Schere, Messer, Papier

Schloss Wolkenburg zeigt Werke einer Künstlerinnengruppe. Zu deren Motiven gehören nicht nur Ansichten von Limbach-Oberfrohna.

Wolkenburg.

Etwa 60 Scherenschnitte schmücken derzeit die Wände der Museumsräume im Schloss Wolkenburg. Vom Postkarten- bis hin zum großen Plakatformat reichen die filigranen Werke, die von der Limbach-Oberfrohnaer Scherenschnittkünstlerin Christa Bachmann (1929-2011) und ihren Mitstreiterinnen Ruth Keller, Johanne Müller, Gudrun Schmidt und Anne-Liese Krannich gefertigt wurden.

Christa Bachmann wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden. Sie wurde in Limbach geboren, war von Beruf Lehrerin und kam als Jugendliche durch den Zwickauer Kunsterzieher Johannes Dinter zum Hobby Scherenschnitt. Ab 1951 war Christa Bachmann als Lehrerin für Deutsch und Kunsterziehung tätig, vertiefte nebenbei aber weiter ihr Hobby. Lehrgänge folgten und 1962 schließlich die Gründung der Scherenschnittgruppe in Karl-Marx-Stadt. Durch diese avancierte das heutige Chemnitz zu einem Scherenschnittzentrum.

Arbeiten aus dieser Gruppe und aus dem Nachlass von Christa Bachmann, den ihr Sohn dem Museum für die Schau zur Verfügung stellte, sind jetzt in der Sonderausstellung im Schloss zu begutachten. Der Scherenschnitt ist als künstlerische Technik zwischen Angewandter Kunst und Grafik einzuordnen. Vor jedem Schnitt steht erst einmal eine Vorzeichnung. "Man kann in den einzelnen Schnitten auch persönliche Handschriften der Frauen erkennen", sagt Museumsleiterin Barbara Wiegand-Stempel.

Die Motive, die mit der Schere oder dem Messer geschnitten wurden, sind dabei sehr vielfältig: Von Landschaften, zum Beispiel einer Winterszene an der Limbacher Kellerwiese oder einer Stadtansicht in Oberfrohna, über Tiere, Blumen, volkstümliche Figuren oder Vasen bis hin zu einem detailgetreuen Benz-Dreiradwagen aus dem Jahr 1885 reichen die Kunstwerke der Frauen. "Eine besondere Rolle spielte offensichtlich das Motiv des Baumes", so Barbara Wiegand-Stempel. Ob in Form eines Lebensbaumes mit unzähligen Verästelungen, mit Zuckertüten für Kinder oder Bäume im Laufe der Jahreszeiten - teilweise wurden ganze Serien aus geschnittenen Bäumen angelegt. Und auch die Musik kam bei Christa Bachmann nicht zu kurz. In einer weiteren Serie hat die Pädagogin Scherenschnitte nach Melodien gestaltet - vom Blues über Musik von Georg Friedrich Händel bis hin zu einem Solo für Saxophon.

Und wer bis heute annahm, dass Scherenschnitte klassisch mit schwarzem Papier angefertigt und dann auf weißes aufgelegt werden, der wird in der Ausstellung in Wolkenburg eines Besseren belehrt: Schnitte in den Farbtönen Rot oder Grün sind genauso zu entdecken wie farblich unterlegte Motive.

Die Ausstellung "Erinnerungen - Scherenschnitte von Christa Bachmmann und Weggefährtinnen", ist noch bis zum 5. Januar 2020 im Schloss Wolkenburg zu sehen. Am 4. Januar findet von 14 bis 16 Uhr ein offenes Treffen aktiver oder ehemaliger Scherenschneider und Interessierter statt.

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