Schornstein ohne Licht - Versorger Eins muss zahlen

Die bunte Esse am Heizkraftwerk hätte eigentlich nachts mit Leuchtketten illuminiert werden sollen. Doch weil es technische Probleme gab, kam es zum Streit zwischen Betreiber und Hersteller. Der ging vor Gericht - nun liegt das Urteil vor.

Zwei parallel verlaufende Lichterketten, die sich um den 301 Meter hohen Schornstein winden und Sachsens höchstem Bauwerk dank insgesamt 1200 LED-Leuchten nachts zu zusätzlicher Strahlkraft verhelfen: So sieht es das Konzept des französischen Künstlers Daniel Buren vor. Und so hätte es sich Eins als Betreiber des Heizkraftwerks, zu dem der Schornstein gehört, schon vor drei Jahren gewünscht.

Dass auch heute noch im Dunkeln kein Funkeln ist, liegt an technischen Problemen an den Lichterketten, um deren Ursache schon lange ein Streit zwischen der französischen Herstellerfirma und Eins schwelt. Weil sich beide nicht einigen konnten, entschieden nun Dritte: Ein Gericht im südfranzösischen Pau urteilte, dass die Herstellerfirma keine Schuld trifft und Eins die kompletten Kosten des Projektes zu tragen hat.

Es geht dabei um nicht weniger als eine reichliche halbe Million Euro. Zu diesem Preis hätte das Unternehmen AE&T, dessen Sitz sich im Süden Frankreichs unweit der spanischen Grenze befindet, die Leuchtketten bereits bis Ende 2012 liefern sollen. So war es im Juli 2012 vertraglich vereinbart worden. Und tatsächlich trafen im Oktober 2012 die ersten Teile in Chemnitz ein - doch danach geriet das Projekt ins Stocken.

Aus dem Urteil, das die Richter am Handelsgericht in Pau nun fällten, geht hervor, dass Eins selbst dabei im November 2012 auf die Bremse getreten hatte. Die Herstellerfirma sollte mit der weiteren Produktion warten. Eins wünschte sich zu jener Zeit weitreichende Änderungen, die die Chemnitzer Anfang 2013 peu à peu nach Frankreich durchstellten. Im Mai 2013 habe AE&T dann per Mail mitgeteilt, dass diese Änderungen mit technischen Risiken verbunden seien.

Das Unternehmen, das zuvor unter anderem bereits den Pariser Eiffelturm mit 22.000 Lichtpunkten sowie den Fernsehturm in Georgiens Hauptstadt Tiflis beleuchtet hatte, hätte deshalb davon abgeraten. Eins habe jedoch auf seinen Wünschen bestanden.

Nach der Installation der LED-Ketten traten 2014 dann Probleme auf. Einige der Leuchten funktionierten nicht, andere wiesen Risse auf, zudem drang in manche der Lampen Feuchtigkeit ein. Laut Gericht wurde vonseiten Eins jede zwölfte LED-Leuchte beanstandet. AE&T gab an, bei Untersuchungen vor der Auslieferung des Materials sei kein Mangel vorhanden gewesen.

Zudem habe das Unternehmen nach dem Auftreten der Fehler daran gearbeitet, diese zu beheben und sich überdies kulant gezeigt. Eins beklagt dagegen fehlendes Engagement auf Seiten des Herstellers. Nach langem Hin und Her, ohne dass eine Lösung für die Probleme gefunden werden konnte, kündigte Eins im Sommer 2015 den Vertrag und zog im Herbst vor Gericht.

Ein Gutachten, welches Anfang dieses Jahres im Auftrag von AE&T erarbeitet wurde, sieht die Fehler bei Eins. Auf den Kabeln sei nach der Montage, um die sich Eins selbst kümmerte, zu viel Zug gewesen, was sich an einigen Stellen auf die Leuchten auswirkte. Grund waren offenbar zu kurze Kabel - was allerdings nicht dem Hersteller anzulasten sei, der die Kabel vertragsgerecht produziert habe. "Das Unternehmen Eins hat gegen unsere Meinung gehandelt und zu unserem Bedauern einen großen Teil des Materials zerstört", sagt Claude Andrieux, Geschäftsführer von AE&T. Eins äußerte sich auf "Freie Presse"-Nachfrage nicht zu technischen Details.

Die Richter sahen in ihrem Urteil demzufolge keinen Anhaltspunkt für den von Eins vorgebrachten Vorwurf, dass der Hersteller der Lichterketten seine vertraglichen Pflichten nicht erfüllt habe. Deshalb müsse AE&T die bisher überwiesenen rund 400.000 Euro auch nicht zurückzahlen und habe zudem Anspruch auf die letzte Rate über 100.000 Euro. Eins werde dagegen voraussichtlich in Berufung gehen, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit.

Ob und wann die insgesamt 3,1Millionen Euro teure Sanierung der Außenhülle des Schornsteins mit der Installation der Lichterkette schließlich abgeschlossen werden kann, ist derzeit noch unklar. "Das hängt vom Ausgang des gerichtlichen Verfahrens ab. Wir prüfen das Urteil intensiv und werden danach schauen, was wir jetzt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten tun können", sagte der Unternehmenssprecher.


Vom Schlot zum Wahrzeichen

Der Schornstein des Heizkraftwerks

Chemnitz war in den Jahren zwischen 1981 und 1984 erbaut worden. Er gilt mit einer Höhe von 301 Meter als das höchste Bauwerk Sachsens. Mittlerweile hat sich die Esse seit der Sanierung vor drei Jahren von einem schmucklosen Schlot zum Wahr- zeichen von Chemnitz verwandelt, das sogar auf Postkarten abgebildet wird.

2012 wurde begonnen, den Schornstein für 3,1 Millionen Euro zu sanieren. Die Segmente wurden in den Farben Verkehrsgelb, Signalviolett, Melonengelb, Himmelblau, Gelbgrün, Erdbeerrot und Aquamarin bemalt - nach einer Idee des französischen Malers und Bildhauers Daniel Buren. Sein Konzept sah eine Lichterkette mit etwa 1200 LED-Lämpchen vor, um die Esse nachts zu illuminieren. (su)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 4
    1
    Steuerzahler
    02.12.2016

    Und woher kommt das Geld? Natürlich von den Gebühren, die die Kunden von dieser Firma bezahlen! Um wie viel könnten die Preise gesenkt werden, wenn die unsinnigen Ausgaben minimiert würden!

  • 5
    0
    hkremss
    02.12.2016

    Am 01.08.2015 konnte man hier in der FP ein Interview lesen und die Aussage der Geschäftsführung von eins Energie "dass es unter meiner Verantwortung nur eine Lösung geben wird, die 100-prozentig funktioniert". Pustekuchen. Ein Gericht hat entschieden, Geld muss bezahlt werden und eine Beleuchtung ist immernoch nicht vorhanden. Ist das jetzt die 100-prozentige Lösung?



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...