Sachsen bittet Bundespolizei um Hilfe in Chemnitz

Wegen erneuter Proteste und eines Bürgergesprächs des Ministerpräsidenten rüsten die Sicherheitsbehörden für heute auf.

Dresden/Chemnitz.

Die Polizei in Chemnitz bereitet sich für den heutigen Donnerstag auf einen weiteren Großeinsatz vor. Am Abend lädt Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu einem Bürgergespräch ins Stadion. Die rechtspopulistische Bewegung Pro Chemnitz hat zudem zu einer Demonstration unweit der Veranstaltung aufgerufen.

Das sächsische Innenministerium bestätigte gestern, dass Kräfte der Bundespolizei angefordert worden seien. Die Polizeidirektion Chemnitz teilte zudem mit, dass darüber hinaus Einsatzkräfte aus Bayern, Berlin, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der sächsischen Polizei helfen werden. Genaue Zahlen zur erbetenen Unterstützung nannten weder Ministerium noch Polizeidirektion.

Augenscheinlich sollen mit einem erhöhten Polizeiaufgebot erneute Ausschreitungen verhindert werden. Am Montag hatte Pro Chemnitz 6000 Teilnehmer mobilisieren können - zum Teil auch aus anderen Bundesländern. Die Polizei war davon überrascht worden.

Mit wie vielen Demonstranten heute gerechnet werden muss, ist unklar. Das Bündnis Chemnitz Nazifrei hat allerdings mit Hinweis auf ein "erhebliches Gewaltpotenzial" der rechtsextremen Kundgebung von einer Gegendemonstration Abstand genommen, da man die Sicherheit der eigenen Teilnehmer nicht werde garantieren können. "Wir gehen natürlich davon aus, dass mehr Polizei präsent ist", sagte Robin Rottloff vom Bündnis. "Allerdings ist unser Vertrauen in die Situationsbeherrschung der Polizei nach Montag vorerst gestört."

Auch beim Bürgergespräch von Ministerpräsident Kretschmer wird mit einer großen Teilnehmerzahl gerechnet. Allein das Medieninte-resse fällt erheblich größer aus als bei den vorangegangenen Veranstaltungen der Reihe unter dem Titel "Sachsengespräch". Bisher haben immer zwischen 250 und 400 Personen daran teilgenommen.

Die Vorfälle in Chemnitz bestimmen weiterhin die deutschlandweite Debatte. Gestern sorgte die Veröffentlichung eines Haftbefehls gegen einen Verdächtigen im Fall des getöteten Daniel H. für Aufsehen. Das Schreiben der Staatsanwaltschaft Chemnitz war am späten Dienstagabend im Internet aufgetaucht. Unter anderem Pegida-Gründer Lutz Bachmann und Pro Chemnitz hatten das Dokument verbreitet, auf dem der Name eines der Tatverdächtigen und seine Anschrift zu lesen sind. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nannte die Veröffentlichung "vollkommen inakzeptabel". Die Staatsanwaltschaft Dresden hat Ermittlungen zum Fall aufgenommen.

Die Aufklärung des Todesfalls, der die Proteste ausgelöst hatte, dauert an. Die Polizei hält sich mit Details des Tatablaufs zurück. Die Chemnitzer Staatsanwaltschaft gab dagegen weitere Informationen zu den beiden Tatverdächtigen bekannt. Demnach handelt es sich bei beiden um geduldete Asylbewerber. Der 22 Jahre alter Iraker ist mehrfach vorbestraft - unter anderem wegen Körperverletzung und Drogendelikten. Nach Informationen der "Freien Presse" lebt der Iraker seit drei Jahren in Annaberg-Buchholz. Der 23 Jahre alte Syrer soll nicht vorbestraft sein. Beide befinden sich nach wie vor in Untersuchungshaft. (mit dy/tw)

 

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6Kommentare
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  • 3
    0
    Einspruch
    31.08.2018

    @ Blackadder: Nicht jeder Asylkritiker gehört zu Pro Chemnitz.

  • 5
    0
    Hinterfragt
    30.08.2018

    Hoffentlich hat der ein oder andere Leser hier heute Morgen das Morgenmagazin auf Radio Chemnitz gehört.
    Die Gedanken zur Polizeiverstärkung für Demos dort im Zusammenhang mit dem Besuch des MP in C waren sehr gut und genau zutreffend.
    Leider hat hat man hier scheinbar ein Problem damit dieses in Textform wiederzugeben.

  • 10
    9
    Blackadder
    30.08.2018

    Was ich mich frage: wenn sich die Asylkritiker ständig darüber beschweren, man würde ihnen nicht zuhören und ihre Meinung nicht Ernst nehmen, warum nehmen sie dann nicht einfach heute am Sachsengespräch teil und sagen ihre Meinung, anstatt vor dem Stadion Parolen zu brüllen?

    Ich bin sowieso gespannt, ob es möglich sein wird, konstruktiv, ohne Schreien und Pöbeln und Beleidigen miteinander zu reden.

  • 6
    16
    ArndtBremen
    30.08.2018

    Heute kann und wird nix passieren! Die Antifa hat Gott sei Dank ihre Nichtteilnahme erklärt.

  • 15
    10
    mathausmike
    30.08.2018

    Wie kann man solch eine Rechtendemo genehmigen?
    Hat der Montag nicht gereicht?
    Chemnitz hat es sogar bis in die israelischen und südkoreanischen Nachrichten
    geschafft.
    Was muß erst geschehen,um solche Zusammenrottungen zu verbieten?
    Sogar Rostocker Rechte haben sich schon für Chemnitz angemeldet!
    Das hat mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun!
    Die eigenen Bürger werden nicht mehr genügend geschützt,durch solche Genehmigungen!

  • 8
    17
    submain
    30.08.2018

    Das Bündnis "Chemnitz Nazifrei" ist auch nicht mehr das, was es mal war. Zum 1. Mai konnten noch über 4000 Linke mobilisiert werden und jetzt, wenns drauf an kommt machen die sich in die Hose.... Kein Wunder, das den Rechten die Straße überlassen wird... Gerade jetzt, hätte man sicher noch mehr Linke mobilisieren können, als am 1. Mai... Aber stattdessen sagen die ihre Gegendemonstration ab.

    Wenn's gegen die Polizei geht, dann werden Flaschen und Steine bis zur Ohnmacht geworfen. Aber wenn mal paar Flaschen aus dem rechten Spektrum fliegen, ziehen se den Schwanz ein.



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