Schnelleres Internet soll ab September verfügbar sein

Anbieter baut derzeit Netz in Limbach-Oberfrohna aus - Verzögerung wegen schlechten Zustands der Leerrohre

Limbach-Oberfrohna.

Viele Limbach-Oberfrohnaer kämpfen mit langsamen Internetverbindungen. Am Donnerstag hat die Telekom über den Breitband-Ausbau in der Stadt informiert, der derzeit läuft. Die "Freie Presse" beantwortet wichtige Fragen, die sich Kunden stellen könnten.

Wann ist das schnellere Netz für die Limbach-Oberfrohnaer nutzbar?


Ab Mitte September. In den nächsten Wochen müssen noch letzte Bauarbeiten erledigt werden. Anschließend wird die nötige Technik in den Verteilerkästen installiert. "Wir sind im Endspurt", sagt Sven Lopau, Projektleiter Technik bei der Telekom.

Auf welche Technologie setzt das Unternehmen?

Auf das sogenannte Super-Vectoring-Verfahren. Damit sollen Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 250 Megabit pro Sekunde möglich sein. Derzeit werden Verteilerkästen im Stadtgebiet umgerüstet. Sie sind untereinander mit Glasfaserkabeln verbunden. Als Verbindung zu den Haushalten dienen die bereits vorhandenen Kupferkabel. Die Datenfluss-Hemmnisse im herkömmlichen Kupfernetz, die etwa durch elektromagnetische Störungen entstehen, werden bei dem Vectoring-Verfahren weitgehend eliminiert.

Kommen die 250 Megabit pro Sekunde in jedem Haushalt an?

Nein. Die Übertragungsgeschwindigkeit richtet sich in der Regel nach der Entfernung des Haushalts zum Verteilerkasten. Das Maximaltempo wird laut Hendrik König, Regionalmanager für Sachsen bei der Telekom, in einem Umkreis von 500 Metern rund um die 45 umgerüsteten Verteilerkästen erreicht. Die meisten Haushalte können demnach mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 100 Megabit rechnen. In etwas abgelegenen Gebieten wie der Siedlung Am Schützteich in Pleißa werden laut König noch 50 Megabit erreicht.

Wie erfahren die Kunden, wie schnell sie künftig surfen können?

Unter www.telekom.de/schneller wird über die derzeitige Geschwindigkeit informiert. Wer sich registriert, wird benachrichtigt, sobald die neue Technologie zur Verfügung steht.

Profitieren alle Limbach-Oberfrohnaer von dem derzeit laufenden Ausbauprojekt?

Nein. Die Telekom spricht von etwa 11.000 Haushalten. Insgesamt gibt es in der Stadt etwa 15.000 Haushalte. Der Rest verfügt entweder bereits über Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr, vor allem in Rußdorf und Bräunsdorf. Oder es handelt sich um Randgebiete, in denen sich der Ausbau für die Telekom wegen der geringen Zahl an potenziellen Kunden nicht lohnt. Betroffen sind unter anderem die Limbacher Tännigt-Siedlung und einige Haushalte unter anderem in Uhlsdorf und Dürrengerbisdorf. Diese Gebiete sollen im Rahmen einer Initiative des Landkreises mit schnellem Internet ausgestattet werden. Das wird allerdings noch mindestens anderthalb Jahre dauern.

Im Ortsteil Wolkenburg-Kaufungen gibt es zum Teil noch nicht einmal Kupferkabel. Welche Folgen hat das?

Dort dauern die Bauarbeiten der Telekom länger. Zum Teil müssen Anschlüsse bis auf die Grundstücke verlegt werden, was im übrigen Stadtgebiet nicht nötig ist. Nach Angaben von Regionalmanager König wird das schnellere Internet deshalb ab September nur in etwa der Hälfte der Wolkenburger Haushalte zur Verfügung stehen. Die andere Hälfte soll bis Jahresende nachgerüstet werden.

Vor einem Jahr hatte die Telekom angekündigt, dass Geschwindigkeiten bis zu 250 Megabit pro Sekunde schon ab Ende 2018 angeboten werden können. Warum hat das nicht funktioniert?

Für die Verzögerung gibt es nach Angaben von Projektleiter Lopau mehrere Gründe. Die Leerrohre unter den Straßen, durch die die Telekom Glasfaserkabel mithilfe von Luftdruck verlegt, waren teilweise in einem schlechteren Zustand als erwartet. Das machte weitere, zunächst ungeplante Tiefbauarbeiten nötig, für die die Telekom Genehmigungen einholen musste. Zudem ist es derzeit schwer, Baufirmen zu finden, da überall in Deutschland der Breitband-Ausbau läuft und Betriebe deshalb stark ausgelastet sind. Von einer Firma hat sich die Telekom zudem wieder getrennt, da sie mit der Ausführung der Arbeiten nicht zufrieden war. Bei der Suche nach Ersatz verstrich ebenfalls Zeit.

