Rußdorfs Weg nach Sachsen

In einer Sonderschau zeigt das Esche-Museum die Entwicklung von Rußdorf. Der Ort gehörte lange Zeit zu Thüringen.

Limbach-Oberfrohna.

Als ein "Pseudojubiläum" bezeichnet Museumsleiterin Barbara Wiegand- Stempel die 90 Jahre Rußdorf, denen die aktuelle Sonderausstellung im Esche-Museum gewidmet ist. Den Ort Rußdorf gibt es schon viel länger - im Jahre 1335 wurde er erstmals unter dem Namen Rudelsdorf erwähnt. Aber ab 1457 gehörte Rußdorf durch ein Tauschgeschäft des kurfürstlichen Rates Hildebrand von Einsiedel zu Altenburg. "Und damit nicht zu Sachsen, sondern zu Thüringen, was für die Bevölkerung der Enklave ziemliche Probleme mit sich brachte", erläutert die Museumsleiterin. Erst 1928, also vor 90 Jahren, wurde die fast 500 Jahre währende politische Sonderrolle von Rußdorf beendet und der Ort konnte durch einen Gebietsaustausch in sein sächsisches Umland integriert werden. 1935 wurde Rußdorf schließlich nach Oberfrohna eingemeindet.

Mitglieder des Museumsfördervereins, die in Rußdorf leben, seien auf die Idee für die Sonderausstellung gekommen, erzählt Barbara Wiegand-Stempel. Und da sie selbst sowieso vorhatte, künftig den einzelnen Ortsteilen von Limbach-Oberfrohna Raum für Ausstellungen zu geben, sei die Idee gleich in die Tat umgesetzt worden. Die Besucher der neuen Schau bekommen in erster Linie Texte und historische Fotos aus Rußdorf zu sehen. Material aus den Bereichen Verwaltung, Zoll, Kirche, Schule, Feuerwehr, dem regen Vereinsleben, aus unterschiedlichen Betrieben, Geschäften und Gaststätten haben die Vereinsmitglieder zusammengetragen.

Auch an die 40 dreidimensionale Objekte haben ihren Platz im Ausstellungsraum gefunden. Zu sehen sind beispielsweise Küchenutensilien, eine alte Schulbank und Lehrbücher oder eine historische Tracht aus dem Altenburger Land. Zwei Nähmaschinen der Firmen August Niekamp und Anton Rößler vom Beginn des 20. Jahrhunderts zeugen von der Unternehmertätigkeit im Ort. Produziert wurden die Handarbeitsmaschinen zum Beispiel für die Herstellung von Handschuhen.

"Spannend ist auch die Gründungsurkunde der Rußdorfer Strumpfinnung, die in der Ausstellung zu sehen ist", sagt Barbara Wiegand-Stempel. Vermerkt ist auf dieser das Jahr 1745. Damit war Rußdorf Vorreiter vor Limbach, denn die dortige Innung wurde erst 40 Jahre später gegründet. Handwerklich ins Zeug gelegt für die neue Schau hat sich schließlich auch Bernd Riedel, der Techniker des Museums: Er hat einen Grenzstein gehauen - so einen, wie man ihn heute zum Beispiel noch im Stadtpark an der Freilichtbühne sehen kann. Zur Kennzeichnung des Grenzverlaufs wurden 1864 um die Rußdorfer Flur etwa 314 solcher Steine gesetzt, informiert eine Schautafel. Auf der einen Seite ist die Inschrift HA für Herzogtum Altenburg, auf der anderen Seite KS für Königreich Sachsen eingraviert. Ein Drittel der über 300 Steine existiere heute noch, der Rest sei im Erdreich versunken.

Die Ausstellung "Rußdorf - 90 Jahre zu Sachsen" ist noch bis zum 11. November, Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr, zu sehen. Im Anschluss daran wird es wollig im Esche-Museum: Ab dem 29. November werden Woll-Kunstwerke der Künstlerin Barbara Haubold aus Mülsen gezeigt. Im Schloss Wolkenburg wird zwei Wochen vorher, am 8. November, die Adventsschau über Puppenstuben eröffnet.

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