Sachsens erste Polizeipräsidentin

Sonja Penzel steht seit gestern an der Spitze der Polizeidirektion Chemnitz. Ein Generationswechsel - nicht frei von Misstönen.

Chemnitz.

ChemnitzAn seiner einstigen Kripo-Chefin lobte der frühere Leipziger Polizeipräsident Horst Wawrzynski besonders deren "ausgeprägten analytischen Verstand". Selbst bei alten Polizei-Haudegen, die den Aufstieg ihrer jungen Kollegin zunächst kritisch beäugt hatten, erwarb sich Sonja Penzel schnell Respekt. Darauf nahm Sachsens aktueller Innenminister Roland Wöller (CDU) gestern indirekt Bezug. Wenn man Mitarbeiter aus Penzels Umfeld befrage, was sie auszeichne, werde fast unisono auf ihre Führungsqualitäten verwiesen. Ab sofort soll Sonja Penzel eben diese in Chemnitz unter Beweis stellen: Als erste Frau, die einen der fünf Direktionsbereiche der sächsischen Polizei leiten darf. Sachsens erste Polizeipräsidentin wurde gestern offiziell in ihr Amt eingeführt.

Mit ihr starte man einen "Generationswechsel", so Wöller. Mit Chemnitz übernimmt die 46-Jährige den nach Leipzig und Dresden drittgrößten Direktionsbereich mit mehr als 2000 Bediensteten und 4162 Quadratkilometern Fläche. Neben der Stadt Chemnitz gehören der Erzgebirgskreis und der Kreis Mittelsachsen dazu. Die neue Polizeichefin ist damit für die Sicherheit von rund 900.000 Einwohnern zuständig.

Die gebürtig aus Niedersachsen stammende Juristin mit Studium im westfälischen Münster war in Köln kurz als Rechtsanwältin tätig, bevor sie Ende der 90er-Jahre nach Sachsen kam. Hier wechselte sie als Quereinsteigerin zur Polizei. Sie leitete zunächst ein Dezernat in Dresden und übernahm später die Leitung der Leipziger Kripo. 2013 wechselte sie ins Landeskriminalamt, um dort den Bereich Cyber-Kriminalitätsbekämpfung aufzubauen. Dann folgte die Leitung des Referates "Technik der Polizei" im Innenministerium. Nun freue sie sich "riesig", wieder in eine Polizeidirektion zurückzukehren, sagte Penzel gestern in ihrer Antrittsrede. Immerhin sei der Job hier "das Fundament polizeilicher Arbeit".

Der Generationenwechsel solle "organisch und geplant" vollzogen werden, sagte Minister Wöller. Dem scheidenden Chemnitzer Polizeipräsidenten Uwe Reißmann (62), sprach er in dessen Abwesenheit Dank aus. Für Reißmann, der nach der Wende drei sächsische Polizeidirektionen geleitet hatte - Plauen, Zwickau und zuletzt über 19 Jahre lang Chemnitz - vollzog sich der Wechsel nicht ganz wie geplant. Immerhin hatte Wöllers Vorgänger Reißmann noch überredet, seine Pensionierung aufzuschieben und weiterzumachen. Nach dem Wechsel im Innenministerium war davon aber keine Rede mehr.

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2Kommentare
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  • 3
    1
    Freigeist14
    03.08.2018

    Wenn eine Frau,die in Sachsen geboren wurde , in NRW oder Hamburg Polizeipräsidentin wird und niemand betont ihre Herkunft, dann ist die deutsche Einheit vollendet.

  • 2
    3
    j35r99
    03.08.2018

    Herzlichen Glückwunsch Frau Penzel und viel Erfolg in der polizeilichen Arbeit
    Es wurde Zeit, dass Herr Reißmann in den Ruhestand geschickt wurde.
    Als einstiger Kollege kann ich sagen: er befand sich nur auf "Tauchstadion".
    Als Aufsichtsratsvorsitzender des CFC kam er nach dessen Pleite nicht mal zur Haupversammlung (ang.fam.Gründe).
    Selbst zur Amtseinführung seiner Nachfolgerin war er nicht anwesend.



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