Sachsenring: Glauchauer Polizei schiebt 1617 Überstunden

Die Reviere stehen durch zusätzliche Aufgaben und knappes Personal unter Druck. Vor allem einmal im Jahr häuft sich die Mehrarbeit. Wie gehen die Beamten damit um?

Glauchau.

Der Polizeidienst im Glauchauer Revier ist zumindest von der Arbeitszeit her meist gut planbar, Überstunden halten sich in der Regel im Rahmen. Nur wenn der Grand Prix auf dem Sachsenring ansteht, gibt es für die Beamten wenig Freizeit. Wie jetzt bekannt wurde, schoben die Glauchauer Polizisten in diesem Jahr im Monat Juli, in dem das Rennen stattgefunden hat, 1617Überstunden. Für das mit 133Polizisten besetzte Revier, das auch für Limbach-Oberfrohna und Niederfrohna zuständig ist, bedeutet das im Schnitt rund zwölf Überstunden pro Ordnungshüter. Das allein sei noch kein Problem, findet die Polizeigewerkschaft, fordert aber trotzdem deutlich mehr Personal.

Die Überstunden im Glauchauer Revier liegen normalerweise deutlich niedriger. Von Januar bis April 2018 pendelte die Stundenanzahl zwischen 189 und 234. Der Anstieg zum Grand-Prix-Wochenende kommt jedes Jahr, und er fällt fast immer ähnlich hoch aus. 2017, als das Rennwochenende sich über den Monatswechsel zog, leisteten die Beamten im Juni und Juli zusammengenommen 1713 Überstunden, 2016 waren es 1419. Das geht aus Antworten des sächsischen Innenministeriums auf Anfragen des Landtagsabgeordneten Enrico Stange (Die Linke) hervor.

Die Glauchauer Beamten haben jedes Jahr in dem Zeitraum eine Spitzenposition bei den Überstunden im Freistaat inne. Im Juli 2018 wurden sie nur knapp von der Zwickauer Kriminalpolizei übertroffen (1897). Insgesamt häuften alle Bereiche der Polizeidirektion Zwickau, wozu auch Glauchau zählt, im Juli 6988 Überstunden an, fast 2000 mehr als Chemnitz.

Was bedeutet das für den einzelnen Polizisten? Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt davor, dass die Leistungsfähigkeit der Kollegen zurückgehen könnte, wenn sie nicht ausreichend Ruhephasen bekommen. "Ich glaube, die Masse geht grundsätzlich recht relaxt mit Überstunden um", sagt der Zwickauer GdP-Bezirksvorsitzende Bernd Rudolph. Aber: "Ein Problem ist es dann, wenn sich die Mehrarbeit aufstaut und nicht mehr so einfach abzubauen ist." Das sei dann der Fall, wenn Mindeststärken einzuhalten sind, beispielsweise bei der Besetzung im Streifendienst. Wird dort jemand krank, kann anderen kein Arbeitszeitausgleich gewährt werden. Das "Abfeiern" der Überstunden erfolgt erst dann, wenn es personell möglich ist. Angesichts der über Jahre ausgedünnten Personaldecke könne aber auch das zum Problem werden, sagt Rudolph. Lassen sich die Stunden gar nicht loswerden, dann können sich Polizisten ihre Mehrarbeit auch ausbezahlen lassen. "Die meisten Polizisten wollen das aber nicht", sagt Rudolph. "Erstens, weil solche Sonderzahlungen auch gesondert besteuert werden, und zweitens, weil die entgangene Zeit mit der Familie nicht mit Geld aufzuwiegen ist."

Das Zwickauer Polizeipräsidium geht davon aus, dass die meisten Sachsenring-Überstunden bis Ende des laufenden Monats abgebaut sein dürften. Das erreiche man über eine entsprechende Dienstplanung, sagt Polizeisprecher Christian Schünemann. Und gibt es Pläne, um die Anzahl der Überstunden generell zu reduzieren? "Im Laufe eines kompletten Jahres ist die Polizeidirektion Zwickau bestrebt, die Überstunden der Beamten auf einem ausgeglichenen Niveau zu halten", sagt Schünemann. Entsprechend würden die Dienstzeiten geplant.

Die GdP fordert mehr Polizisten. "Klar braucht die Polizei mehr Personal", sagt der Bezirksvorsitzende Rudolph. Man gehe von bis zu 3000 zusätzlichen Stellen aus, dreimal so viele, wie die Staatsregierung derzeit vorsieht. Dabei gehe es jedoch nicht in erster Linie darum, Mehrarbeit zu vermeiden - diese würde zum Beruf einfach dazugehören -, sondern den wachsenden Anforderungen an die Polizei gerecht zu werden. Der Zwickauer Polizeipräsident Conny Stiehl hat mehrfach abgelehnt, sich zur personellen Ausstattung zu äußern. "Mir ist die Aufgabe übertragen worden, die Polizeiarbeit in der Region sicherzustellen", sagt Stiehl. "Und das tun wir mit den Kräften, die wir zur Verfügung haben."

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