Sanierung von alter Tankstelle entwickelt sich zur Hängepartie

Auf dem Gelände befinden sich noch Benzintanks und kontaminierter Erdboden. Dass die Bagger bislang nicht anrollen konnten, liegt an einem Konflikt zwischen den Eigen- tümern und der Stadt.

Limbach-Oberfrohna.

Soheil Aslani räumt eine Betonabdeckung zur Seite und legt so den Brunnenschacht frei. Dann lässt der Limbacher einen Eimer hinab. Als er ihn wieder hinaufzieht, liegt Benzingeruch in der Luft. Auf der Wasseroberfläche im Eimer schillert es in allen Regenbogenfarben. "Man riecht die Chemikalien sofort", stellt der 26-Jährige fest. Sein Bruder Reza Sar Aslani berichtet, man könne das Grundwasser sogar anzünden. "Es gibt dann eine Verpuffung", sagt er. Für die Bewässerung des Gartens ist der Brunnen daher unbrauchbar.

Die Beschaffenheit des Wassers dient den Brüdern als Beleg dafür, wie groß der Handlungsbedarf auf dem Grundstück ist, das sie gemeinsam mit ihren Eltern und einem weiteren Bruder bewohnen. Die Fläche an der Albert-Einstein-Straße fungierte einst als Tankstelle; noch heute zeugt ein Dach davon. Nach Angaben des Stadtarchivs war 1965 ein Bauantrag für eine Minol-Tankstelle bewilligt worden. Anfang der 1990er-Jahre wurde die Tankstelle geschlossen, weil zu jener Zeit andere und größere Tankstellen im Stadtgebiet entstanden.

Die Familie Aslani kannte die Geschichte des Areals, als sie 2006 die Tankstelle samt Werkstatt kaufte und letztere zum Wohnhaus umbaute. "Zuvor war es nur eine Bruchbude", schildert Soheil Aslani. Die Familie, die auf dem Gelände einen Autohandel sowie in Chemnitz einen Döner-Imbiss betreibt, war damals zuversichtlich, dass sich das Altlasten-Problem schnell beheben lässt. Laut Soheil Aslani, der Maschinenbau an der TU Chemnitz studiert, gab es schon 2001 einen Schriftwechsel zwischen den damaligen Eigentümern und Behörden.

Nach dem Kauf des Grundstücks forcierten die Aslanis die Bemühungen, die Altlasten aus dem Boden zu holen. Dazu stehen sie nach wie vor mit der Mineralölkette Total als Minol-Rechtsnachfolger, Umweltbehörden, Planern und der Stadtverwaltung in Kontakt. "Es ist ein riesiges Hin und Her. Auch ich blicke manchmal nicht mehr ganz durch", sagt Soheil Aslani und lacht, während er mehrere Ordner mit Dokumenten präsentiert.

Erste Fortschritte gibt es inzwischen: Total hat eine Planung vorgelegt. Wie eine Sprecherin erläutert, muss zunächst das alte Tankstellendach abgebrochen werden. Danach wird der Boden ausgehoben. Vier Benzintanks, die sich nach jetzigem Kenntnisstand im Untergrund befinden, werden entfernt und verschrottet. Zudem sollen etwa 500Kubikmeter kontaminiertes Erdreich ausgetauscht werden. Als Dauer der Sanierung gibt die Unternehmenssprecherin zwei bis drei Monate an. Die Kosten in Höhe von etwa 300.000 Euro teilen sich Total und der Freistaat.

Einziges, aber entscheidendes Manko: Umgesetzt wurde das Vorhaben trotz der langen Planungsphase noch nicht. Nach Angaben der Aslanis ist seit etwa zwei Jahren keine Weiterentwicklung mehr zu erkennen. Sie begründen das mit der bislang vergeblichen Suche nach einer ebenen Fläche, auf der Baufahrzeuge sowie Container zum Abtransport der kontaminierten Erde aufgestellt werden können. Weil der Platz rund um das Wohnhaus knapp und ein Großteil des Grundstückes abschüssig ist, sieht die aus dem Iran stammende Familie eine Aufschüttung als einzige Lösung an. Laut Soheil Aslani geht es um 315 Kubikmeter Erdreich, um das Gelände um bis zu 1,20 Meter anzuheben. Die Lösung käme der Familie gelegen, da sie so ihren bislang unebenen Garten besser nutzen könnte.

Sie beantragte daher bei der Stadtverwaltung eine Baugenehmigung für eine dauerhafte Aufschüttung - und erhielt einen ablehnenden Bescheid. Seitdem stockt das Verfahren. "Die Kommunikation mit der Stadt ist schwierig", konstatiert Soheil Aslani. Er vermutet, dass das Rathaus Rücksicht auf die Belange von Nachbarn genommen hat, die die Aufschüttung wegen der Folgen für Blickbeziehungen kritisch sehen. "Man geht mit uns schlechter um als mit den Nachbarn", sagt Reza Sar Aslani.

Die Stadtverwaltung weist auf Anfrage den Vorwurf zurück, die beteiligten Parteien ungleich zu behandeln. "Die Berührungspunkte mit Familie Aslani waren bisher nicht negativ behaftet", teilt eine Sprecherin mit. Genau wie bei jedem anderen Antragsteller handele man gemäß der Gesetzeslage. Eine dauerhafte Aufschüttung sei demnach nicht zulässig. Die Gründe seien der Familie Aslani mitgeteilt worden, erklärt die Sprecherin.

Wie es in dem komplizierten Verfahren weitergeht, ist offen. Ein Kompromiss könnte womöglich sein, dass die Aufschüttung nach dem Bodenaustausch wieder entfernt wird. Doch darauf wollen sich die Eigentümer nicht einlassen. Reza Sar Aslani verweist auf den Aufwand für die Entfernung der Erde. Nach seinen Angaben entstünden Total und dem Freistaat - und damit den Steuerzahler - mehrere Tausend Euro Kosten. Nicht ausgeschlossen also, dass die Aslanis weiterhin mit den Altlasten im Boden leben müssen. Soheil Aslani: "Wir befürchten, dass die Sanierung an der Aufschüttung scheitert."

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