Können Limbach-Oberfrohnaer, die bereits Kunden der Telekom sind, ab September automatisch schneller surfen?

Nein. Sie müssen sich auf jeden Fall an das Unternehmen wenden. Wenn Sie über schnelleres Internet verfügen wollen als bisher, müssen sie einen neuen Vertrag abschließen. Auch wer seinen Vertrag weiterführen möchte, wird gebeten, mit der Telekom Kontakt aufzunehmen, damit die Technik auf den neuen Standard umgestellt werden kann. Damit Kunden sich vor Ort informieren können, macht im August ein Infomobil des Telekommunikationsanbieters auf dem Johannisplatz Station.

Kann die neue Technologie auch von anderen Anbietern genutzt werden?

Ja. Diese müssen dafür eine Gebühr an die Telekom zahlen. Für Kunden könnte es sich ab Herbst also lohnen, Tarife zu vergleichen.

Wie viel Geld investiert die Telekom in den Breitbandausbau in Limbach-Oberfrohna?

Dazu macht das Unternehmen keine Angaben.

Gibt es Pläne, zu einem späteren Zeitpunkt alle Grundstücke mit Glasfaserleitungen auszustatten?

Das ist das Ziel sowohl der Politik als auch der Anbieter. "Dafür müsste aber die gesamte Stadt aufgegraben werden", verdeutlicht Projektleiter Lopau. Daher sei dies eine Generationenaufgabe. Die Umsetzung könne zehn bis 15 Jahre dauern. jop

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    1
    Vanbrought
    02.06.2019

    Das passiert eben wenn die Verantwortlichen Jahrzehnte lang lieber der Generation 60+ Blumensträuße überreichen und sich lächelnd für den Stadtspiegel ablichten lassen als sich um relevante Dinge (ihre Aufgaben) zu kümmern. Aber es scheint ja in letzter Zeit Vernunft in das Rathaus einzukehren seitdem die Schwarzen so langsam ihre Sachen packen müssen. Auch wenn wir in absehbarer Zeit wieder vor dem gleichen Problem stehen, da Vektoring nur eine Übergangslösung sein kann, so bin ich doch froh das sich endlich etwas tut.

    Übrigens.. die Information, dass andere Anbieter diese Technik auch nutzen dürfen , hätte man gern auch ein paar Monate eher rausgeben können..

  • 3
    2
    cn3boj00
    29.05.2019

    Ich darf einmal aus der Breitbandförderrichtlinie der Bundesregierung, gültig ab 11/2018, zitieren:
    "... Um den Ausbau eben dieser Netze voranzutreiben, hat dieBundesregierung das Ziel eines flächendeckenden Gigabit-Netzes bis zum Jahr 2025 festgelegt.Der Ausbau dieser Netze liegt dabei vorwiegend in der Hand privatwirtschaftlicher Unternehmen..."
    Für die technisch weniger versierten: Gigabitnetz bedeutet >1000 Mbit/s. Das ist nur mit Glasfaser zu schaffen, und in einigen Ländern schon Realität, während das Technologieland Deutschland auf einem der letzten Plätze rangiert.
    Die Telekom als privatwirtschaftliches Unternehmen negiert dieses Ziel einfach, wie wir lesen können: dies sei eine Generationenaufgabe.
    Und tatsächlich: die Telekom muss sich nicht um die Ziele der Bundesregierung kümmern, die kann schreiben was sie will. Das BMVI (Herr Scheuer), welches obige Richtlinie erlassen hat, teilt mir dazu mit: "Sie (die Bundesregierung) hat keinen Einfluss auf die Technik, die die Telekommunikationsunternehmen im Rahmen des eigenwirtschaftlichen netzausbaus einsetzen."
    Mit anderen Worten: Gigbitnetz - nur eine neuerliche hohle Blase, die Scheuers Sprechorgan verlässt und platzt.
    Natürlich kann man dort, wo es noch nicht einmal Kuperkabel in die Häuser gibt, gleich Glasfaser legen. Ob das geschehen ist oder die Telekom tatsächlich auch dort Kupfer verlegt hat (!), erfahren wir leider nicht.
    Die erwähnte Siedlung "Am Schützteich" hat einen eigenen Kabelverzweiger. Laut Schreiben der Stadtverwaltung vom 9. 1.2019 heißt es : "Seitens der Telekom wird ein Kabelverzweiger am Standort Schützteich über Eigenausbau mit Glasfaserkabel versorgt...".
    Doch daraus wird nichts, die 500m Glasfaser hat man sich gespart. Ob ein Leerrohr liegt wurde von der Stadtverwaltung nicht beantwortet. Hingegen haben die FWLO klargestellt, dass man keine "Verarsche" der Bürger sehe. Es bleibt bei einer Freileitung, eine zukunftweisende Technologie, getreu dem Motte: einmal letzter, immer letzter.



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