Schlussakkord mit Wehmut und Witz

Die letzte Bluesnacht im Aaltra bot noch einmal alles, was das Genre ausmacht. Der Rückzug der Veranstalter war alles andere als ein Abgesang.

Dixi Dixon ist eine Chemnitzer Musiklegende, und er hat das, was man den Blues nennt. Mit kraft- und stilvoller, manchmal wütender Melancholie singt er von den Mühen der Ebene, vom Alltag der kleinen Leute, die sich jeden Tag auf Arbeit und im Leben quälen müssen, um am Ende doch immer zu den Betrogenen zu gehören. Es war am Samstag ein standesgemäßer Beginn der letzten Bluesnacht des Vereins Arthur im Park des Aaltra. Nach 20 Jahren wird die Reihe eingestellt und soll ab 2017 durch ein Liedermacherfestival ersetzt werden.

Da würden sogar die nächsten beiden Bands der Bluesnacht hineinpassen. Der Spanier Evil Mr. Sod mit seinen Dead Musicians singt hart und rau von den dunklen Seiten des Lebens, von Schuld und Sühne, Tod und Verzweiflung. Für originellen Sound sorgt die Besetzung mit akustischer und Elektrogitarre sowie elektrischem Kontrabass, der manchmal herzzerreißend das Unheil in der Welt beklagt.

Damit kennt sich auch Andi Valandi mit seiner Band aus. Der Dresdener sieht aus wie die Verlierer, von denen im Blues so oft die Rede ist, aber er gibt seinen wunderbar rumpeligen Songs auch oft einen punkigen Anstrich. Und er hat Humor, singt davon, dass er selbst sein größter Fan ist, sich sogar schon mal vor sich selbst verneigt habe. Er ermutigt die Oma im Seniorenheim, mit dem Pfleger durchzubrennen und es sich gut gehen zu lassen: "Heroin im Haferschleim, das ist der Underground im Altersheim". Diesem frischen, modernen Blues folgte als krönender Abschluss die US-Amerikanerin Sydney Ellis mit ihrer Band, den Midnight Preachers. Die 1947 geborene Sängerin ist eine Diva des Blues, des Jazz und des Gospel. Souverän und elegant interpretiert sie Klassiker des Genres. Da sitzt jeder Ton, jedes Soli der vier Begleitmusiker. Und wenn Ellis während der instrumentalen Soli Blicke zwischen Freude und Nachdenklichkeit mit ihren Musikern tauscht, dann sieht man, dass sie allen Spaß und alle Not, von denen sie singt, selbst erfahren und verinnerlicht hat.

Es gab für alle Musiker dieses letzten Sommersamstagsblues viel Applaus der mehr als 100 Gäste im stimmungsvoll beleuchteten Aaltra-Park, und es war eine würdige letzte Bluesnacht. Dass der Verein Arthur seine Reihe auch ausklingen ließ, weil er anderen Veranstaltern von Blues-Konzerten in der Stadt Raum lassen möchte, ist zudem eine schöne solidarische Geste. Vielleicht muss man dafür den Blues haben.

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