Regelung gibt es bereits für Teile der Chemnitzer Innenstadt.

Seit Jahren beschweren sich Anwohner immer wieder über Lärm, der von der Tankstelle und der unmittelbaren Umgebung ausgeht. Im vergangenen Jahr hatten Betroffene angekündigt, Unterschriften sammeln und dem Ordnungsamt übergeben zu wollen. Vor einigen Wochen kam es auf dem Gelände zu einer Prügelei mit politischem Hintergrund. Die Beteiligten hatten zuvor Alkohol getrunken. Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Körperverletzung noch nicht abgeschlossen.

Die Polizei bestätigt zudem, dass sie in diesem Jahr mindestens sechsmal wegen Ruhestörung zur Shell-Tankstelle gerufen wurde. Vor Ort habe sich dann aber der Lärm meist als nicht sehr gravierend herausgestellt, teilt ein Polizeisprecher auf Anfrage mit. "In jedem Fall haben die Beamten durch entsprechende Kommunikation mit den Anwesenden auf eine Verringerung des Lärmpegels, falls dieser überhaupt noch vorhanden war, hingewirkt und dies auch erreicht." Platzverweise oder Anzeigen seien nicht nötig gewesen, ergänzt der Sprecher.

Dass sich gewisse Personen regelmäßig an der Tankstelle versammeln, liegt daran, dass diese der einzige Ort in der Stadt ist, an dem man nachts Alkohol kaufen kann. Nach Angaben des Shell-Konzerns gab es deswegen bereits Gespräche mit der Stadtverwaltung. Auf den Verkauf von Alkoholika zumindest nachts zu verzichten, lehnt das Unternehmen aber ab. Dadurch lasse sich das Problem des Alkoholmissbrauchs nicht lösen.

Auch die Stadtverwaltung verweist auf Gespräche mit dem Betreiber der Tankstelle. "Bereits vor einem Jahr wurde mit diesem vereinbart, dass bei Problemen mit alkoholisierten Personen die Polizei gerufen werden und im Nachgang die Stadt informiert werden soll", berichtet Stadtsprecherin Frances Mildner. Aus Sicht des Rathauses habe sich die Situation beruhigt. "Bei uns sind in den letzten Wochen keine Bürgerbeschwerden zu Ruhestörungen auf dem Johannisplatz und lediglich eine rund um die Shell-Tankstelle eingegangen", stellt Mildner fest. Der städtische Vollzugsdienst sei vorwiegend tagsüber unterwegs. Es habe in regelmäßigen Abständen aber auch nachts Kontrollen gegeben. "Wir können eingreifen, wenn wir Verstöße feststellen, zum Beispiel wenn Jugendliche Alkohol konsumieren", erklärt Mildner. Auch Platzverweise könnten erteilt werden.

Eine Alkoholverbotszone, wie der Anwohner sie vorschlägt, lehnt das Rathaus ab. Dafür gebe es hohe Hürden wie mehrfache aufgetretene Straftaten, bei denen Alkohol eine Rolle spielte. "Das ist in unserer Stadt zum Glück nicht der Fall", sagt Mildner. "Deshalb halten wir eine solche Zone für nicht umsetzbar."

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2Kommentare
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  • 6
    1
    mathausmike
    02.10.2018

    Es darf dort nach 22 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden!
    Wie kann es sein,dass eine Tankstelle bestimmt,dass der Alkohol nach 22 Uhr weiterläuft und bei "Shell" der Rubel rollt?
    Zumindestens dürfte an angetrunkene Personen dort kein Alkohol mehr verkauft werden,interessiert aber die Tankstelle scheinbar nicht!
    Mit Ruhe und Gesetzeseinhaltung könnten dort die Leute wieder schlafen,aber "Shell" gäbe es weniger Profit-undenkbar!

  • 7
    2
    NadineBa
    02.10.2018

    Ich kann dem Anwohner des Johannisplatzes nur Recht geben: es war unerträglich den ganzen Sommer über. Kaum eine Nacht, in der es mal ruhig war. Die Anwohner sind resigniert und sehr deprimiert. Die Stadtverwaltung kümmert sich leider nicht genug, das haben die letzten Jahre bewiesen- deshalb spart man sich die Mühe, über jede Ruhestörung zu informieren. Die Regelung der Stadt, dass ab 22.00 Nachtruhe ist, wird nicht umgesetzt. Die Polizei braucht ca. 45 min, um da zu sein und wenn es in dem Moment gerade mal etwas ruhiger ist, verpufft der Effekt leider, überhaupt angerufen zu haben.
    Für die arbeitende Bevölkerung in der Nähe der Tankstelle ist es eine Zumutung!



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